KINO: Amateurfilmer jagen Glücksmomente

Die Brüder Georg und Othmar Walker haben einen Film über Steinbock-Jäger und Kristallsucher gedreht. Die Dreharbeiten im Gelände waren nicht ganz einfach.

Elias Bricker
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Georg Walker hält mit seiner Kamera die Morgenstimmung im Gebiet Sunniggrätli ob Amsteg fest. (Bild: PD)

Georg Walker hält mit seiner Kamera die Morgenstimmung im Gebiet Sunniggrätli ob Amsteg fest. (Bild: PD)

Die Brüder Othmar und Georg Walker sind Glücksjäger. Mit ihrer Filmkamera fangen sie Augenblicke des absoluten Glücks ein – jene Momente, in denen ein Strahlner eine Kluft voller Kristalle öffnet oder ein Jäger einen ausgewachsenen Steinbock schiessen kann. «Es ist genial, wenn wir genau in der richtigen Sekunde die Kamera draufhalten und die Emotionen festhalten können», sagt Othmar Walker. Genau um diese Glücksmomente von Kristallsuchern und Steinbock-Jägern geht es in ihrem neusten Dokumentarfilm «Stei-Wild». Diese Wochen haben die Brüder die letzten Arbeiten am Film abgeschlossen. Und am Freitag, 4. März, feiert der 107-minütige Streifen im Cinema Leuzinger in Altdorf Premiere. Danach – so hoffen die beiden gebürtigen Gurtneller – soll er auch in anderen Zentralschweizer Kinos laufen.

Wunderschöne Landschaftsbilder

Im Zentrum des Films stehen Porträts von Urner Strahlern und Jägern. «Wir wollen zeigen, was alles dahinter steckt», so Othmar Walker. «Die Hochwildjagd dauert zwar nur zwei Wochen. Doch viele Jäger sind das ganze Jahr dafür unterwegs.» Zudem wird zurückgeblendet und gezeigt, wie angesiedelte Steinböcke in den vergangenen Jahrzehnten die Urner Berge zurückerobert haben. Der Film lebt aber auch von einmaligen Landschaftsaufnahmen. Der 36-jährige Amateurfilmer Othmar Walker hat bereits 2012 mit «Wenns chrooset und rumplet» für Aufsehen gesorgt. Der Film zeigte, wie Holzer früher ohne Maschinen Bäume gefällt und ins Tal transportiert haben. Alleine in Altdorf sahen mehr als 3000 Personen den Film. Wegen des Erfolgs lief er danach in anderen Kinos in der ganzen Deutschschweiz. Mit einfachsten Mitteln gelang Walker ein Achtungserfolg.

Kiloweise Material mitgeschleppt

Drei Jahre haben Othmar und Georg Walker nun in ihren neuen Film investiert. Mehr als 4000 Arbeitsstunden haben sie aufgewendet. «Das entspricht je einem Jahrespensum», sagt Othmar Walker. «Ein grosser Teil unserer Freizeit haben wir dem Film gewidmet.» Er habe sogar sein Arbeitspensum als Metallbauschlosser reduziert, um sich noch mehr um sein Hobby zu kümmern. Und sein 44-jähriger Bruder Georg habe Film, Familie und seine Arbeit als Mechaniker unter einen Hut bringen müssen. Denn die beiden haben nicht nur gefilmt, sondern auch geschnitten und die Finanzierung mit Sponsoren sichergestellt.

Meist fanden die Dreharbeiten im steilen Gelände statt. Denn Kristallsucher und Steinbock-Jäger sind meist im Gebirge unterwegs – weitab von Strassen. Stundenlange Märsche und Biwak-Übernachtungen waren an der Tagesordnung. Dabei hatten die Filmer ganz schön zu schleppen. Allein das Filmequipment wiegt rund 20 Kilogramm. Dazu kamen oft noch Gepäck und Proviant für mehrere Tage. «Durch diese Märsche wurden wir richtig fit», sagt Othmar Walker und lacht. Dies habe sich gelohnt. «Wir wollen ja nicht Szenen nachstellen», so Amateurfilmer. «Sondern wir wollen Authentizität zeigen, die richtigen Momente mit der Kamera festhalten.» Auch wenn dies in einer dunklen Kristallkluft gar nicht immer so einfach gewesen sei. «Man weiss ja hinter der Kamera auch nie, was im nächsten Augenblick gerade passiert.»

«Sehnsucht nach heiler Welt»

«Die Kinder vom Napf», «Bergauf, bergab», «Alpsummer», «Wätterschmöcker», «Arme Seelen» oder «Die Wiesenberger»: Gleich mehrere Dokumentarfilme aus der Zentralschweiz lockten in den vergangenen Jahren Zuschauer in die Kinos. 

«Diese Filme leben von Bildern und Geschichten aus der Region», sagt der bekannte Luzerner Filmemacher Edwin Beeler, dessen Dokumentation «Die weisse Arche» – ein Film über Spiritualität, Natur und Sterben – aktuell in den Kinos läuft. Die Leute fühlten sich durch die Filme angesprochen, weil sie die Region oder die Protagonisten des Films kennen respektive einen Bezug zum Thema hätten. «Zudem haben wir im Zeitalter der Digitalisierung, der Wirtschaftskrisen und der Flüchtlingsproblematik vielleicht eine Sehnsucht nach einer heilen Welt, die uns eventuell ein bisschen abhandengekommen ist», so Beeler. «Die Filme haben ja immer auch einen Bezug zur Natur.»

Erfolgreichere Zentralschweizer

«Diese Dok-Filme zeigen oft aber auch Welten, die es vielleicht in ein oder zwei Generationen so nicht mehr gibt», sagt Beeler. So stünden etwa oft aussterbendes Handwerk, Brauchtum oder Rituale als Ausdruck der Volksfrömmigkeit im Zentrum. Der gebürtige Rothenthurmer ist überzeugt: «Politische Dokumentarfilme oder solche, die im zersiedelten Mittelland angesiedelt sind, haben es schwerer als die Filme aus der Zentralschweiz.»

Elias Bricker

Trailer: Eine Vorschau zum Film gibt es unter www.luzernerzeitung.ch/bonus