KIRCHE: Am Karfreitag macht es «Taktaktaktak»

Der Bildhauer Toni Walker hat die Schattdorfer Karfreitagsrätsche restauriert. Für einmal bekommen die Kirchgänger zu sehen, was ihnen sonst verborgen bleibt.

Markus Zwyssig
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Bildhauer Toni Walker ist in seinem Atelier in Flüelen mit den letzten Arbeiten an der Schattdorfer Karfreitagsrätsche beschäftigt. (Bild: Urs Hanhart)

Bildhauer Toni Walker ist in seinem Atelier in Flüelen mit den letzten Arbeiten an der Schattdorfer Karfreitagsrätsche beschäftigt. (Bild: Urs Hanhart)

Ein monotones «Taktaktaktak» ist am Karfreitag von vielen Urner Kirchen zu hören. Das seltsame Geräusch stammt von der so genannten Karfreitagsrätsche. Hölzerne, auf Spannfedern aufgezogene Hämmer schlagen dabei durch ma­nuelles Drehen einer Holzrolle auf eine Kiste auf. Deren Hohlraum dient als Resonanzkörper. Die Karfreitagsrätsche ersetzt die Kirchenglocken, die an diesem Tag schweigen. Aus Trauer um das Leiden und Sterben Jesu.

Automatisierung schlug fehl

In Schattdorf war das Geräusch seit ein paar Jahren nicht mehr zu hören. Grund: Der Versuch, die rund 30 Kilogramm schwere alte Karfreitagsrätsche hoch oben im Glockenturm mit einem Motor zu versehen, misslang. Geplant war, dass die Rätsche dadurch über ­einen Schalter vom Kirchenschiff aus zu bedienen gewesen wäre.

Nun aber hat Bildhauer Toni Walker in seinem Atelier in Flüelen die alte Karfreitagsrätsche restauriert. Er hat dabei versucht, diese möglichst in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. «Anhand der verwendeten Schrauben muss die Rätsche um 1930 entstanden sein», vermutet Walker. Es sei die Arbeit eines lokalen Schreiners gewesen. Genaueres über den Ursprung der Schattdorfer Kirchenrätsche ist aber nicht überliefert.

Weit herum zu hören

Walker hat zwei der insgesamt acht Hämmer der Rätsche ersetzt. Erneuert hat er auch mehrere der Zäpfen aus hartem Apfelbaumholz. Diese befinden sich auf einer Holzrolle, welche beim Drehen die Hämmer anhebt und anschliessend auf die grosse hohle Kiste schlagen lässt.

Dreht Toni Walker in seinem Atelier in Flüelen die Rätsche, macht das einen ohrenbetäubenden Lärm. Man glaubt ihm, wenn er sagt: «Das Geräusch ist weit herum zu hören.» Trotzdem fügt er an, die Rätsche sei nicht so laut wie die Kirchenglocken. Toni Walker kennt sich aus mit Karfreitagsrätschen, für Flüelen hat er vor ein paar Jahren selber eine neue gebaut. Doch nicht nur das. Er bedient sie jeweils am Karfreitag auch selber. «Ich drehe sie bewusst mal langsamer und dann wieder schneller», sagt Walker. «So wie Jesus auf dem Kreuzgang. Er ging auf seinem schweren Leidensweg auch schneller und dann wieder langsamer.»

Walker erinnert sich an einen alten Brauch: «Vor Ostern haben unverheiratete Männer im Dorf um Eier gebettelt.» Offensichtlich mit Erfolg: Sie erhielten nebst Eiern auch Würste, Gebäck und Wein. «Vermutlich waren es vor allem jene, welche die Rätsche bedient haben.» Das sei der Lohn für die harte Muskelarbeit gewesen. «Mit den Geschenken veranstalteten sie ein Fest bis zum Morgengrauen», weiss Walker.

Am kommenden Samstagabend sowie am Sonntagmorgen nach dem Gottesdienst stellt Toni Walker in der Pfarrkirche Schattdorf die restaurierte Karfreitagsrätsche vor.