Landeskirche Uri soll kein «Streithaufen» sein

Innerhalb der evangelisch-reformierten Landeskirche Uri brodelt es schon seit geraumer Zeit. Nun ist es zu einer «Chropflääretä» gekommen, in welcher der Kirchenrat zum Teil heftig kritisiert wurde.

Urs Hanhart
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Die rund vier Dutzend versammelten Mitglieder waren sich in Erstfeld einig, dass es innerhalb der evangelisch-reformierten Landeskirche so nicht weiter gehen kann. (Bild: Urs Hanhart, Erstfeld, 23. September 2019)

Die rund vier Dutzend versammelten Mitglieder waren sich in Erstfeld einig, dass es innerhalb der evangelisch-reformierten Landeskirche so nicht weiter gehen kann. (Bild: Urs Hanhart, Erstfeld, 23. September 2019)

Die evangelisch-reformierte Landeskirche Uri führte am vergangenen Montag im Kirchgemeindehaus Erstfeld eine ausserordentliche Versammlung durch, die rund vier Dutzend Mitglieder, darunter auffallend viele Senioren, anlockte.

Auf dem Programm standen lediglich die drei Traktanden Begrüssung, Kirchenrat und Geschäftsprüfungskommission (GPK) sowie Varia. Trotzdem dauerte die vom externen Moderator David Weiss geleitete Veranstaltung weit über zwei Stunden. Dies deshalb, weil heisse Eisen aufs Tapet gebracht wurden. Innerhalb der Kirche rumort es schon seit längerer Zeit. Angesagt war deshalb eine Art «Chropflääretä».

«Es kam zu Verletzungen menschlicher Art»

Davon machten etliche Mitglieder kräftig Gebrauch, unter ihnen Max Fumasoli. «Ich bin sehr enttäuscht von vielem, was in diesem Jahr schiefgelaufen ist. Die Frühjahrsversammlung war eine Katastrophe und die GPK ist unterdotiert», so Fumasoli. «Es kam zu Verletzungen menschlicher Art, weshalb ich vom Kirchenrat eine Wiedergutmachung erwarte.» Zudem verlangte er vom Kirchenrat eine bessere Informationspolitik.

Kritik übte auch Hansueli Dätwyler aus, und zwar folgendermassen: «Dem Kirchenrat fehlt es am nötigen Fingerspitzengefühl. Zudem sollte er sich breiter abstützen und vorhandene Gefässe besser nutzen.» Damit meinte Dätwyler vor allem die Pfarrwahlkommission. «Wir wollen wieder eine friedfertige Kirche.» Er hängte aber auch ein Lob an: «Der Kirchenrat hat operativ sehr viel Gutes gemacht.»

Besorgt zeigte sich Erika Flurin. «Ich wünsche mir, dass man in unserer Kirche wieder lernt, aufeinander zuzugehen. Zudem möchte ich, dass die Kirche wirklich eine Kirche ist und kein Streithaufen», so Flurin. Viel Kritik einstecken musste der Kirchenrat für seine in den Augen einiger Mitglieder intransparente Personalpolitik. Zwei neue Pfarrer anzustellen, ohne den Souverän zu fragen, sei eine Frechheit. Überhaupt wird man vom Kirchenrat schon seit Jahren übergangen, meinten einige Votanten. Auch die Zusammenlegung aller Gemeinden zu nur noch einer Kirche im Kanton kam aufs Tapet. Dabei seien Fehler gemacht worden und das Ganze bedürfe einer Aufarbeitung. Erstfeld und Andermatt fühlten sich so übergangen.

Besser zuhören anstatt herumhacken

Präsidentin Felicitas Schweizer wies die gegenüber dem Kirchenrat erhobenen Vorwürfe zurück, räumte aber gewisse Fehler in der Informationspolitik ein. Beim Zusammenschluss zu einer Kirche habe es keineswegs eine Überrumpelung gegeben. Alle drei Gemeinden hätten sich seinerzeit grossmehrheitlich für die Zusammenlegung ausgesprochen. Zudem verteidigte sie das Vorgehen bei der Anstellung von zwei neuen Pfarrern und betonte: «Man sollte dem Kirchenrat zuhören und nicht ständig auf ihm herumhacken. Es ist uns keineswegs egal, dass solche Querelen vorhanden sind. Wir kämpfen schon seit Jahren für eine geeinte Kirche.» Schweizer wies darauf hin, dass ihre Amtszeit im Mai 2020 zu Ende geht. Eine weitere Verlängerung komme für sie nicht in Frage.

Immerhin waren sich alle Versammelten dahingehend einig, dass es nicht in diesem Stil weitergehen kann. Man kam überein, zwei je zehn- bis zwölfköpfige Arbeitsgruppen zu bilden, in der alle Gemeinden sowie der Kirchenrat und allenfalls auch die GPK vertreten sein sollen. Eine Arbeitsgruppe soll sich schwerpunktmässig mit dem Thema Wahlen beschäftigen. Eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für Schweizer zu finden, dürfte kein leichtes Unterfangen werden. Die andere Arbeitsgruppe soll sich vor allem dem Thema Kommunikation widmen.