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KLASSIKER: Das Urner Kultbuch schafft den Sprung ins 21. Jahrhundert

Eduard Renners «Goldener Ring über Uri» ist neu erschienen – 75 Jahre nach der Erstausgabe. Das Buch war lange vergriffen. Der Arzt und Volkskundler beschreibt die Welt der Bergler, in der es auch um Zauberei und Hexerei geht.
«Der Holzer» von Heinrich Danioth: Illustration aus dem Buch «Goldener Ring über Uri».Bild: PD

«Der Holzer» von Heinrich Danioth: Illustration aus dem Buch «Goldener Ring über Uri».Bild: PD

Leicht macht es Eduard Renner dem Leser nicht. Sein Buch «Der Goldene Ring über Uri», das 1941 erstmals erschienen ist, hat schon viele fasziniert. Ganz verstanden haben es aber längst nicht alle. «Das Buch kenne ich», bekommt man oft zu hören, wenn man jemanden nach dem «Goldenen Ring über Uri» fragt. Ebenso häufig heisst es dann aber: «Ich habe mit dem Lesen begonnen, das Buch aber wieder weggelegt.»

Eduard Renners Buch «Der goldene Ring über Uri» ist nicht ganz einfach zu begreifen. «Man muss sich etwas durchbeissen», sagt Josef Arnold. Der pensionierte Rektor der kantonalen Mittelschule und promovierte Psychologe hat sich ausgiebig mit dem Inhalt beschäftigt.

Ein Arzt spürt der Volksseele nach

Wer das Buch liest, muss sich in die etwas eigenartige Gedankenwelt der Bergler versetzen. Der Urner Arzt und Volkskundler Eduard Renner hat damals bei seinen Hausbesuchen in entlegenen Heimetli bei seinen Patienten genau hingehört. Er begann, der seelischen Befindlichkeit der Bergler nachzuspüren. Es geht dabei um den Bann, den Schutz vor Unheil. Der «Goldene Ring» soll helfen, das Schlechte und den Frevel, abzuwenden. In dieser Welt geht es auch um Zauberei und Hexerei, um weisse und schwarze Magie. Auch wenn die Welt heute eine ganz andere sei, habe das von Renner geschilderte Denken nach wie vor eine grosse Bedeutung, so Josef Arnold. «Wir fühlen uns vom Magischen nach wie vor angezogen.»

Renner beschloss, diese seltsame Weltanschauung der Bergler in einer Doktorarbeit zu beschreiben. Wesentliche Teile daraus erschienen 1941 in einem bereits damals von Heinrich Danioth illustrierten Buch «Goldener Ring über Uri». Im Untertitel: «Ein Buch vom Erleben und Denken unserer Bergler, von Magie und Geistern und von den ersten und letzten Dingen.»

Das Buch war lange Zeit vergriffen

Vier Mal wurde das Buch bisher neu herausgegeben. 25 Jahre sind seit der letzten Auflage verstrichen. Das Buch war lange vergriffen. Wer Glück hatte fand ein Exemplar in einem Antiquariat oder auf einer Verkaufsplattform im Internet. Der heute in Zürich Witikon lebende Urner Künstler Urs Huber machte sich bereits vor ein paar Jahren dafür stark, dass der Klassiker seines Grossvaters neu aufgelegt wird. Er gründete dazu die Stiftung Toggäli-Bewegung Uri und begeisterte dafür Freunde und kunstorientierte Personen. Insbesondere Stiftungsmitglied Martin Arnold-Berther setzte unzählige Stunden dafür ein, dass die Neuauflage Wirklichkeit wurde.

Ein weiteres Ziel der Stiftung ist es, als Hommage an Eduard Renner im öffentlichen Raum im Kanton Uri so genannte Toggäli zu platzieren. Die von Urs Huber geschaffenen skulpturalen und farbigen Gebilde drehen sich im Uhrzeiger- und Gegenuhrzeiger-Sinn. Bei starkem Föhn scheinen sie zu tanzen.

Am Freitagabend hat im alten Zeughaus in Altdorf die Buchvernissage der 364 Seiten dicken Neuauflage des «Goldenen Rings über Uri» stattgefunden. 3000 Exemplare wurden gedruckt. Neben den sieben Kapiteln von Eduard Renner und dem Vorwort zur ersten Auflage wurde das Buch um verschiedene Begleittexte ergänzt. Dies trägt wesentlich zur Verständlichkeit bei. So hat der Kunsthistoriker Beat Stutzer Biografisches und Erklärendes zu Eduard Renner beigesteuert. Urs Huber geht auf das magisch-animistische Gedankengut seines Grossvaters ein. Felix Aschwanden, der Verfasser des Urner Mundartwörterbuchs, hat die Dialektwörter ins Hochdeutsche übersetzt.

Jörg: «Das grösste Rätsel der Welt ist der Mensch selbst»

Der Urner Landammann Beat Jörg hat sich ebenfalls mit dem Buch beschäftigt. Die Urner Bildungs- und Kulturdirektion, welcher Jörg vorsteht, hat die Neuauflage unterstützt. Insbesondere bei der Suche und der Auswahl der Illustrationen half man mit. 38 Bilder von Heinrich Danioth sind im Buch zu finden. Der Urner Künstler war ein Freund Renners.

Beat Jörg freut sich über die Neuauflage und die Gelegenheit, sich wieder mit dem «Goldenen Ring» zu beschäftigen. «Der Mensch hat schon oft versucht, die Welträtsel zu lösen», sagt Jörg. Jede Antwort werfe neue Fragen auf. «Das grösste Rätsel der Welt ist der Mensch selbst.»

Hinweis

Die Neuauflage des Buchs «Goldener Ring über Uri» ist im Verlag Gisler Druck in Altdorf erschienen und im Buchhandel für 54 Franken erhältlich.

Markus Zwyssig

Die Mahlzeit (Bild: Heinrich Danioth)
Alpsegen (Bild: Heinrich Danioth)
Urner Alpsegen (Bild: Heinrich Danioth)
Hirtin mit Stab (Bild: Heinrich Danioth)
Scherhorn (Bild: Heinrich Danioth)
Kiltgang (Bild: Heinrich Danioth)
Bild: Heinrich Danioth
7 Bilder

Neuauflage «Goldener Ring über Uri»

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