Kolumne
«Ürner Asichtä»: Mittendrin in der Langlaufplauschwoche in Davos

Sie ist gestartet, aber noch nicht vorbei! Nein, Kolumnistin Sarah Kempf meint nicht die Fussball-WM und auch nicht die Energiekrise, sondern die Langlaufplauschwoche in Davos.

Sarah Kempf, Davos
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Total knapp 3000 Gäste sind diese Woche in meiner momentanen Heimat, Davos, zu Besuch. Wow, nach dem jeweils eher ruhigen November wieder so viele Leute in der Stadt zu haben, ist speziell. Davos startet in die Wintersaison. Die Hotels öffnen ihre vielfach im Herbst geschlossenen Türen und testen ihre Abläufe mit neuen Teams. Sie rüsten sich für die kommenden Wochen.

Denn nun geht es Schlag auf Schlag. Direkt nach der Langlaufplauschwoche finden zwei Wochen lang die AO Davos Courses statt. Ein riesiger Kongress mit hunderten von Ärzten aus aller Welt. Da muss alles funktionieren – die Erwartungen und Ansprüche sind hoch. Darum ist die Hauptprobe mit den Schweizer Langlaufgästen ideal. Die Stimmung ist locker und ausgewogen, für viele der Gäste sind es die ersten Ferientage im Schnee nach einem ausserordentlich warmen Herbst.

Sarah Kempf

Sarah Kempf

Bild: PD/Mara Truog

Als Langlauflehrerin bin ich mittendrin. Zusammen mit über 50 anderen Leiterinnen und Leitern gebe ich jeweils am Vor- und Nachmittag während zwei Stunden Langlaufunterricht. Obwohl nach wie vor Skating stärker gefragt ist, «boomt» auch die klassische Technik!

Aber hoppla, Frau Holle ist noch nicht ganz in Arbeitsstimmung. Sie hat zwar ihre ersten Schneeflocken vom Himmel geschüttelt, aber leider war sie noch nicht ganz so fleissig, wie wir Wintersportler uns dies gewünscht haben. Anfang Woche war die Schneelage noch zu akut, um klassische Spuren bereitzustellen.

Hilfe, Langlauf ohne Spuren – ein kurzer «Schock» für uns Leitenden. Wie erklären wir das unseren «klassischen» Gästen? Sollen wir als Alternative Walking anbieten? Oder alle dazu motivieren, mal die Skatingtechnik auszuprobieren?

Wir entschieden uns, klassisch trotzdem anzubieten, eben einfach auf der breiten Loipe. Das ist zwar bedeutend anspruchsvoller, aber zum Üben gar nicht schlecht. Man muss sicherer, gezielter und technisch schöner laufen, um vorwärtszukommen. Besonders für Einsteiger eine Herausforderung. Doch dank unserer Schritt-für-Schritt-Aufbauübungen meisterbar. Bereits nach den ersten zwei Lektionen sind die Hemmungen überwunden und die kritischen Grimassen umgewandelt in stolze und glückliche Gesichter.

Ab Tag zwei konnten dank genügend Kunstschnee sogar Spuren präpariert werden. Um das bei schwierigen Verhältnissen Erlernte fast schon profimässig umzusetzen. Tja, so schnell ist ein Wandel möglich. Und einer tollen Woche mit viel Spass und Freude stand nichts mehr im Weg!

Liebe Urnerinnen und Urner, ich hoffe, Sie alle mit meinen Langlaufimpressionen inspiriert zu haben, und freue mich, wenn ich Sie «glustig» machen konnte, diese Sportart selber auch mal auszuprobieren! Es muss ja nicht unbedingt Davos sein, auch das Urnerland bietet wunderschöne Loipen. Ein Versuch ist es wert!