Kolumne «Ürner Asichtä»

Mit Zuversicht in die Zukunft blicken: Die Enkelin möchte einmal 100 Kinder und rot gefärbte Haare haben

Gerade in Zeiten von Corona spielt die Zuversicht eine wichtige Rolle, findet Kolumnistin Regula Waldmeier.

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Regula Waldmeier

Regula Waldmeier

Meine ältere Enkelin, achteinhalb Jahre alt, möchte, wenn sie gross ist, eine berühmte Sängerin und Bäuerin werden, mit ganz vielen Tieren. Die Jüngere, viereinhalb Jahre jung, formuliert, da dies die Ältere so tut, auch zwei Berufsziele: Polizistin und Ärztin. Sie möchte 100 Kinder und rot gefärbte Haare haben. Dabei schauen die Mädchen munter in die Zukunft, zuversichtlich, dass sich ihre Pläne erfüllen.

Die Kranke wartet im Spitalbett auf den Bescheid, wie weit sich der Krebs in ihrem Körper schon ausgebreitet hat. Wenn sie gesund wird, will sie unbedingt drei Dinge in Angriff nehmen. Zum Beispiel einmal in New York leben. «D's Chlüüsers Rosmaryy» würde, wenn es «Pulver» hätte, nach «Ziiri und Aargäü» fahren so «gheerig ga wirgä».

Annett Louisan und Stefan Eicher singen im Duett: «Jetzt wäre eine gute Zeit zu sagen, geh noch nicht, bleib doch hier. Aber alles bleibt still.» Vielleicht werden sie es später sagen, wenn sie Zeit haben, wenn es besser stimmt, wenn ... irgendwann in der Zukunft vielleicht. Vermutlich ist der Mensch der einzige Erdbewohner, der weiss, dass es eine Zukunft gibt. «Und auch, dass er sterben wird», wenden meine Diskussionspartnerinnen ein. Das lässt sich nicht leugnen, eine traurige Hypothek oder gar eine Chance? Die Zukunft birgt die Möglichkeit für Hoffnung, für Wünsche, für Zuversicht. «Und sie nimmt uns in die Verantwortung, diese zu gestalten», ergänzt mein Gegenüber. Auch da stimme ich zu.

Mit der Zeit wird der Regen nachlassen

Hoffnung zu haben, ist tröstlich: Mit der Zeit wird der Liebeskummer nicht mehr so schmerzen, wird die Wunde heilen, wird der Regen nachlassen. Hoffentlich wird auch «d's Rosmaryy» einmal «Pulver» haben und nach Zürich und in den Aargau reisen können. Die Kranke wird hoffentlich genesen. Hoffentlich haben wir uns noch lange lieb.

Wünsche sind, so finde ich, das Salz des Lebens. Sie lassen uns träumen, Wünsche werden wahr, irgendwann. Und ganz bestimmt, da wo wir sind, auch in unserer kleinen Welt, im Alltag, bei der Arbeit, in der Familie, müssen wir tagtäglich Entscheidungen treffen, im Bewusstsein, dass wir für die Zukunft mitverantwortlich sind.

In diesen Zeiten übe ich mich in Zuversicht. Ich bin zuversichtlich, dass, wenn wir uns alle anstrengen, die Krise vorbeigehen wird. Zuversichtlich, dass die Welt auch mit der Spezies Mensch gesünder werden kann, wenn wir uns alle sehr um sie bemühen. Zuversichtlich, dass meine Enkelinnen ihre Berufswünsche erfüllen können, auch weil sie zur Schule gehen können, sie beschützt werden, sie geliebt werden, sie sich gesund ernähren können, weil die «Grossen» endlich gelernt haben, zur Umwelt Sorge zu tragen.

Zuversichtlich überlege ich mir, in jeder Situation, was mein Beitrag sein muss. Gegen Zuversicht haben die Schwarzmaler keine Chance, denn Zuversicht ist gesund, macht gesund. So schliesse ich meine Überlegungen mit Nelson Mandelas berühmtem Zitat: «Mögen deine Entscheidungen deine Hoffnungen reflektieren, nicht deine Ängste». Oft zitiert, ich weiss – aber für mich hier passend.

Regula Waldmeier, Pensionärin