Interview

Ursus und Nadeschkin sagen, weshalb sie Fans des Urner Publikums sind

Das Komiker- und Kabarett-Duo kommt mit seinem neuen Programm «Der Tanz der Zuckerpflaumenfähre» an zwei Abenden ins Theater Uri.

Markus Zwyssig
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Urs Wehrli alias Ursus und Nadja Sieger alias Nadeschkin sind eines der bekanntesten Bühnenpaare der Schweiz. Die beiden sind zurzeit nicht nur auf Tournee, sondern proben auch bereits für ihren Auftritt im Circus Knie, mit dem sie im kommenden Jahr unterwegs sind.

Ursus und Nadeschkin, wie sollen wir Sie begrüssen, mit «Uhu» oder «Hai»?

Nadja Sieger: (Nach kurzer Pause) Das ist ein denkbar schlechter Einstieg, denn diese Witze sind schon 20 Jahre alt.

Urs Wehrli: So hat uns schon lange niemand mehr begrüsst. Das ist ein bisschen, wie wenn man die Rolling Stones fragen würde, ob sie immer noch «Satisfaction» spielen.

Sind Sie ihrer alten Sachen überdrüssig geworden?

Nadja Sieger: Nein, nein. Wir haben das ja selber geschrieben. Dazu können wir auch heute noch stehen. Es ist nur so, dass mein Sohn gar nicht weiss, wenn man die Witze auf dem Spielplatz erzählt, dass das etwas mit seiner Mamma zu tun hat. Wir haben schon lange nichts mehr zu tun mit Uhu und Hai. In Zukunft geht es um andere Tiere.

Urs Wehrli: Wir sind zwar zurzeit auf Tournee, parallel dazu proben wir aber auch schon für den Circus Knie, mit dem wir im kommenden Jahr unterwegs sein werden. Wir wollen noch nicht zu viel verraten. Nur so viel: Man darf ja gar nicht mehr so viele Tiere im Zirkus zeigen. Daher arbeiten wir an einer Nummer mit Raubtieren, die gar nicht da sind.

Nadja Sieger: Im Zirkus wird alles etwas grösser und uns sieht man dann vielleicht von viel weiter weg. Daher ist es wichtig, dass jetzt alle ins Theater Uri kommen, um uns in einem kleineren Rahmen zu erleben. So nahe und intim erlebt man uns längere Zeit nicht mehr.

Ursus und Nadeschkin sind am Mittwoch, 4. und Donnerstag, 5. Dezember 2019, im Theater Uri zu erleben. Bild: (Geri Born, Zürich)

Ursus und Nadeschkin sind am Mittwoch, 4. und Donnerstag, 5. Dezember 2019, im Theater Uri zu erleben. Bild: (Geri Born, Zürich)  

Sie wirken auf der Bühne sehr spontan. Wahrscheinlich ist das aber alles von langer Hand geplant und eingeübt.

Urs Wehrli: Der verstorbene niederländische Showmaster Rudi Carrell hat einmal gesagt, dass man nur das aus dem Ärmel schütteln kann, was man zuvor hineingetan hat. Wir haben uns gut vorbereitet. Bereits von vornherein wissen wir eigentlich recht genau, was wir machen und wie es ablaufen soll. Wir lassen aber immer auch eine Türe offen für Unvorhergesehenes. Auf einer gut eingeübten Grundlage können wir dann immer noch einen Teil improvisieren oder spontan auf etwas reagieren, was auf der Bühne oder im Publikum gerade passiert. So wirkt unser Programm immer spontan. Die Leute wissen manchmal nicht, ob das jetzt eingeübt ist, oder ob wir das gerade erfunden haben.

Bekannt sind Ursus und Nadeschkin dafür, dass sie sehr gut synchron miteinander sprechen können. Ist das auch alles eingeübt?

Nadja Sieger: Unser Synchronsprechen ist normalerweise bis ins letzte Detail eingeübt. Aber rund um das herum können wir sehr frei reden, so wie uns der Schnabel gewachsen ist. Wenn klar ist, was wir machen, haben wir gerade deswegen alle Freiheiten für Improvisationen.

Sie waren nun schon ein paar Mal im Theater Uri zu Gast. Wie haben sie dabei das Publikum erlebt?

Nadja Sieger: Wir haben gute Erinnerungen ans Publikum. Wir sind Fans von den Urnern und Urnerinnen, die zu uns ins Theater kommen. Wir erlebten sie immer als sehr wach und intellektuell. Bei Auftritten mit «gspürigem» Publikum, können wir uns schön auf die Äste hinauswagen. Altdorf ist zwar ein kleines Städtchen. Wir sind aber immer total begeistert, wie viele ganz unterschiedliche Menschen hier zu uns an unsere Auftritte kommen und wie viel Fantasie sie mitbringen.

Urs Wehrli: Uns verbindet eine ganz frühe Erfahrung mit Altdorf. In den 1990er-Jahren gab es für unsere Szene eine Künstlerbörse, die jedes Jahr an einem anderen Ort stattfand. Die Veranstaltung gibt es auch heute noch, aber sie findet nun seit über 20 Jahren in Thun statt. Vor dieser Zeit war die Börse aber eben auch einmal in Altdorf zu Gast. Wir durften uns präsentieren und zeigten eine Viertelstunde aus unserem Programm. Das war ein wichtiger Moment für uns. Im Publikum sassen nämlich Veranstalter, die entscheiden konnten, ob sie uns künftig buchen – oder nicht.

Inzwischen sind Ursus und Nadeschkin in ganzen Schweiz bestens bekannt. Müssen Sie sich da überhaupt noch potenziellen Veranstaltern vorstellen?

Nadja Sieger: Wir können im Duo und auch Solo tatsächlich inzwischen einen sehr grossen Output vorweisen. Unser aktuelles Bühnenprogramm ist bereits das zehnte. Wir haben 10 Jahre lang das Humorfestival Arosa moderiert, haben 20 verschiedene Varieté-Programme gestemmt und daneben gab es noch viele weitere Projekte, die wir alleine oder gemeinsam produzierten. Das neue Bühnenprogramm ist unser Lieblingsstück. Das Programm stösst überall beim Publikum auf ein positives Echo. Auch die Jungen können wir damit gut erreichen.

Wie schaffen Sie es, dass Sie mit ihrem Programm alle Altersgruppen ansprechen können?

Nadja Sieger: In unserem neusten Stück klappt das wunderbar. Der rote Faden ist Tschaikowskys «Nussknacker». Das ist ja auch ein Bühnenstück respektive eine Operette für jedes Alter. Der Titel ist etwas verfänglich, denn eigentlich heisst es «Der Tanz der Zuckerpflaumenfee», aber wir haben das extra falsch übersetzt, darum heisst es bei uns «Der Tanz der Zuckerpflaumenfähre».

Ursus und Nadeschkin treten an ganz unterschiedlichen Orten auf. Da kennen Sie auch das Publikum. Gibt es eigentlich Unterschiede zwischen Stadt und Land?

Nadja Sieger: Der grosse Unterschied ist, dass auf dem Land alle kommen. Das heisst, da sitzt der Enkel neben der Urgrossmutter. In der Stadt ist das Publikum viel weniger stark gemischt. Der Fächer geht ausserhalb der Stadt extrem auf. Und das ist spannend, denn es gibt ganz andere Reaktionen auf das, was wir auf der Bühne bieten. Wenn ein 10-Jähriger im Publikum sitzt, lacht er an anderen Stellen als die 80-jährige Grossmutter.

Sie stehen nun schon seit 33 Jahren gemeinsam auf der Bühne. Ist Ihnen das noch nie verleidet?

Urs Wehrli: Doch, doch schon lange. Bereits vor 33 Jahren ist es uns verleidet. Nein, Spass beiseite. Wir hatten nie geplant, dass wir das so lange machen würden. Das Wichtigste ist für uns, dass wir selber Freude haben. Wir müssen inspiriert sein und Lust haben, zusammen zu arbeiten. Und wenn es dem Publikum ebenfalls gefällt und es weiterhin so zahlreich an unsere Vorstellungen kommt, steht dem nichts im Weg, dass wir das noch weitere 50 Jahre machen können.

Hinweis: Ursus und Nadeschkin führen ihr zehntes Bühnenprogramm «Der Tanz der Zuckerpflaumenfähre» am Mittwoch, 4. und Donnerstag, 5. Dezember, im Theater Uri auf. Karten sind noch erhältlich.