Kommentar
Nazi-Verirrung macht Probleme deutlich

Auf einer Gemeindewebsite verwendete eine Mitarbeiterin für eine Meldung als Symbolbild ein KZ-Tor mit der Aufschrift «Arbeit macht frei». Das zeigt Lücken im Bildungssystem auf.

Florian Arnold
Florian Arnold
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Eigentlich ist es nicht der Rede wert, mit welchen Bildern eine Gemeinde ihre Kurzmeldungen untermalt. In den allermeisten Fällen findet eine Mitteilung einer Kanzlei nur eine begrenzte Leserschaft – und das dazugehörende Bild beinahe keine Beachtung. Auf der Gemeinde-Website von Schattdorf hat eine Mitarbeiterin allerdings als Symbolbild ein KZ-Tor mit der Aufschrift «Arbeit macht frei» ausgewählt. Die Illustrierung sei aus Unwissenheit verwendet worden, hiess es seitens der Gemeinde. Drastische Sanktionen gegen die unbedarfte Mitarbeiterin zu unternehmen – die jüdische Gemeinschaft soll gar eine fristlose Kündigung gefordert haben –, wäre vor diesem Hintergrund ungerechtfertigt. Der eigentlich unverzeihliche Fauxpas macht aber Probleme deutlich.

Dieser Onlineauftritt sorgte für Verwirrung.

Dieser Onlineauftritt sorgte für Verwirrung.

Screenshot: www.schattdorf.ch/ Urner Zeitung

Es ist der wohl grösste Wunsch der Holocaust-Überlebenden, dass die Gräueltaten der Nazis nicht in Vergessenheit geraten. «Es ist unsere Aufgabe, die Erinnerung an das Unrecht, an das unsägliche Leid wachzuhalten und Antisemitismus keinen Platz zu bieten», sagte der deutsche Bundesjustizminister Marco Buschmann Anfang dieses Jahres am Internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

Wenn aber ein Nazileitsatz wie «Arbeit macht frei» nicht mehr als solcher erkannt wird, ist diese Aufgabe jetzt schon gescheitert. Und gleichzeitig wird deutlich, dass auf keinen Fall weder an politischer noch geschichtlicher Bildung gespart werden darf.