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KONZERTREIHE: Bauernmusik Altdorf und Jodlerklub Seerose: Befürchtungen waren völlig umsonst

Peter Gisler ist der Kopf der Bauernmusik Altdorf, seine Schwester Marlene Melchiori Vorjodlerin bei der Flüeler «Seerose». Jetzt kommt es zu einer eher unerwarteten musikalischen Begegnung der beiden.
Bruno Arnold
Peter Gisler und Marlene Melchiori: Die beiden «Stiniger»-Geschwister prägen die Konzertreihe der Bauernmusik Altdorf und des Jodlerklubs Seerose Flüelen mit. (Bild: Georg Epp (Flüelen, 29. Oktober 2017))

Peter Gisler und Marlene Melchiori: Die beiden «Stiniger»-Geschwister prägen die Konzertreihe der Bauernmusik Altdorf und des Jodlerklubs Seerose Flüelen mit. (Bild: Georg Epp (Flüelen, 29. Oktober 2017))

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

«Yys fräiwt’s!»: So nennt sich die Konzertreihe der Bauernmusik Altdorf und des Jodlerklubs Seerose Flüelen. Am 29. Oktober feierten die beiden Formationen in Flüelen die Premiere des gemeinsamen Projekts. «Es war einfach wunderbar», schwärmt die 52-jährige Marlene Melchiori-Gisler, eine der drei «Seerose»-Vorjodlerinnen. «Wenn die Leute in einer übervollen Kirche aufstehen und minutenlang applaudieren, dann bringt das einem halt wirklich Gänsehaut.»

Ihr ein Jahr jüngerer Bruder Peter Gisler, der als Arrangeur und Komponist die Hauptverantwortung für das Programm trug, war nach der ersten von vier Aufführungen sehr zufrieden, aber vor allem auch «extrem erleichtert»: «Das Konzept hat sich bewährt, und die Werke sind beim Publikum sehr gut angekommen. Wir haben definitiv die richtige Wahl getroffen.»

Geschwister spüren gewisse Verunsicherung

Die Erleichterung ist nachvollziehbar – wenn man die Vorgeschichte kennt. Nach der ersten gemeinsamen Probe in der Pfarrkirche Flüelen – nur wenige Tage vor der Premiere – hatten sich die aus Spiringen stammenden «Stiniger»-Geschwister noch recht skeptisch gezeigt. «Ich bin nicht unbedingt mit einem totalen Happy-Gefühl nach Hause gegangen», sagt der Kontrabassist. «Wegen des gewaltigen Halls in der leeren Kirche konnten wir nicht differenziert arbeiten und nur schwer abschätzen, ob unsere Musik und der Gesang des Klubs dynamisch genügend aufeinander abgestimmt sind.» Auch die Agogik habe den Musikern vereinzelt noch etwas zu schaffen gemacht. «Das führte zu einer gewissen Verunsicherung.» Marlene Melchiori ihrerseits hatte nach jenem Abend ebenfalls einige Bedenken, ob die Vorträge dem Publikum wirklich gefallen würden.

Die Befürchtungen der beiden waren allerdings völlig umsonst. Nach der Premiere überboten sich die Zuhörer bei der Wahl der Superlative: «Einfach grossartig!», «Absolut faszinierend!», «Ein geniales Erlebnis!», «Dieser Mix ist einmalig!», tönte es etwa.

Für Marlene Melchiori und Peter Gisler hat das Mitmachen bei «Yys fräiwt’s!» einen speziellen Nebeneffekt: «Ich hätte nie gedacht, dass wir einmal gemeinsam in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche auftreten oder gemeinsam ein Interview geben würden», sagt die «See­rose»-Vorjodlerin. Auch Peter Gisler freut sich über die «für einmal etwas andere Begegnung mit meiner Schwester». Und mit Blick in die Zukunft hofft er: «Es wäre schön, wenn wir uns bei anderer musikalischer Gelegenheit wieder treffen könnten.»

Den letzten gemeinsamen Auftritt dürften die beiden in ihrer Kindheit gehabt haben, mit der «Stiniger-Hüüsmüüsig». Neben dem Vater, Peter und Marlene spielten damals abwechslungsweise auch weitere der insgesamt 14 Gisler-Geschwister mit. Ganz spontan sei dies jeweils geschehen, vor allem zu Hause, dann und wann aber auch in einer Beiz, mit Schwyzerörgeli, Handorgel, Kontrabass, Triangel, Besen, «Leffäli» und vielem mehr, erinnert sich Marlene Melchiori.

Vom Möbelschreiner zum Profimusiker

«Das musikalische Talent haben wir vom Vater geerbt», glaubt Peter Gisler. «Jeder von uns ist aber seinen eigenen musikalischen Weg gegangen. Eine Familienkapelle war nie unser Ziel», erklärt Peter Gisler. Er liess sich nach einer Lehre als Möbelschreiner im Klavierbau und -stimmen ausbilden. 2005 erwarb er zudem das Kontrabass-Musiklehrdiplom. Heute unterrichtet der 51-Jährige als Musiklehrer, führt ein Musikgeschäft in Altdorf und den angegliederten Mülirad-Verlag. Gisler will vergangenes und vergessenes Volksmusikgut wieder entdecken, veröffentlichen und zu neuem Leben zu erwecken. Dies tut er auch mit der von ihm 2015 gegründeten Bauernmusik Altdorf.

Marlene Melchiori ist stolz auf ihren Bruder: «Er wollte sein Hobby immer zum Beruf machen. Es freut mich, dass ihm dies dank seines Talents und seines grossen Willens gelungen ist», sagt sie. Und er sagt über seine Schwester: «Ihr Talent für das Singen ist ihr als grosses Geschenk in die Wiege gelegt worden.» Sie selber betont: «Ich habe einfach immer gerne gesungen.» Sie selber hat von klein auf gerne gesungen und wollte immer in einem Chor mit wenig Frauen- und vielen Männerstimmen mitmachen. Was war da naheliegender als das Mitwirken in einem Jodlerklub? Vor vier Jahren hat sie sich der «Seerose» angeschlossen. «Mich begeistern die Harmonie und die Kollegialität im Klub, aber auch die Initiative der Mitglieder.»

Peter Gisler sind noch ganz andere «Seerose»-Attribute aufgefallen: «Der Klub hat hohe musikalische Qualität, ist offen für Neues und lässt sich auch auf Experimentelles ein.» So zum Beispiel auf das von Gisler komponierte «Jodler-Quodlibet», mit dem die «Seerose» absolutes musikalisches Neuland betritt. In diesem Werk lässt «dr Stiniger Peter» zwei traditionelle Innerschweizer Mazurkas ineinanderfliessen. Der Jodlerklub singt die «Muotathaler Mazurka» als «Naturjütz», während die Bauernmusik Altdorf mit etwas rustikaler Harmonik «Bim Rössli Adolf» spielt.

Vorjodlerin mit einer prägnanten Aufforderung

«Das ‹Quodlibet› ist nur einer der vielen Höhepunkte von ‹Yys ­fräiwt’s!›», schwärmt Melchiori. Mehr will sie nicht verraten und lädt stattdessen alle ein, eines der drei noch anstehenden Konzerte zu besuchen. «Innäsitzä, lüägä, loosä, gniässä!» So lautet ihre Aufforderung. Und Peter Gisler ist überzeugt: «Man hört hier etwas, was man noch nie gehört hat.»

Hinweis

Die weiteren Konzerte des Jodlerklubs Seerose Flüelen und der Bauernmusik Altdorf finden am 12. November (Pfarrkirche Andermatt), am 19. November (Pfarrkirche Bürglen) und am 26. November (Pfarrkirche Seelisberg) statt, und zwar jeweils um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei (Türkollekte).

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