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Kraftwerk am Alpbach: Es ist mehr als 5 vor 12

Redaktionsleiter Bruno Arnold zum drohenden Aus des geplanten Kraftwerks am Alpbach.
Bruno Arnold, Redaktionsleiter
Bruno Arnold

Bruno Arnold

Wer das Wasser des kantonseigenen Alpbachs im Erstfeldertal zur Stromproduktion nutzen will, der muss sich sputen. Ende 2018 müssen die Konzession und die Baubewilligung für das Kraftwerk vorliegen, zwei Jahre später muss das neue Werk bereits ans Netz gehen. Andernfalls wird die Zusicherung des Bundes für die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) hinfällig, über welche die Gemeindewerke Erstfeld seit 2008 verfügt. Die KEV garantiert den künftigen Stromproduzenten während 25 Jahren einen Preis, der sich an ihren Produktionskosten orientiert. Will heissen: Ohne KEV kann ein Kraftwerk Alpbach nicht wirtschaftlich betrieben werden.

Der enge Zeitplan hängt wie ein Damoklesschwert über allen involvierten Kreisen. Werden sich die KW Alpbach AG (mit Verwaltungsratspräsident Paul Furrer an der Spitze), der Gemeinderat und die Gemeindewerke Erstfeld, das EW Altdorf, der Kanton Uri und die Korporation Uri in den nächsten Tagen nicht einig, fällt das Damoklesschwert – unwiderruflich. Die dank der KEV-Zusicherung komfortable Ausgangssituation für die Alpbachnutzung wäre dann definitiv verspielt – äusserst leichtfertig und mit Blick auf das öffentliche Wohl zudem höchst verantwortungslos. Noch ist es nicht zu spät. Es gilt, die allerletzte Chance zu nutzen, nochmals zu verhandeln, Kompromissbereitschaft zu zeigen und nicht länger auf Einzelinteressen zu beharren.

Das Scheitern der Verhandlungen hiesse im Klartext, dass es keine Investitionen von rund 34 bis 36 Millionen Franken in ein neues Kraftwerk am Alpbach gäbe. Dies wiederum würde bedeuten: keine Aufträge und Wertschöpfung für das Urner Gewerbe, keine Wasserrechtszinseinnahmen für den Kanton Uri in der Höhe von rund 450 000 Franken pro Jahr und keine jährlichen Erträge aufgrund der Beteiligung am Kraftwerk, keine zusätzlichen Einnahmen für die Gemeinde und die Gemeindewerke Erstfeld wegen des Sitzes der AG in Erstfeld und dank der möglichen Beteiligung am Kraftwerk, keine neuen Arbeitsplätze in Uri.

Es ist zwar mehr als 5 vor 12, aber die Abfahrt des Alpbach-Zugs kann noch immer verhindert werden. Möglich ist dies allerdings nur, wenn die Projektierung des geplanten Kraftwerks und die Ausarbeitung eines entscheidungsreifen Konzessions- und Baugesuchs mit höchstem Tempo vorangetrieben werden können. Dazu braucht es Unternehmen, die über ausgewiesene Kompetenzen und Erfahrung im Bau und Betrieb von Kraftwerken ver­fügen und dies auch mit Referenzprojekten ausweisen können. Es braucht Leute, die das Projekt Alpbach innerhalb des äusserst knapp bemessenen Zeitrahmens stemmen können. Dies setzt nicht nur genügend finanzielle Mittel, sondern vor allem auch das nötige Know-how und ausgewiesene Erfahrung voraus, beispielsweise bezüglich Erarbeitung von Konzessionsgesuchen, Umweltverträglichkeitsberichten sowie Schutz- und Nutzungsplanungen oder auch im Zusammenhang mit der Projektrealisierung und mit dem Vorgehen bei öffentlichen Ausschreibungen.

Diesbezüglich spricht wenig für die KW Alpbach AG, aber umso mehr für das EWA. Baudirektor Roger Nager hat denn auch klar kommuniziert, dass der Kanton Uri keine Partnerschaft mit der KW Alpbach AG sieht, sondern dass er mit dem EW Altdorf, den Gemeindewerken Erstfeld und der Korporation Uri in einer noch zu gründenden KW Erstfeldertal AG kooperieren möchte. Diese Partner müssen sich aber möglichst bald einigen: Wer beteiligt sich mit welchen Prozentsätzen an einer möglichen KW Erstfeldertal AG? Wer hat das Präsidium des Verwaltungsrats dieser AG? Wer übernimmt die Betriebs- und Geschäftsführung der neuen KW Erstfeldertal AG und wo wird sie angesiedelt? 2013 gab es hierfür bereits eine Lösung. Weshalb nicht diese wieder aus der Schublade nehmen?

Das EWA hat zahlreiche planerische Vorleistungen erbracht und dafür gesorgt, dass die Ende 2017 auslaufende KEV-Zusicherung bis Ende 2018 verlängert wurde. Der Landrat hat einen Vorentscheid im Sinne der Erstfelder gefällt: Die Trinkwasserquellen werden geschützt, da auf die volle Nutzung des Alpbachs verzichtet werden soll. Auch weitere Erstfelder Forderungen sind erfüllt worden: Die Gemeindewerke könnten sich beteiligen und sollen in den Betrieb des neuen Werks eingebunden werden, die KW Erstfeldertal AG hätte ihren Sitz in Erstfeld. Jetzt liegt es an der Gemeinde und an den Gemeindewerken Erstfeld, dies alles bei den Verhandlungen zu honorieren und auf überrissene Forderungen zu verzichten, mit denen man Gefahr laufen könnte, das Aus für ein Kraftwerk am Alpbach zu besiegeln.

Und die KW Alpbach AG? Sie muss ihre Karten offen auf den Tisch legen. Auch hier stellen sich verschiedene Fragen: Geht es ihr effektiv um den Kraftwerkbau und das Wohl der Gemeinde Erstfeld oder eher darum, das EWA nicht zum Zuge kommen zu lassen? Wer alles steckt hinter dieser AG? Wie sieht es mit der Finanzierung, dem Know-how im Bau und Betrieb von Kraftwerken oder auch mit der langfristigen Ausrichtung dieser Gesellschaft aus – etwa betreffend Kostentragungspflicht bei Partnerwerken? «Die KW Alpbach AG hat ein legitimes Interesse, die Konzession anzustreben», betont Baudirektor Roger Nager. Sie habe seriöse Studien betrieben und fundierte Basisdaten erarbeitet. Wenn für den Kanton eine Kooperation mit der KW Alpbach AG nicht in Frage kommt, dann muss es zumindest gelingen, der AG den Rückzug zu erleichtern, indem allenfalls deren Unterlagen erworben respektive eine vernünftige Abgeltung für erarbeitete Grundlagen, etwa im hydrologischen Bereich, geleistet wird.

Der Landrat wird die Konzession für die Nutzung des Alpbachs vergeben. Er hat sich im Januar mit seinem Vorentscheid für die kleine Stufe ab dem Bereich Schopfen äusserst Erstfeld-freundlich gezeigt. Jetzt könnte er ein zweites Zeichen setzen, indem er einer KW Erstfeldertal eine Konzession in Aussicht stellen würde. Dies wäre nicht zuletzt ein Signal in Richtung jener Kreise, die auf Verzögerung setzen und damit das Damoklesschwert definitiv zum Fallen bringen möchten.

Bruno Arnold, Redaktionsleiter

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

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