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KRIMINALLITERATUR: Krimiautorin lässt ihre Figuren im Kanton Uri sterben

Mit «Der Teufel von Uri» holt die Luzerner Krimiautorin Silvia Götschi Mord und Totschlag in den Kanton Uri. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt sie, wieso sie ausgerechnet die Schöllenen zum Tatort macht und woher sie ihre Inspiration nimmt.
Carmen Epp
Ihre Lesungsorte – hier das Kellertheater im Vogelsang – macht Silvia Götschi jeweils zum Tatort. (Bild: Carmen Epp (12. Januar 2018))

Ihre Lesungsorte – hier das Kellertheater im Vogelsang – macht Silvia Götschi jeweils zum Tatort. (Bild: Carmen Epp (12. Januar 2018))

Interview: Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Wenn sie zur Lesung lädt, bringt sie ihren eigenen Tatort inklusive Leiche mit. Dass Silvia Götschi ein Faible für Mord und Totschlag hat, merkt man auch ihren Büchern an. Seit 2010 publiziert die 59-Jährige regelmässig Krimis, die sie an konkreten Orten der Schweiz spielen lässt. Ihr neustes Werk, «Der Teufel von Uri», versetzt die Leser ins Urserntal. Unsere Zeitung hat die Luzerner Schriftstellerin vor einer ihrer Lesungen zum Gespräch geladen.

Silvia Götschi, Sie schreiben seit acht Jahren über Verbrechen. Wann haben Sie zum letzten Mal selber gegen das Gesetz verstossen?

(lacht) Jesses! Ich bin zwar ein Enfant Terrible, kann mich aber nicht erinnern, dass ich den Bogen je überspannt hätte. Ausser vielleicht mal auf der Autobahn, wenn ich zu schnell gefahren bin. Sonst bin ich aber grundsätzlich ein sehr friedliebender Mensch. Meine dunkle Seite lebe ich nur in meinen Krimis aus.

Ihr neustes Buch, «Der Teufel von Uri», spielt im Urserntal. Haben Sie einen Bezug zum Kanton Uri oder wie kam es dazu?

Ich kenne den Kanton Uri vor allem von Reisen ins Tessin, vom Wandern und Heidelbeeren-Sammeln. Auf der Suche nach einem Ort, der etwas Diabolisches hatte, kam mir sofort die Schöllenen und die Teufelsbrücke in den Sinn. Bei einem Tagesausflug ins Urserntal habe ich mir die Schöllenenschlucht etwas näher angeschaut und bin durch Andermatt spaziert. Dabei kamen die Bilder und die Geschichte dazu wie von alleine.

In Ihren Büchern geht es jeweils um Mord und Totschlag. Woher kommt diese Faszination fürs Düstere?

Der Tod war schon immer ein Faszinosum für mich, schon seit ich ein kleines Kind war. Wieso dem so ist, habe ich nie hinterfragt. Vielleicht liegt es daran, dass ich mit dem frühen Tod meines Vaters und meiner seelenverwandten Freundin schon früh mit Todesfällen in Berührung kam. Solche Erfahrungen prägen und lauern dann im Unterbewusstsein.

Die Faszination ist das Eine, wo aber nehmen Sie die Inspiration für Ihre Geschichten her?

Da gibt es für mich kaum Grenzen. Ich kann eine Zeitung aufschlagen, auf der hintersten Seite eine kurze Polizeinotiz lesen, von irgendeinem Vorfall hören, und schon fängt es in meinem Kopf an zu rattern. Das kommt meist völlig aus dem Hinterhalt, ungewollt aus meiner manchmal schon fast überbordenden Fantasie.

Dann notieren Sie sich ständig neue Ideen für weitere Krimigeschichten?

Nein, das ist nicht nötig. Die Geschichten, die mir tagein, tagaus einfallen, bleiben in meinem Gedächtnis automatisch gespeichert. Wenn ich dann vor dem Computer sitze und eine der Geschichte in einen neuen Krimi packe, läuft bei mir ein innerer Film ab und ich kann einfach drauflosschreiben.

Sie schreiben Krimis, die an realen Orten spielen. Wieso?

Das hat sich eher zufällig so entwickelt. Als ich zum ersten Mal das alte Parkhotel in Vitznau besichtigt habe, lief bei mir wieder der innere Film ab. In diesen alten Mauern, dachte ich mir, könnte so vieles passiert sein. So entstand dann mein erster Krimi, «Mord im Parkhotel». Seither bin ich beim Regional-Krimi geblieben.

Ein Regional-Krimi muss den Ortskenntnissen der Leser standhalten. Bedingt das mehr Recherche, als wenn Sie Ihre Geschichten an Fantasieorten spielen lassen würden?

Durchaus, ja. Weil ich die Geschichte aber schon im Kopf habe, mache ich die Recherche jeweils erst zum Schluss, indem ich überprüfe, ob das, was ich da schrieb, und wie ich den Ort beschreibe, auch wirklich der Realität entspricht. Das ist ein Muss bei Regional-Krimis. Nicht nur für die Leser, die vor Ort wohnen, sondern auch für jene eingefleischten Fans, die wegen meiner Bücher extra an die jeweiligen Orte reisen, an denen meine Krimis spielen.

Die Beschreibung von Andermatt, insbesondere des «Chedi» scheinen sehr zutreffend. Als hätten Sie selber in der Suite genächtigt, in der Ihre Protagonistin Sophie Mars Urlaub macht.

Nein. Ich war zwar im «Chedi», aber nie in einem der Zimmer und auch nicht im Spa-Bereich, der ja ebenfalls vorkommt. Durch die Fotos im Internet konnte ich mir ein Bild machen. Ausserdem kam mir bei der Beschreibung der Szenen und Abläufe im «Chedi» auch meine langjährige Erfahrung in der Hotellerie zu Gute. Ausserdem habe ich ein sehr fotografisches Gedächtnis und so das Dorf Andermatt beim Schreiben stets vor Augen gehabt. Eine Freundin, die eine Ferienwohnung in Andermatt hat, hat das Manuskript dann durchgelesen und mich auf die eine oder andere Unstimmigkeit aufmerksam gemacht.

Welche Unstimmigkeiten?

Kleinigkeiten. So habe ich etwa der Kosmetikerin im Buch zuerst einen Namen gegeben, den eine Lokalpolitikerin im realen Leben tatsächlich trägt. Das musste ich ändern. Das ist das Knifflige an Regional-Krimis: Man will den Protagonisten authentische, ortsübliche Nachnamen geben, muss aber aufpassen, dass da keine Verwechslung mit realen Personen entsteht. Deshalb ist auch die nachträgliche Recherche und das Verifizieren vor Ort oder durch Ortskundige wichtig.

Die Hauptfigur in «Der Teufel von Uri», Sophie Mars, ist wie Sie eine Schriftstellerin. Wie viel Silvia Götschi steckt in Sophie Mars?

Die Auffassung, dass die Figuren in der Literatur immer etwas vom Autor in sich tragen, ist nicht ganz richtig. Vielleicht trifft das bei den ersten zwei, drei Büchern zu. Da fliesst sicher gerne etwas Autobiografisches rein. Aber je mehr Erfahrung man als Schriftstellerin hat, desto mehr Distanz zu den Figuren ist möglich. Bei Sophie Mars habe ich mich auch in etwas hineinversetzen müssen, was ich so persönlich gar nicht kenne: Wie es ist, eine Schreibblockade zu haben. Das ist mir als Schriftstellerin noch nie passiert.

Im Gegenteil: Seit 2013 haben Sie pro Jahr jeweils zwei Bücher publiziert. Wie schaffen Sie das?

Wenn ich mal loslege, kommen die Buchstaben wie automatisch vom ersten bis zum letzten Wort, gewissermassen aus einem Guss. So kommt es, dass ich einige meiner Bücher in zwei Monaten bereits fertig geschrieben habe. Dafür sitze ich auch schon mal zwölf Stunden pro Tag am Computer.

Zwölf Stunden Schreiben am Tag. Sind Sie schreibsüchtig?

Schreiben ist für mich eine Art Drang, jedoch nicht im negativen Sinn. Wie andere den Drang haben, Musik oder Sport zu machen, greife ich halt in die Computertastatur. Mit diesem Drang ist aber auch eine grosse Befriedigung verbunden. Wenn ich schreibe, bin ich in einer anderen Welt, hat meine Fantasie freien Lauf. Schreiben ist für mich also auch ein Ausgleich vom Alltag. Und natürlich gibt es auch Tage, an denen ich gar nicht schreibe und mich in die Natur zurückziehe. Auch das brauche ich ab und zu.

Wenn Uri als Kulisse oder Drehort dient, wird oft das Klischee der Hinterwäldler bedient. Davon ist in Ihrem Buch nichts zu spüren ...

Das läge mir auch fern! Für mich ist der Urner überhaupt kein Hinterwäldler. Im Gegenteil, allein die Geschichte mit der Nord-Süd-Verbindung beweist doch, dass die Urner offen und aufgeschlossen sind. Das zeigt sich im Übrigen ja auch in Andermatt, das durch die Offenheit gegenüber Neuem aus seinem Dornröschenschlaf erwacht ist. Da gäbe es also durchaus andere Gegenden der Schweiz, auf die das Klischee der Hinterwäldler eher zutreffen würde.

Aus ihren Luzerner, Davoser und Schwyzer Krimis sind jeweils ganze Reihen entstanden. Gibt es auch eine Fortsetzung von Sophie Mars?

Nein, da muss ich die Leser leider enttäuschen. Sophie Mars’ Geschichte ist zu Ende erzählt. Was nicht heisst, dass ich nicht irgendwann wieder einen meiner Krimis im Urnerland spielen lasse.

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