KRIMINALSTATISTIK: Ein Jahr mit Licht und Schatten für die Polizei

Massiv mehr Tätlichkeiten und viel mehr sichergestellte Drogen als im Vohrjahr: Das sind Tendenzen, die aufhorchen lassen. Insgesamt ist die Anzahl der erfassten Delikte im Kanton Uri jedoch fast identisch mit denen vom Vorjahr.

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Diese Tat hat schweizweit aufgerüttelt: In der Nightbar Taverne in Erstfeld starben zwei Menschen und zwei weitere wurden schwer verletzt. (Bild Keystone)

Diese Tat hat schweizweit aufgerüttelt: In der Nightbar Taverne in Erstfeld starben zwei Menschen und zwei weitere wurden schwer verletzt. (Bild Keystone)

Total wurden 1424 Delikte erfasst, wie aus der Kriminalstatistik der Kantonspolizei Uri hervorgeht. Die Anzahl der insgesamt erfassten Delikte des Jahres 2007 ist fast identisch mit dem Vorjahr (1416) und bewegt sich im Bereich des langjährigen Mittels.

Die Vermögensdelikte haben sich gegenüber dem Vorjahr unwesentlich verändert (von 643 auf 645). Die Anzahl Fallbearbeitungen wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz ging leicht zurück auf 51 (2006:56). Die für den Kanton Uri mengenmässig sehr grossen Sicherstellungen bewegen sich dabei jedoch weit über dem langjährigen Durchschnitt: So wurden im Jahr 2007 wurden 177.9 Kilogramm Cannabis (2006: 2.193 Kilogramm) und 87 Gramm Kokain (2006: 0.8 Gramm) sichergestellt. In punkto häusliche Gewalt kann ein Rückgang um 13 Fälle verzeichnet werden (2006: 29), was mit einer «vermehrten Sensibilisierung und Prävention in der Öffentlichkeit» erklärt wird.

Zwei Tote durch Gewaltdelikte
Eine Zunahme von 25 Fällen (2006:110) musste dafür bei den Sachbeschädigungen verzeichnet werden. Auch die Anzahl der erfassten Delikte im Bereich «Leib, Leben, Freiheit» erhöhte sich um insgesamt 27 Fälle (2006: 110) merklich nach oben, was hauptsächlich in den zunehmend zur Anzeige gelangten Tätlichkeiten 22 (2006:5) und Körperverletzungen 18 (2006:14) begründet liegt. 

Ein schweres Tötungsdelikt mit zwei toten und zwei schwer verletzten Personen musste im Berichtsjahr bearbeitet werden. Es handelt sich hierbei um die Bluttat in der Nightbar Taverne in Erstfeld vom 4. Mai 2007. Der mutmassliche Täter Ali Sebti ist nach wie vor flüchtig. Zu reden hat der Fall gegeben, weil Kritik laut geworden war, derzufolge die Tat von den Behörden hätte verhindert werden können, und weil Sebti von der deutschen Polizei festgenommen, aber wieder freigelassen wurde, da diese nicht über das Verbrechen in Erstfeld informiert worden war.

Zahlen mit Vorsicht zu interpretieren
Bei einem kleinen Kanton wie dem Kanton Uri mit geringen Fallzahlen sei es kritisch, aufgrund der Statistik Tendenzen zu erkennen, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Bei geringen Fallzahlen bestehe die Gefahr, dass beispielsweise durch das Wirken einer Tätergruppe die Statistik eines Jahres prozentual massiv beeinflusst wird, ohne dass dies einer allgemeinen Tendenz entspreche.

Allgemein müsse festgestellt werden, dass die Bearbeitung der Fälle in den letzten Jahren komplexer und umfangreicher geworden sei, weil vermehrt Sachbeweise, Ermittlungen und Einvernahmen gefordert sind, um die Taten rechtsgenüglich nachweisen zu können. Eine konsequente Spurensicherung und -auswertung mittels Mikrospuren, Daktyloskopie (Fingerabdruckverfahren) und DNA (genetische Spurenanalyse) werde immer wichtiger.

scd