Interview
Kritik an Urner Polizei: Kommandant wehrt sich

Das Urner Landgericht ist zum Schluss gekommen, dass die Polizei bei den Ermittlungen zu den Sprayer-Prozessen zu weit gegangen ist. Nun stellt sich Polizeikommandant Reto Pfister den Fragen unserer Zeitung.

Carmen Epp
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Reto Pfister, Kommandant der Kantonspolizei Uri. (Bild: Florian Arnold, 2017)

Reto Pfister, Kommandant der Kantonspolizei Uri. (Bild: Florian Arnold, 2017)

Das Landgericht findet deutliche Worte zum Ermittlungseifer der Polizei bei den Sprayer-Prozessen. Die Polizei sei bei ihren Ermittlungshandlungen in den meisten Fällen «über das gesetzlich Notwendige und Erlaubte» hinausgegangen. Unsere Zeitung hat denVerantwortlichen der Kantonspolizei Uri ein Fragen dazu gestellt. Geantwortet hat Polizeikommandant Reto Pfister.

Reto Pfister, was sagen Sie zu den Urteilen und dem Entscheid des Landgerichts?

Die Kantonspolizei Uri ist vom Urteil überrascht. Es gehört zur Aufgabe der Polizei, Geschädigte auf ihren Schaden aufmerksam zu machen und zu erfragen, ob Strafantrag gestellt wird oder nicht. Mir ist wichtig, dass wir als Polizei korrekt und umfassend arbeiten. Dies ist aus meiner Optik im vorliegenden Fall geschehen. Unsere Mitarbeitenden haben sorgfältig gearbeitet. Das Urteil des Landgerichtes liegt erst im Dispositiv vor. Die Begründung des Einzelrichters ist uns noch nicht bekannt. Zudem ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Sobald ein rechtskräftiges Urteil vorliegt, werden wir unser Vorgehen in solchen Fällen überprüfen.

Das Landgericht hält fest, dass die Polizisten beauftragt waren, selber Strafanträge «einzuholen». Ist dieses Vorgehen üblich?

Ja, dieses Vorgehen ist üblich und ich habe auch die Erwartung an jeden Polizisten, dass er mit offenen Augen unterwegs ist und den Geschädigten Delikte zur Kenntnis bringt, das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Diese Praxis wird durch den vorliegenden Gerichtsentscheid leider in Frage gestellt. Im vorliegenden Fall haben es die Geschädigten ausnahmslos sehr geschätzt, dass wir auf sie zugegangen sind, zumal einige die Schäden noch nicht entdeckt hatten. Jeder Geschädigte konnte im vorliegenden Fall selber entscheiden, ob er den Strafantrag stellt oder nicht. Es gab auch Geschädigte, die auf einen Strafantrag verzichtet haben. Wie in der Öffentlichkeit der Fokus auf den Fall gelegt wird, finde ich bedauerlich.

Inwiefern?

Es ist schade, dass in der öffentlichen Diskussion die Taten der Sprayer völlig in den Hintergrund gerückt sind. Es geht um über 80 Einzelfälle mit einem Sachschaden von weit über 100'000 Franken. Man spricht jedoch nur von der Polizeiarbeit, die Handlungen der drei Täter werden kaum thematisiert. Das ist aus meiner Sicht eine schlechte Entwicklung.

Kritisiert wurden auch die hohen Ermittlungskosten. So schlägt ein 100-seitiger Ermittlungsbericht der Polizei mit 120'000 Franken zu Buche. Wie ist dieser Aufwand zu rechtfertigen?

Vorneweg: Ein Mannjahr bei der Polizei umfasst rund 1900 Arbeitsstunden. Die von uns investierten 1200 Stunden entsprechen somit rund sieben Monaten Arbeitsaufwand. Dabei wurden unter anderem mehrere Hausdurchsuchungen, aufwändige Mobiltelefonauswertungen, Begehungen im Gelände sowie eine grosse Zahl an Einvernahmen durchgeführt. Es fanden regelmässig Absprachen mit der Staatsanwaltschaft statt und schliesslich wurden die gesamten Erkenntnisse in einem umfassenden Ermittlungsbericht zusammengefasst. Es handelt sich vorliegend um einen sehr umfangreichen Fall, mit hohem Sachschaden. Wir sprechen nicht von einer Lappalie, sondern von Taten, für welche Freiheitsstrafen ausgesprochen werden können. Die Beschuldigten waren in unterschiedlicher Zusammensetzung aktiv und haben sich im Rahmen des Verfahrens unkooperativ gezeigt. Das hat unseren Aufwand stark erhöht. Es sind somit die Beschuldigten, welche den hohen Polizeiaufwand verursacht haben. Mir ist wichtig darauf hinzuweisen, dass unsere umfassende Arbeit in diesem Fall zu einer deutlichen Beruhigung in der Sprayerszene geführt hat. Das geht leider in der gesamten Diskussion vergessen.

Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt.