Kühlerer Lesesaal, unterirdischer Gang, mehr Platz: Das sollen Urner Staatsarchiv und Kantonsbibliothek künftig für vier Millionen Franken bieten

Das Staatsarchiv und die Kantonsbibliothek brauchen mehr Platz – unter anderem für historische Dokumente. Daher sollen die beiden Einrichtungen nun umgebaut werden.

Lucien Rahm
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Die Kantonsbibliothek und das Staatsarchiv sollen für vier Millionen Franken erneuert werden.

Die Kantonsbibliothek und das Staatsarchiv sollen für vier Millionen Franken erneuert werden.

Bild: Florian Arnold (Altdorf, 14. Februar 2019)

Das Staatsarchiv Uri und die Kantonsbibliothek Uri würden in den kommenden Jahren bald einmal an ihre Kapazitätsgrenzen stossen. Das schreibt der Urner Regierungsrat in seinem Bericht an den Landrat, der vor kurzem publiziert worden ist. Um den beiden Einrichtungen wieder ausreichend Raum geben zu können, beantragt die Regierung Geld für einen Umbau.

Insgesamt rund vier Millionen Franken sollen in die Erneuerung und Erweiterung fliessen. Die Archivräume des Staatsarchivs würden damit für die kommenden 20 bis 30 Jahre fit gemacht. «Und das Archivgut kann wieder unter guten Bedingungen gelagert werden», schreibt die Regierung. Bei dieser Gelegenheit soll das Staatsarchiv auch einen sogenannten Kulturgüterschutzraum erhalten, an dem sich der Bund mit 200'000 bis 250'000 Franken beteiligen würde. «Im neuen Magazin können die unersetzlichen Unterlagen des Staatsarchivs optimal und sicher aufbewahrt werden und auch die kantonale Kunst- und Kulturgutsammlung erhält damit eine angemessene Bleibe», sagt Staatsarchivar Hans Jörg Kuhn auf Anfrage.

Momentane Lagerung kann Pilzbefall begünstigen

Mehr Platz sei unter anderem auch deshalb nötig, weil gewisse Dokumente derzeit mehrschichtig gelagert werden müssten – darunter historische Schriften, die teils aus dem 15. Jahrhundert stammen, wie es im Bericht heisst. Das sei «besonders problematisch, weil es die Verbreitung von Schimmelpilz oder Parasiten begünstigen kann».

Bestandteil des Umbaus ist auch eine Sanierung des Liftes, der danach bis in den ersten Stock reichen soll. Nach unten soll er ebenfalls erweitert werden: Neu soll er auch vom zweiten Untergeschoss aus benutzt werden können. Auf dieser Ebene soll dann auch ein unterirdischer Gang entstehen, der die beiden Gebäude an der Bahnhofstrasse 11 und 13 miteinander verbindet. «Damit können die Archivunterlagen unabhängig von der Witterung von den Magazinen in den Lesesaal und die Arbeitsräume gebracht werden», sagt Kuhn. So werde der Kundendienst wetterunabhängig möglich sein und der Schutz der Kulturgüter stark optimiert. Wie der Bericht weiter preisgibt, sollen im ersten Obergeschoss auch die beiden Wohnungen umgenutzt werden – nämlich zu Büroräumen fürs Personal.

Im Lesesaal ist's zu heiss

Ein bisheriges Problem: Die Bibliotheksbesucher kommen bisweilen nicht nur ob der spannenden Inhalte der verfügbaren Kriminalromane ins Schwitzen. «Aufgrund der Lage des Lesesaals auf der Südwestseite des Gebäudes steigt während der Sommermonate die Raumtemperatur jeweils auf sehr hohe Werte», heisst es im Bericht. Die Rede ist von 30 Grad und mehr – «was für die Kundinnen und Kunden unangenehm ist». Bislang seien jeweils Ventilatoren aufgestellt worden, sagt Martina Wüthrich, Co-Leiterin der Kantonsbibliothek, auf Anfrage. «Vor zwei Jahren wurde ausserdem eine Schutzfolie auf die Fensterscheiben geklebt, was die Situation – leider nur geringfügig – verbessert hat.»

Nun soll der Lesesaal daher von der Südwest- auf die Nordostseite des Gebäudes verlegt werden, so Staatsarchivar Kuhn. «Dies wird die klimatischen Bedingungen enorm verbessern.» Zudem sei der Saal am neuen Standort via Lift optimal an die Magazine angebunden. «Ein weiteres Plus ist der im Lesesaal entstehende Gruppenraum, in dem bei der Arbeit mit Archivmaterial Gespräche geführt werden können.» Ein solcher Raum entspreche einem Bedürfnis und fehlte bisher. «Das Angebot an Arbeitsplätzen im Lesesaal bleibt dabei im Vergleich zu heute gleich», so Kuhn.

«Es braucht grundsätzlich nicht mehr Platz, sondern eine Optimierung der Verhältnisse», sagt Wüthrich zur Situation im Lesesaal. Heute befänden sich alle Arbeitsplätze dort. «Mit dem neuen Konzept gibt es den Lesesaal, in dem man ruhig forschen und arbeiten kann und den Gruppenraum, wo auch geredet werden darf.» Ausserdem soll ein Multifunktionsraum entstehen, der unterschiedlich genutzt werden kann. «Somit erreichen wir eine Entflechtung der Plätze und gewinnen für alle Zielgruppen etwas dazu.» Geplant ist ausserdem ein Veranstaltungsraum im Bereich der Freihandbibliothek.

Umbau könnte schon dieses Jahr starten

Der Landrat wird in einer seiner kommenden Sessionen darüber befinden, ob er den Kredit von vier Millionen Franken sprechen möchte. Der Bericht sieht vor, dass die Erneuerung bei einer Zustimmung bereits ab Oktober umgesetzt werden könnte und damit bis im Herbst 2021 abgeschlossen wäre. Ob der Landrat unter den aktuellen Umständen rechtzeitig entscheiden kann, wird sich zeigen. Da der Umbau in drei Etappen unterteilt ist, müsste dabei der Betrieb der Bibliothek jedenfalls nicht unterbrochen werden.

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