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KULTUR: «Ich habe eine Aussenperspektive»

Gerhild Steinbuch ist die Dramaturgin der Altdorfer Tellspiele 2016. Sie spricht unter anderem über ihre Arbeit und ihre Version des «Wilhelm Tell».
Martin Uebelhart
Gerhild Steinbuch nimmt auch Marketingaufgaben wahr. (Bild F. X. Brun)

Gerhild Steinbuch nimmt auch Marketingaufgaben wahr. (Bild F. X. Brun)

Martin Uebelhart

«Das ist immer so schwierig», antwortet Gerhild Steinbuch auf die Frage, was denn ihre Aufgabe als Dramaturgin ist. «Der Dramaturg ist etwas wie die Schattenfigur im Theater, niemand weiss so richtig, was man macht.» Die gebürtige Österreicherin streicht die enge Zusammenarbeit mit der Regie heraus. «Die besteht eigentlich vom ersten Konzept an und zieht sich dann weiter in die Proben», erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. «Im Gegensatz zum Regisseur habe ich eine Aussenperspektive auf die Inszenierung.» Sie sehe die Proben von aussen und könne beschreiben, was sie sehe, und Regisseur Philipp Becker Hinweise geben, was sich auf der Bühne vermittle und was nicht.

Held mit Vorbildfunktion

In der Zusammenarbeit mit Becker und dem künstlerischen Leitungsteam ist die Fassung von «Tell» entstanden, die am 20. August im Theater Uri Premiere feiert. «Wir sind davon ausgegangen, dass wir bei der diesjährigen Inszenierung nicht die Figur des Wilhelm Tell ins Zentrum stellen wollten, sondern die Gemeinschaft der Spielerinnen und Spieler», erklärt Gerhild Steinbuch die Gedanken hinter dem Konzept. Tell sei quasi eher ein Held, der eine Vorbildfunktion habe, an dem man sich orientiere. «Wir wollen fragen, was heute ein Held sein kann und anhand der Inszenierung zeigen, wie man gemeinsam über sich hinauswachsen kann.» Das Team habe nicht versucht, das Stück krampfhaft zu modernisieren, sondern die Aspekte zu suchen, die nach wie vor relevant sind und diese herauszuarbeiten. Ihre Fassung sei gekürzt, um den Spielerinnen und Spielern Raum zu geben, aber auch fantasievolle Bilder. Ohne die Geschichte zu verraten oder wichtige Teile wegzulassen. Gerhild Steinbuch ist zudem neben Philipp Becker auch für inhaltliche Arbeit zuständig. «Ich mache mit den Spielerinnen und Spielern Textarbeit – parallel zu den Proben.»

Texte fürs Programmheft

Steinbuch hat auch Aufgaben im Zusammenhang mit dem Marketing, unter anderem ist sie auch für das Programmheft verantwortlich. «Zusammen mit der Agentur Herger Imholz haben wir überlegt, wie wir unseren Tell bewerben wollen.» Dabei seien sie von den Fragen was ist Heimat, was ist Freiheit, was ist ein Held ausgegangen. «Es war uns wichtig, eine einheitliche Linie zu verfolgen, die auf unsere Inszenierung vorbereitet. Ich bin darin für die Texte zuständig», sagt Gerhild Steinbuch.

Auch elektronisch findet «Tell» statt. Die Dramaturgin betreut gemeinsam mit einer jungen Redaktion den Blog und die Facebook-Seite zu den Tellspielen 2016. «Der Blog begleitet einerseits die Proben, anderseits wird er ergänzt durch Beiträge von Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie haben sich aus ihrer zeitgenössischen Perspektive mit den drei Themen Heimat, Freiheit und Held auseinandergesetzt, teilweise durchaus auch kritisch», erklärt sie. «Wir fanden es schön, abseits des Schiller-Textes und der traditionellen Beschäftigung mit dem Stoff auch noch eine zeitgenössische Beschäftigung zu haben.» Der Blog sei eine Erweiterung, ein Fenster. Bisher seien die Reaktionen auf den Blog ganz gut gewesen. «Es ist auch einfacher, Inhalte einzufüllen, wenn man vor Ort ist», betont Gerhild Steinbuch. Seit Mitte Juli ist sie dauernd in Uri – bis zur Premiere, anschliessend sporadisch für einzelne Veranstaltungen, zuvor war sie seit Beginn der Proben etwa einmal pro Monat hier. «Man spürt, dass die Premiere näher rückt. Je mehr im Blog und auf Facebook veröffentlicht wird, umso zahlreicher werden Reaktionen und Likes», hält sie fest.

«Die Leute sind sehr offen»

In Uri gefällt es Steinbuch sehr gut. «Bis jetzt habe ich von der Schweiz nur Zürich gekannt, da war ich aber auch noch nicht oft.» Landschaftlich sei Uri ohnehin toll, und man fühle sich auch sehr willkommen. Deutsche dächten gerne, Österreich und die Schweiz seien sehr ähnlich. «Das finde ich nicht», sagt sie bestimmt. Es sei eine schöne Mischung zwischen dem Wissen, von woanders zu kommen, aber dennoch dazuzugehören, versucht sie ihre Beziehung zu Uri zu beschrieben. An Altdorf habe sie erstaunt, dass für die Grösse des Ortes wahnsinnig viel los sei, auch kulturell. Und auch mit den Bewohnern des Kantons kommt sie gut zurecht. «Es gibt so viele unterschiedliche Leute, das finde ich auch bei uns in der Gruppe ganz schön. Die Leute sind sehr offen, und man geht aufeinander zu.»

Hinweis

Der Blog zu den Tellspielen: www.tell16.ch

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