KULTUR: «Seerose» setzt weiteren Mosaikstein

«Yys fräiwt’s!»: So heisst das neuste Projekt des Jodlerklubs Seerose Flüelen. OK-Präsident Markus Ziegler erklärt, was das Publikum erwarten darf und weshalb die Flüeler kaum mehr auf traditionelle Jodlerabende setzen.

Bruno Arnold
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Markus Ziegler aus Flüelen ist OK-Präsident der Konzertreihe «Yys fräiwt’s!», die den Jodlerklub Seerose Flüelen und die Bauernmusik Altdorf in den kommenden Wochen in vier Urner Pfarrkirchen führen wird.Bi (Bild: ld: Georg Epp (Flüelen, 22. September 2017))

Markus Ziegler aus Flüelen ist OK-Präsident der Konzertreihe «Yys fräiwt’s!», die den Jodlerklub Seerose Flüelen und die Bauernmusik Altdorf in den kommenden Wochen in vier Urner Pfarrkirchen führen wird.Bi (Bild: ld: Georg Epp (Flüelen, 22. September 2017))

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

Die Mitglieder des Jodlerklubs Seerose Flüelen haben keine musikalischen Berührungsängste. Immer wieder spannen sie mit Formationen unterschiedlicher Stilrichtungen zusammen. Sie setzen seit Jahren innovative Akzente im Urner Kulturleben und sprengen dann jeweils die Grenzen des Raums, der bei ihnen üblicherweise von Volkstümlichem gefüllt wird. Erwähnt seien beispielsweise die gemeinsamen Auftritte mit dem Musikverein Unterschächen, mit den Flüeler Sängerknaben, dem Posaunenquartett Tromburi, aber auch mit dem Organisten Wolfgang Sieber oder mit der Obwaldner Huismuisig. Ihre Flexibilität und Offenheit haben die «Seeröseler» aber auch mit ihrem Mitwirken in der Operette «Im weissen Rössl» oder im Musiktheater «My Fair Lady» unter Beweis gestellt.

An vier Sonntagen im Oktober und November dürften die 23 «Seerose»-Mitglieder unter der Leitung von Franziska Dahinden erneut einen speziellen Stein im Urner Kulturmosaik setzen. Diesmal haben sie sich für «Yys fräiwt’s!» mit der Bauernmusik Altdorf zusammengetan.

Horizonterweiterung als Nebeneffekt

Das eigentliche Schwungrad der «Seerose»-Konzertreihe 2017 ist OK-Präsident Markus Ziegler. «Wir scheuen die Auseinandersetzung mit andern Stilrichtungen nicht, denn Projekte erweitern den musikalischen Horizont», sagt der 58-jährige Flüeler. Doch die erwähnte Horizonterweiterung ist nicht das erklärte Ziel, sondern höchstens ein angenehmer Nebeneffekt des projektbezogenen Schaffens. Dass die Flüeler vom traditionellen Jodlerabend weggekommen sind, hat andere Gründe. «Ein ‹hundsgewöhnlicher› Jodlerabend ist für uns mit sehr viel Aufwand verbunden», erklärt Ziegler. «Hilfspersonal rekrutieren, die Bühne transportieren und aufstellen, den Hallenboden abdecken, Tische und Bänke ‹umäfärggä› et cetera. Aufwand und Ertrag stehen einfach in keinem Verhältnis mehr.» Der «Seerose»-Vizedirigent nennt aber noch einen weiteren Grund für das projektbezogene Schaffen: «Die Kooperation mit andern Formationen bietet uns die Chance, bei Vertretern anderer Stilrichtungen Werbung in eigener Sache zu machen.» Allerdings relativiert er im gleichen Atemzug: «Neue Jodler oder Sänger kann man aufgrund von Projekten aber trotzdem nicht in Hülle und Fülle generieren. Das probateste Mittel ist nach wie vor die Mundpropaganda, also das persönliche Gespräch mit potenziellen Mitgliedern.»

Auf dem «Berufungsweg» zur «Seerose»

Auch Ziegler selber, der sieben Jahre lang Klavierunterricht beim legendären Altdorfer Musiklehrer Emil Schmid genossen hat, ist auf dem «Berufungsweg» zur «Seerose» gekommen. «Ich habe das gemeinsame Singen, das Kameradschaftliche und Gesellige gesucht, und war 1987 auf der Kippe zwischen Kirchenchor und Männerchor.» Der damalige «Seerose»-Dirigent Josef Nideröst habe ihn aufgefordert, es doch bei den Jodlern zu versuchen. «Schon nach wenigen Proben bin ich hängen geblieben.» Bereut hat er diesen Schritt nie. 1987 erlebte Ziegler in Brig sein erstes Jodlerfest und war hell begeistert – von der Atmosphäre, der Geselligkeit und der fröhlichen Stimmung. Und noch heute verursache es ihm Gänsehaut, wenn jemand frisch von der Leber weg den Stimmton angebe, wenn sofort viele andere mitmachen würden und schliesslich ein ganzes Festzelt in das Lied einstimme. «Jodler brauchen weder Noten noch Instrumente, um gemeinsam aufzutreten, das ist sicher der wichtigste Vorteil gegenüber einem Musikverein oder einem Männerchor.»

Etwas habe sich seit 1987 stark geändert: «Wir versuchen, die Zahl der Proben und Auftritte möglichst tief zu halten, damit unsere Mitglieder nicht allzu stark strapaziert werden. Als Verein mit aufgeschlossenen Leuten leben wir also den gesellschaftlichen Veränderungen respektive den heutigen Berufs-, Familien- und Erziehungsmodellen nach.»

Auch Uraufführung auf dem Programm

Wer die «Yys fräiwt’s!»-Aufführungen besucht, der wird ein abwechslungsreiches Programm erleben. Solistische und gemeinsame Vorträge des Jodlerklubs und der Bauernmusik gehören genauso dazu wie Auftritte von Antoinette Crawley und Anna­gret von Bergen, von Marlen Melchiori und Kurt Gisler oder des «Seerose»-Männerchors. Zu hören sind aber auch «Ohrwürmer» wie der «Steinmanndl-Juiz», der «Gotthard-Postillon» und «Dr Wildhüeter», die Uraufführung von «Kartatschä» (Duett für Bass und Alphorn) oder «I han ämal äs Märli träumt», vorgetragen von der Bauernmusik und der Jodlerin Annagret von Bergen.

«Ich fräiwä mich auf die vier Konzerte», sagt Ziegler. Um sich umgehend an den Projekt­titel zu halten: «Yys fräiwt’s! – wänn ä ­hüüffä Lyt chämet!», korrigiert er sich selbst. «Wir haben alles im Griff – fast alles», meint er noch. «Ausbremsen könnte uns höchstens noch der Ausfall der Vorjodlerinnen oder -jodler, eines Musikers oder der Einsturz einer der vier Kirchen», glaubt er. Als Daueroptimist ist er aber überzeugt: «Nichts davon wird passieren!»

Hinweis

Die Konzerte des Jodlerklubs Seerose Flüelen und der Bauernmusik Altdorf finden am 29. Oktober (Pfarrkirche Flüelen), am 12. November (Pfarrkirche Andermatt), am 19. November (Pfarr­kirche Bürglen) und am 26. November (Pfarrkirche Seelisberg) jeweils um 17 Uhr statt. Der Eintritt ist frei (Türkollekte).