Urner Künstler sorgen für ein «spannendes Panoptikum»

Die Kunst- und Kulturstiftung vergab am Samstagabend im Haus für Kunst Uri ihre Preise.

Markus Zwyssig
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Die anwesenden Preisträger (von links): Gail Bantli, Adrian Flückiger, Cynthia Kaufmann, Franziska Furrer, Samuel Herger.

Die anwesenden Preisträger (von links): Gail Bantli, Adrian Flückiger, Cynthia Kaufmann, Franziska Furrer, Samuel Herger.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 7. Dezember 2019)

Grosser Abwesender an der Feier der Kunst- und Kulturstiftung Uri war am Samstagabend Lukas Traxel. Der Preisträger des mit 20’000 Franken dotierten Werkjahrs konnte an der Übergabe nicht dabei sein. Der Jazzmusiker hat das New-York-Atelier der Stadt Zürich zugesprochen erhalten und weilt zurzeit im Big Apple. «Heute Abend macht er das, wofür wir ihn auszeichnen. Er tritt als Musiker auf», sagte Kuratoriumspräsidentin Elisabeth Fähndrich.

Traxel zählt trotz seines jungen Alters zu den gefragtesten Jazz-Kontrabassisten. Er stand mit diversen Grössen der Jazzmusik auf der Bühne. Fähndrich liess ausrichten, Traxel habe sich ausserordentlich über die Auszeichnung gefreut und müsse sich schweren Herzens entschuldigen. «Das Urner Werkjahr soll Lukas Traxel helfen, dass er im nächsten Jahr die Zahl seiner Engagements als viel und weit herum begehrter Begleitbassist etwas reduzieren und seinem eigenen Projekt Vorrang geben kann», sagte Kulturredaktor Urs Bugmann in seiner Laudatio.

Alle drei Jahre kann ein viermonatiger Aufenthalt im Berlin-Atelier vergeben werden. Die Jury hat es Franziska Furrer aus Altdorf zugesprochen. Die 45-jährige Künstlerin beschäftigt sich in ihren aktuellen Arbeiten mit dem Thema Zeit. In der Ausstellung zeigt sie Zeichnungen, die das Resultat einer repetitiven, rhythmischen Arbeit mit Stift auf Papier sind. Ausserdem arbeitet sie in ihrer Installation mit Texten und Sprachfragmenten. Mit dem Berlin-Aufenthalt will ihr die Kunst- und Kulturstiftung ermöglichen, diesen Weg weiter zu verfolgen und Neues entstehen zu lassen. Elisabeth Fähndrich wünschte Franziska Furrer viel Inspiration in der Metropole Berlin. «Der Aufenthalt soll ihr einen Raum öffnen, um ihre zeitintensiven Arbeiten voranzutreiben und weiter an den Präsentationsmöglichkeiten zu forschen, die sie in Ansätzen schon jetzt ausprobiert», so Urs Bugmann.

Des weiteren hat die Jury drei Förderpreise vergeben. 8000 Franken erhalten Cynthia Kaufmann und Adrian Flückiger. Das Künstlerpaar Umär präsentiert sich mit einer Arbeit zwischen Pop-Art, Videotechnik und Malerei. Die Jury ist beeindruckt von der zugleich poetischen und spannungsgeladenen Installation. «Die präzis orchestrierten Abläufe, die Kombination von überraschenden und spielerischen Elementen haben überzeugt», sagte Fähndrich. Mit dem Förderpreis will man das Künstlerpaar ermutigen, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

Räumliche Modelle werden zu Kunstobjekten

5000 Franken gehen an den jungen Szenografen Samuel Herger. Er hat die Jury mit seinen Miniaturen überrascht. Herger präsentiert räumliche Modelle so, dass sie zu Kunstobjekten mutieren. Das Kuratorium sei beeindruckt von der gekonnten Inszenierung der Modelle und unterstütze ihn mit dem Förderpreis in seiner weiteren Arbeit, so Fähndrich.

Die Urner Künstlerin Gail Bantli zeigt drei Ex-Voto-ähnliche Bilder, die das Kuratorium durch ihre Doppeldeutigkeit faszinieren und überzeugen. Die vermeintlich einem Kinderbuch entstammenden Bilder lassen bei näherer Betrachtung unheimliche Welten entstehen. Die Jury freut sich, mehr von Bantli zu sehen und unterstützt sie ebenfalls mit einem Förderbeitrag von 5000 Franken.

Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg bei seiner Ansprache.

Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg bei seiner Ansprache.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 7. Dezember 2019)

Die kantonale Kunstankaufskommission hat – teilweise auf Empfehlung des Kuratoriums – im Rahmen dieser Ausstellung drei Werkankäufe beschlossen: Corina Gamma, Martha Ziegler-Betschart und Gail Bantli. Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg wies auf das Kulturförderungsgesetz hin, an dem Uri derzeit arbeitet. «Damit möchten wir einen Beitrag leisten, dass sich das vielfältige und reiche Kulturleben in Uri weiterhin dynamisch entwickeln kann», so Jörg. «Dass wir die Kunst brauchen, das beweist insbesondere die aktuelle Ausstellung, welche ein spannendes Panoptikum darstellt.»

Franziska Brücker sorgte für die musikalische Umrahmung der Übergabefeier.

Franziska Brücker sorgte für die musikalische Umrahmung der Übergabefeier.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 7. Dezember 2019)

Die Urner Sängerin Franziska Brücker hat im vergangenen Jahr einen Förderpreis erhalten. Sie umrahmte die Veranstaltung musikalisch. Zudem sind im Danioth-Pavillon aktuelle Werke der in Bern wohnhaften Adriana Stadler zu sehen. Rund ein Jahr nach dem Aufenthalt im Zentralschweizer Berlin-Atelier zeigt das Künstlerduo Peter Spillmann & Susanne Schär im Vorraum des Danioth-Pavillons einen Ausschnitt aus ihren aktuellen Arbeiten

Hinweis: Die Ausstellung im Haus für Kunst Uri ist bis zum 5. Januar 2020 zu sehen und ist jeweils donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.