Lädeli auf den Eggbergen ob Altdorf aus dem Dornröschenschlaf geholt

Im Zuge der Corona-Krise wurde auf den Eggbergen ob Altdorf ein Laden eröffnet, dies zum Schutz der Bevölkerung.

Christof Hirtler
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Die Bäuerin Anita Planzer kauft im Eggberger Lädeli für ihre Schwiegereltern ein.

Die Bäuerin Anita Planzer kauft im Eggberger Lädeli für ihre Schwiegereltern ein.

Bild: Gaby Brownrigg

«Corona-Virus-Info. Wir haben geschlossen.» So begrüssen Gaby und Andy Brownrigg vom Berggasthauses Eggberge Besucher ihrer Website. Das Gasthaus liegt direkt neben der Seilbahn, die Lebensader des 1450 Meter über Meer gelegenen Weilers oberhalb von Altdorf. 70 Menschen wohnen hier.

Das Berggasthaus Eggberge ist ein beliebtes Restaurant, zeitgemäss eingerichtet und mit einer überraschenden Speisekarte. Fish’n’Chips, Beef’n’Ale Pie (Rindfleischtopf mit Gemüse und Blätterteigdeckel), Burger und Steaks sind die Spezialitäten des gebürtigen Engländers Andy Brownrigg. Der Koch und Musikwissenschafter hat 2019 mit seiner Frau Gaby, gelernte Fotofachfrau, das Berggasthaus renoviert und im Juni 2019 eröffnet. Dank ihrer Kreativität und ihrer Gastfreundschaft ist das Restaurant heute ein Geheimtipp für Ausflügler und ein Treffpunkt für Eggbergler.

Laden von «Mamma Bissig» neu belebt

Doch wie alle Gastrobetriebe ist auch das Berggasthaus zurzeit nicht in Betrieb. «Wir fragten uns, wie es nun weitergehen soll», erzählt Gaby Brownrigg am Telefon. Anstatt den Stillstand ungenützt auszusitzen, beschlossen die beiden, aktiv zu werden – und erinnerten sich an früher: Damals gab es auf den Eggbergen einen kleinen Laden. Er befand sich im Anbau des Gasthauses. Geführt wurde dieser von «Mamma Bissig», der damaligen Wirtin. «Wir haben uns angesichts der Notlage entschieden, das Lädeli wieder zu eröffnen», sagt Gaby Brownrigg. «Als Erstes mussten wir die Bewilligung einholen und haben uns mit der Gemeinde Altdorf abgesprochen.» Das OK sei umgehend erfolgt. Mehr noch: Die Gemeinde Altdorf und die zuständigen kantonalen Ämter sind von der Idee begeistert.

Bereits am Freitag, 20. März, hatten Gaby und Andy Brownrigg ihren improvisierten Laden eingerichtet. Er besteht aus einem Tisch, einem Gestell mit Lebensmitteln und zwei Kühlschränken. Im Angebot steht alles Lebensnotwendige: Brot, Kartoffeln, Teigwaren, Reis, Milch, Butter, Rahm, Mehl, Zucker, Salz, Salat, Gemüse, Früchte, Fleisch. Die Preise der Lebensmittel entsprechen den Grossverteilern im Tal. Der Laden ist von Montag bis Samstag von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

«Die Menschen müssen so nicht mehr in die grossen Center. Hier einzukaufen, ist sicherer», erklärt Gaby Brownrigg. «Die beliebten Gerichte wie Fish’n’Chips und Burger können bei uns vorbestellt und am Freitag ‹Take-away› mitgenommen werden. Das Angebot werden wir wöchentlich anpassen und kreativ gestalten.» Laut Gaby Brownrigg tätigen die Bewohnerinnen und Bewohner der Eggberge ihre Grosseinkäufe jeweils im Herbst. «Jetzt sind auch ihre Vorräte bald zu Ende», weiss sie.

Touristische Fahrten sind eingestellt

In Kontakt ist man über eine neu gegründete Whatsapp-Gruppe und per SMS. Die Lebensmittel werden mit der Luftseilbahn auf die Eggberge transportiert. Sie fährt nur noch für dreimal im Tag, ausschliesslich für Bergbewohnerinnen und Bergbewohner – und für Ferienhausbesitzer. Denn einige haben sich im Zuge der Krise auf die Eggberge zurückgezogen. Touristische Fahrten sind eingestellt.

Im Eggberger Lädeli werden die Hygienevorschriften und Verhaltensregeln strikt umgesetzt. Gaby Brownrigg erklärt die Regeln: «Die Kunden betreten den Laden über die Terrasse. Beim Bedienen benutzen wir Einweghandschuhe. Es darf nur eine Person im Laden anwesend sein. Wer einkauft, muss vor und nach dem Einkauf mit dem Desinfektionsspray die Hände einreiben.» Jüngere kauften für ältere ein. Eine Pflegefachfrau tätigt ihre Einkäufe im neu eröffneten Lädeli, um ältere Menschen an ihrem Arbeitsort nicht zu gefährden. «Die Solidarität ist gross und es wird sehr geschätzt, dass wir dies auf die Beine gestellt haben», sagt Gaby Brownrigg. «Wir sind auf den Eggbergen zu Hause und fühlen uns hier daheim. Wenn wir etwas für die Gemeinschaft tun können, machen wir das gerne.»