Laienschauspieler zeigen Tell-Geschichte

Vom schwierigen Kampf gegen die Unterdrückung erzählt das Stück «Tell 2012», das am Samstag in Altdorf Premiere hatte. Regisseur Volker Hesse und rund 100 Mitwirkende bringen bedrückende Bilder der Gewaltherrschaft auf die Bühne.

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Eine Szene während der Hauptprobe für die Premiere am Samstagabend. (Bild: Keystone)

Eine Szene während der Hauptprobe für die Premiere am Samstagabend. (Bild: Keystone)

Das Stück beginnt stark: Aus dem Trichter, den zwei gekrümmte Eisenwände bilden, strömen stumme Menschen aus der Tiefe hervor. Mit erhobenen Händen drücken sie sich an die rostigen Mauern, zucken unter Kriegslärm zusammen.

Verängstigt wagt es das schaudernde Volk nicht, dem verfolgten Baumgarten zu helfen. Als diesem dank Tell die Flucht gelingt, nehmen die Soldaten an der Bevölkerung Rache. Es sind solche karge und körperbetonte Massenszenen (Choreographie: Graham Smith), die die Tellinszenierung zum Erlebnis machen.

Eingeengt zwischen den Metallwänden (Bühne: Stephan Mannteuffel) agieren die Schauspieler ohne Requisiten, aber effektvoll unterstützt von der Beleuchtung (Rolf Derrer) und von Geräuschen (Perkussion: Christoph Gautschi).

Die Szenen gehen unter die Haut, weil sie aktuell sind. Sie rufen oftmals am Fernsehen gesehene Bilder der Repression und des Widerstandes in Erinnerung, ohne einen oberflächlichen Bezug etwa zu den arabischen Revolutionen zu machen.

Bild: Keystone
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Entschlackter Klassiker

Volker Hesse kürzte für seine zweite Altdorfer Tell-Inszenierung Friedrich Schillers Klassiker stark. Er erzählt die Geschichte der Einschüchterung eines Volkes und dessen Aufbegehrens in 18 Schlüsselszenen.

Die Not und nicht der Heroismus lässt die Menschen handeln. Die Männer, die sich auf dem Rütli heimlich treffen, sind gebrochen, verzweifelt und uneins. Es gibt Rachsüchtige und Besonnene, Draufgänger und Zweifler.

Der Bund wird erneuert, unternommen vorerst nichts. Doch das Volk braucht einen Helden. Nachdem Tell sich aus der Gefangenschaft Gesslers befreit hat, wird er in schon fast religiöser Verzückung verehrt. Sein tödlicher Schuss auf den Peiniger lässt dann das Gewaltregime zusammenfallen.

Was folgt, ist noch nicht der Friede, sondern das Chaos. Die befreiten Unterdrückten fallen in einen Gewaltrausch und jagen Gesslers Schergen.

Lange Tradition

Die Geschichte des Wilhelm Tell wird in Altdorf seit exakt 500 Jahren auf der Bühne dargestellt. Die Tellspiele sind ein gesellschaftliches Ereignis. Viele der Laienschauspielerinnen und - schauspieler sind seit Jahren mit von der Partie.

Dies gilt etwa für Thomas Gisler (Wilhelm Tell) und Henning Marxen (Gessler), für Regula Gisler-Jauch (Hedwig Tell) und Barbara Bär (Gertrud Stauffacher), die ihre Rollen nicht zum ersten Mal spielten.

sda