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LANDGERICHT: Fuss verloren: Schwerer Unfall beschäftigt Richter

Im Juni 2015 kam es auf der Sustenpassstrasse zu einer Kollision, bei der ein Töfffahrer seinen linken Fuss verlor. Nun muss sich ein junger Schwyzer Autofahrer vor Gericht dafür verantworten.
Carmen Epp
Blick auf das Gerichtsgebäude in Altdorf. (Archivbild)

Blick auf das Gerichtsgebäude in Altdorf. (Archivbild)

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

An einem schönen Sommerabend im Juni 2015 fuhr ein damals 49-jähriger Urner mit seinem Töff vom Sustenpass Richtung Meien. Zur selben Zeit war auch ein damals 21-jähriger Schwyzer im Auto auf der Passstrasse unterwegs. Der Schwyzer fuhr talabwärts auf einen Ausstellplatz, wo er sein Fahrzeug wendete, um wieder talaufwärts zu fahren, wo sein Bruder wartete, um ihn zu filmen. Beim Einbiegen überquerte er die talwärts führende Strasse, auf welcher der Urner Töfffahrer auf seiner Spur gerade um die Ecke kam. Daraufhin prallte der Töff frontal gegen die linke Seite des Autos.

Der Schwyzer blieb unverletzt. Der Töfffahrer verletzte sich so schwer, dass im Bereich seines linken Mittelfusses eine Amputation vorgenommen werden musste. Seither ist der gelernte Plattenleger nur beschränkt arbeitsfähig.

Die Urner Staatsanwaltschaft hat gegen den jungen Schwyzer Anklage erhoben wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung. Am Dienstag wurde der Fall nun vor dem Urner Landgericht verhandelt.

Unfall hätte vermieden werden können

Es tue ihm leid, was passiert ist und dass er es nicht übers Herz gebracht habe, den Töfffahrer im Spital zu besuchen, sagte der Beschuldigte vor Gericht. Trotzdem halte er sich nicht für schuldig. «Ich habe mich bei der Ausfahrt korrekt verhalten.»

Für die Staatsanwaltschaft hingegen ist die Sache klar, wie Beatrice Kolvodouris vor Gericht ausführte: Der junge Autofahrer sei der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig, weil er einen Menschen körperlich schwer geschädigt und einen wichtigen Körperteil verstümmelt habe. Der Beschuldigte hätte voraussehen müssen, dass ihm ein anderes Fahrzeug auf der vortrittsberechtigten Strasse entgegenkommen könnte, als er vom Ausstellplatz losfuhr. Hätte er seinen Bruder als Hilfsperson beigezogen, um das Manöver an der unübersichtlichen Stelle zu überwachen, hätte der Unfall «mit hoher Wahrscheinlichkeit» vermieden werden können. «Ansonsten hätte er weiter talwärts fahren und sich eine geeignetere Stelle zum Wenden aussuchen können», so Kolvodouris.

In der Anklageschrift hatte die Staatsanwaltschaft eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 50 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie eine Busse von 1500 Franken gefordert. Diese Anträge korrigierte Kolvodouris an der Verhandlung nach oben. Dies, weil nicht mehr von einer guten Prognose ausgegangen werden könne.

Der Beschuldigte musste vor dem Unfall bereits zweimal den Führerausweis abgeben. Das sei zum Zeitpunkt der Anklageerhebung schon bekannt gewesen und ins Strafmass eingeflossen. In der Zwischenzeit wurde jedoch ein weiteres Strafverfahren gegen den Schwyzer eröffnet. Dies, nachdem er 2016 mit einem landwirtschaftlichen Fahrzeug von Morschach nach Brunnen ins Schleudern gekommen war. «Das zeigt, dass der Beschuldigte aus seinen Fehlern nichts gelernt hat», so Kolvodouris.

Die Staatsanwältin forderte deshalb eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 70 Franken bei einer Probezeit von drei Jahren sowie eine Busse von 2625 Franken.

Privatklägerschaft geht von Vorsatz aus

Der Anwalt des geschädigten Töfffahrers, der als Privatkläger auftrat, beantragte, den Beschuldigten noch härter zu bestrafen. «Er fuhr schnurstracks auf die Gegenfahrbahn und hat die Verstümmelung meines Mandanten damit klar in Kauf genommen.» Er forderte deshalb eine Verurteilung wegen eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung, was mit Busse und einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 70 Franken zu bestrafen sei. Ausserdem sei der Beschuldigte zu Schadenersatz und Genugtuung zu verpflichten, die dann auf dem Zivilweg eingeklagt würden.

Die Verteidigerin des Autofahrers hingegen schob den Schwarzen Peter zurück an den Töfffahrer. Dieser sei zu schnell unterwegs gewesen und habe sich nicht auf die Strasse konzentriert. So habe der Töfffahrer nicht einmal abgebremst und auch kein Ausweichmanöver gestartet. Wäre der Töfffahrer tatsächlich nur mit 70 Stundenkilometern unterwegs gewesen, wie er angibt, hätte er gemäss Berechnung des Anhaltewegs noch rechtzeitig bremsen können, so die Verteidigerin. Das grobe Fehlverhalten liege also nicht beim Autofahrer, sondern beim Töfffahrer, ihr Mandant sei deshalb freizusprechen. Falls das Gericht zum Schluss kommen sollte, dass ihr Mandant schuldig sei, so sei das von der Staatsanwaltschaft beantragte Strafmass keineswegs angemessen. Die Verteidigerin verwies auf ein Urteil aus dem Kanton Baselland. Dort habe das Gericht eine geringere Geldstrafe und eine niedrigere Busse gesprochen, obwohl die betreffende Tat schwerer gewogen habe und der Beschuldigte finanzstärker gewesen sei.

Das Urteil wird den Parteien schriftlich im Dispositiv zugestellt werden.

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