LANDGERICHT: Schächentaler Bauer macht sich auf Diebestour

Ein Landwirt soll mehrmals eingebrochen und Polizisten bedroht haben. Doch bevor er verurteilt werden kann, brauchts ein neues Gutachten.

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Tierfutter, Zaunpfähle, Milchpulver, Mineralsalz: Der Bauer dachte wohl vor allem an seinen Betrieb, als er jeweils in ein Geschäft für landwirtschaftliche Bedarfsartikel einbrach und dort Sachen entwedete. Rund zehnmal soll der 47-Jährige in das Geschäft eingebrochen sein und dort Waren im Gesamtwert von rund 3200 Franken gestohlen haben. Doch seine nächtlichen Diebeszüge flogen auf: Anwohner beobachteten ihn, und mit einer installierten Videokamera konnte er überführt werden.

Als er im Juni 2004 von der Polizei bei einer Diebestour festgehalten wurde, kam es zu einem Handgemenge mit zwei Polizisten. Dabei beleidigte und bedrohte er die Beamten massiv.

Fahrunfähig, Ausweis nicht abgegeben, Plombe entfernt
Neben diesen Delikten verstiess der Angeklagte auch gegen zahlreiche Bestimmungen des Strassenverkehrsgesetzes. Er wurde mehrmals ohne Führerausweis am Steuer erwischt, er setzte sich in fahrunfähigem Zustand ins Auto, er verwendete Kontrollschilder, die nicht für sein Fahrzeug bestimmt waren, er gab den entzogenen Führerausweis nicht ab und er entfernte am Auto eine Plombe zur Geschwindigkeitsbegrenzung.

Der angeklagte Bauer sollte sich vor dem Landgericht Uri für seine Taten verantworten. Er hat es in seinem Leben nicht immer einfach: Der 47-Jährige führt seinen Bergbauernbetrieb im Schächental mehrheitlich allein, sein arbeitstätiger Bruder und die betagte Mutter können ihn bei der Arbeit auf dem Hof kaum unterstützen. Der Bauer leidet zudem unter epileptischen Anfällen – bis zu 100 pro Nacht – und ist auf Medikamente angewiesen. Seine Delikte sind dann auch auf die schweren epileptischen Störungen und deren medikamentöse Behandlung zurückzuführen, heisst es in einem Gutachten aus dem Jahr 2004.

Ein neues Gutachten wird in Auftrag gegeben
Bei der Verhandlung im Landgericht Uri wurden allerdings noch keine Strafanträge gestellt. Vielmehr stand die Frage im Zentrum, ob für die vom Staatsanwalt geforderte Anordnung einer ambulanten Massnahme ein neues Gutachten nötig sei. Die Staatsanwaltschaft betonte, dass ein bereits bestehendes Gutachten aus dem Jahr 2004 ausreichend sei.

Der Verteidiger des Angeklagten hingegen stellte einen Beweisergänzungsantrag und verlangte ein neues Kurzgutachten. «Das bestehende Gutachten äussert sich nur zur Schuldfähigkeit und macht keine Aussagen zu einer Rückfallwahrscheinlichkeit.» Und auch der Angeklagte selbst meldete sich zu Wort. Er fühle sich durch das damals erstellte Gutachten nicht richtig ernst genommen.

Nach einer kurzen Beratung entschied sich das Gericht, dem Antrag des Verteidigers zu folgen. Somit wird ein neues Gutachten in Auftrag gegeben. Beim Landgericht hofft man nun, dass der Fall zügig vorangeht.

Philipp Arnold

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Urner Zeitung.