Landgericht Uri befindet über Vortritt im stockenden Verkehr

Auf der Autobahn A2 in Wassen kam es zu einem Zusammenstoss eines Lastwagens und eines Autos. Jetzt muss das Landgericht klären, ob der Autolenker dem Lastwagen den Vortritt genommen hat

Florian Arnold
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Einem 73-jährigen Autolenker aus einem Deutschschweizer Kanton wird vorgeworfen, bei stockendem Verkehr auf der Autobahn einem Lastwagenfahrer den Vortritt genommen zu haben. Der Mann akzeptiert den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Uri nicht. Vor Landgericht legte er am Dienstag seine Sicht der Dinge dar: «Ich bin nicht schuldig», betonte er mehrmals.

Auto im «toten Winkel»

Der Vorfall ereignete sich vor gut einem Jahr bei «Stop-and-go-Verkehr» auf der Autobahn. Der Beschuldigte fuhr vom Rastplatz in Wassen via Beschleunigungsstreifen auf die A2 Richtung Süden in eine Lücke vor den Lastwagen. Es kam zum Zusammenstoss. Der Lastwagenfahrer hatte zu Protokoll gegeben, das Auto habe sich in einem für ihn «toten Winkel» befunden. Der Autofahrer sprach gegenüber der Polizei von einer Lücke von 10 bis 15 Metern, wollte diese Schätzung vor Gericht aber wesentlich nach oben korrigieren – denn er habe sich die Unfallstelle nochmals genau angesehen.

Zudem sagte der Autolenker aus, er habe vor dem Einlenken nach hinten geschaut. Zu jenem Zeitpunkt sei der Lastwagen stillgestanden. Der Lastwagenchauffeur müsse wohl abgelenkt gewesen sein, weshalb er das Auto nicht wahrnahm. Weiter tauche im Polizeiprotokoll fälschlicherweise ein Schaden am Seitenspiegel des Autos auf. Die Carrosserie-Rechnung beweise, dass es den Schaden nicht gegeben habe: Die Kratzer auf den Polizeifotos seien Spiegelungen.

2000 Franken bei Verurteilung

Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Busse von 300 Franken, die amtlichen Kosten belaufen sich auf 510 Franken. Im Fall einer Verurteilung muss der Mann zudem Gerichtskosten von gut 1200 Franken übernehmen. Dieses Kostenrisiko nehme er auf sich, sagte der Autolenker. Er hoffe auf ein faires Verfahren.