LANDRAT: 2,9 Millionen für die Geschichtsforschung

Die Geschichte des Kantons Uri soll in fünf Bänden zusammengefasst werden. Die Regierung beantragt dem Landrat in einer ersten Tranche 725 000 Franken.

Anian Heierli
Drucken
Teilen
Geschichtlich hat Uri viel zu bieten: Im Surenengebiet wurde 2013 eine der ältesten Alphütten entdeckt und freigelegt. (Bild Anian Heierli)

Geschichtlich hat Uri viel zu bieten: Im Surenengebiet wurde 2013 eine der ältesten Alphütten entdeckt und freigelegt. (Bild Anian Heierli)

Anian Heierli

«Zukunft braucht Herkunft»: Diesen Leitsatz des deutschen Philosophen Odo Marquard nimmt sich die Urner Regierung zu Herzen. Sie will, dass die Geschichte Uris in fünf Bänden auf 1250 Seiten umfassend zusammengefasst wird. Das Grossprojekt mit dem Arbeitstitel «Kantonsgeschichte Uri 2025» startet voraussichtlich im Jahr 2017. Geplant ist ein Werk, das mehrere Autoren mit universitärem Hintergrund innerhalb von acht Jahren schreiben.

Der Finanzplan steht

Die geplante Kantonsgeschichte 2025 wird professionell erarbeitet. «Dies verursacht entsprechende Kosten», schreibt der Regierungsrat in seinem Bericht an den Landrat. Deshalb ist verteilt über acht Jahre mit Kosten in der Höhe von total 2,9 Millionen Franken zu rechnen. Der Regierungsrat unterbreitet dem Landrat in der Session vom 16. März einen Verpflichtungskredit von 725 000 Franken. Neben diesem Kantonsbeitrag sollen 1,4 Millionen aus dem Lotteriefonds einfliessen, 550 000 will man mittels Sponsoring generieren, und 225 000 dürften voraussichtlich aus dem Verkauf der Bücher resultieren.

Beitrag an Universitätsforschung

Doch wozu braucht es überhaupt ein derart bombastisches Nachschlagewerk? «Meine Ratskollegen und ich sind überzeugt, dass Uri eine aktuelle, systematische und umfassende Darstellung der eigenen Geschichte braucht», sagt Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg auf Anfrage. «Die Kenntnis der Vergangenheit schafft eine gute Grundlage für die Gestaltung der heutigen und künftigen Welt.» Wenn man bedenke, dass auf rund 1250 Seiten ein Zeitraum von rund 4800 Jahren Geschichte dargestellt werde, relativiere sich der erste Blick auf den monumentalen Umfang des Werks. Jörg ist überzeugt, dass ein grosses Interesse an Uris Geschichte besteht – im Kanton selber, aber auch auf nationaler Ebene. Zudem will die Urner Regierung mit dem Erarbeiten einer neuen Kantonsgeschichte einen Beitrag an die aktuelle historische Forschung auf Universitätsstufe leisten.

Bereits ein Werk erschienen

Die Frage nach der Notwendigkeit des geplanten Nachschlagewerks stellt sich aber noch aus einem andern Grund. Im vergangenen Jahr hat der Urner Historiker Hans Stadler aus Attinghausen die beiden letzten Bände seines dreiteiligen Werks «Geschichte des Landes Uri» herausgegeben. Ist ein neues Geschichtswerk also wirklich nötig? «Hans Stadlers beeindruckendes und sehr lesenswertes Werk zeigt – wie er selber betont – das Fazit seiner eigenen beinahe lebenslangen Beschäftigung mit Uris Geschichte», erklärt Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg. Dennoch stelle es in erster Linie vor allem seinen persönlichen Blick dar. Und das sei beim geplanten Projekt anders: es soll nicht das Werk einer Einzelperson sein, sondern einer ganzen Generation von Historikern. Das neue Werk entsteht unter Beteiligung der Universitäten Basel und Luzern sowie einer weiteren, noch unbestimmten Hochschule. «Dadurch wird gerade jungen Fachspezialisten der Einstieg in ihr Berufsfeld ermöglicht.»

«Leicht verständlich und aktuell»

«Die Anbindung des Projekts an die Universitäten gewährleistet, dass es während der gesamten Laufzeit wissenschaftlich begleitet wird», so die Regierung. Zudem würden die Hochschulen ein Reservoir an möglichen Autoren bieten, die in ihrem Fachbereich auf dem aktuellsten Stand seien. So ist geplant, dass jedes Kapitel von einem Experten auf dem jeweiligen Gebiet verfasst wird. Die Regierung will, dass so auf der Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion eine Geschichte entsteht, die «leicht verständlich, umfassend, aktuell und von hoher Qualität ist».

Neues 50-Prozent-Pensum

Die neue Kantonsgeschichte wird von der Regierung und vom Historischen Verein Uri gemeinsam herausgegeben und beaufsichtigt. Ein wissenschaftliches Begleitgremium aus maximal sechs Personen wird das Projekt unterstützen. Zudem will die Regierung eine neue Stelle für einen verantwortlichen Redaktor im 50-Prozent-Pensum schaffen. Er übernimmt die Koordination zwischen den Autoren, dem Lektorat, der Bildredaktion, den Gestaltern und den Korrektoren. Der Redaktion wird ein fester Arbeitsplatz möglichst nahe beim Staatsarchiv zugewiesen.