LANDRAT: BVD-Fälle: Jetzt sollen Köpfe rollen

Nach Meinung von zwei SVP-Landräten hat das Laboratorium der Urkantone die Tierhalter zu spät über die beiden BVD-Fälle auf zwei Urner Alpen informiert. Sie stellen drei konkrete Forderungen.

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Auch bei einem auf der Alp Fiseten gesömmerten Tier wurde ein positiver BVD-Befund festgestellt. (Archivbild Urner Zeitung)

Auch bei einem auf der Alp Fiseten gesömmerten Tier wurde ein positiver BVD-Befund festgestellt. (Archivbild Urner Zeitung)

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

Auf den Urner Alpen Fiseten und Alplen sind mindestens zwei Kühe mit dem BVD-Virus infiziert worden. Das hat eine Untersuchung ergeben, nachdem die beiden Muttertiere Anfang ­August Fehlgeburten erlitten hatten. Die BVD-Viren sind für den Menschen ungefährlich. Betroffen sind Wiederkäuer, hauptsächlich Rinder. Infizierte Tiere wachsen schlecht, leiden an Fruchtbarkeitsstörungen, und es kommt zu Aborten.

Ein Speziallabor bestätigte am 23. August den positiven BVD-Befund. Auf beiden Alpen wurde in der Folge je eine Blutprobe bei einer frei ausgewählten Rindergruppe angeordnet. Dabei wurde der Verdacht eines BVD-Viruskontakts bestätigt. Am 15. September entschied das Veterinäramt des Laboratoriums der Urkantone in Brunnen, sämtliche auf Alplen und Fiseten gesömmerten Rinder auf BVD-Antigene zu untersuchen und die trächtigen Rinder zudem unter Verbringungssperre zu stellen. Am 25. September erhielt die Grosstierpraxis Uri den Auftrag, die Blutproben vorzunehmen.

Ausbreitung wäre vermindert worden

«Das Laboratorium der Urkantone in Brunnen hat mit der Bekämpfung viel zu lange zugewartet – bis das Ganze ausser Kontrolle geraten ist», kritisierte Landrat Alois Arnold-Fassbind (SVP, Bürglen) am Mittwoch bei der Begründung seiner Motion. «Wenn das Laboratorium die Tierhalter sofort informiert hätte, wäre eine Ausbreitung des BVD-Virus vermindert worden», machte der Motionär seinem Unmut Ausdruck. «Den betroffenen Tierhaltern hätte zwingend noch während der Alpzeit schriftlich mitgeteilt werden müssen, dass das BVD-Virus vorhanden ist und dass alle Tiere bei der Rückkehr von der Alp auf den BVD-Virus getestet werden müssten», so Arnold. «Die Tiere waren aber schon fast drei Wochen von den Alpen zu Hause, bis man in Brunnen reagierte», so die Kritik des Bürgler Landwirts.

«Das Ganze hat sich ver-x-facht»

Auf den zwei Alpen wurden insgesamt 591 Tiere von 65 Haltern aus den Urkantonen gesömmert. Die restlichen rund 250 Rinder stammen gemäss Arnold aus Glarus und Luzern. Für Arnold hat die späte Kommunikation massive Konsequenzen: In den vergangenen drei Wochen sind viele betroffene Tiere in der ganzen Schweiz verschoben und verkauft worden. Sie haben zwischenzeitlich gekalbt und sind meistens schon bei einem Kälbermäster oder an einen Aufzuchtbetrieb verkauft worden. Das heisst: Die Überträgertiere konnten somit ungehindert wieder andere Tiere anstecken. «In den vergangenen drei Wochen hat sich die Anzahl der betroffenen Betriebe und Tiere somit ver-x-facht», gab der Erstunterzeichner zu Protokoll.

Zwei weitere Forderungen gestellt

«Solche gravierenden und aus fachlicher Sicht unerklärbaren Fehlentscheide müssen untersucht werden. Zudem sind zwingend personelle Konsequenzen zu ziehen», verlangt Arnold in seiner Motion. Er stellt aber noch zwei weitere Forderungen:

  • In der Interparlamentarischen Geschäftsprüfungskommission beim Laboratorium der Urkantone sitzen zurzeit zwei Urner Landräteder Gesundheitskommission. Neu soll auch ein Mitglied der Volkswirtschaftskommission respektive aus der Landwirtschaft vertreten sein.
  • In Zukunft muss ein solcher Fall sofort jedem Tierhalter und dem Amt für Landwirtschaft schriftlich mitgeteilt werden.

Am Samstag findet die kantonale Grossviehausstellung in Altdorf statt. Wegen des vom Veterinäramt verhängten Ausstellungsverbots für die betroffenen Betriebe dürften bedeutend weniger Tiere aufgeführt werden. Der BVD-Status jedes Tieres wird zudem anhand des Eintrags in die Tierverkehrsdatenbank kontrolliert. Das soll garantieren, dass nur Tiere aus BVD-freien Betrieben aufgeführt werden.