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LANDRAT: Grabungen sollen Klarheit schaffen

Im April wird der Landrat über Nachtragskredite von total 308000 Franken befinden. Mehr als die Hälfte des Geldes soll für die Suche nach Siedlungsspuren im Flüeler Dorfkern eingesetzt werden.
Bruno Arnold
Dort, wo bis vor kurzem das Hotel Weisses Kreuz stand, sollen mit einer archäologischen Grabung wichtige Fragen zur mittelalterlichen Entwicklung von Flüelen geklärt werden. (Bild: Urs Hanhart (Flüelen, 19. März 2018))

Dort, wo bis vor kurzem das Hotel Weisses Kreuz stand, sollen mit einer archäologischen Grabung wichtige Fragen zur mittelalterlichen Entwicklung von Flüelen geklärt werden. (Bild: Urs Hanhart (Flüelen, 19. März 2018))

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

Auf dem Grundstück des abgebrochenen ehemaligen Hotels Weisses Kreuz im Kerngebiet von Flüelen sollen auf einer Fläche von 700 m2 insgesamt 32 behindertengerechte Eineinhalb- bis Dreieinhalbzimmerwohnungen, ein Café sowie zwei grössere Gewerberäume entstehen. Zudem werden weitere 900 m2 durch Aussenflächen wie Parkplätze und dergleichen beansprucht.

Bevor die effektiven Hochbauarbeiten beginnen, werden aber auf den beiden Parzellen archäologische Grabungen vorgenommen. Der Bauherrschaft wurde im Rahmen des Baubewilligungs­verfahrens mitgeteilt, dass die Abteilung Natur- und Heimatschutz des Kantons Uri entsprechende bauarchäologische Massnahmen umsetzen werde. Die Regierung beantragt nun dem Landrat, im April einen entsprechenden Nachtragskredit von 170000 Franken zu bewilligen. 150000 Franken sollen für eine beschränkte Teilgrabung im Bereich des Kern- und Neubaus aufgewendet werden, 20000 Franken als Kostenanteil für die spezielle Bodenentfernung der Betonplatte.

Älteres Mauerwerk und Fundmaterial

Welches sind die Gründe für diese Grabungen? Der Flüeler Dorfkern ist als archäologisches Funderwartungsgebiet ausgeschieden. Gemäss Kunstdenkmälerband Uri II von Helmi Gasser könnten auf dieser letzten zusammenhängenden Fläche innerhalb des Dorfkerns von Flüelen Spuren der menschlichen Besiedlung des Zeitraums vom 1. Jahrtausend bis ins 13. Jahrhundert vorhanden sein. «Eindeutige Beweise für diese Annahmen fehlen allerdings», schreibt die Regierung im Bericht an den Landrat. Vier Sondierungen vom Dezember 2017 hätten aber im Bereich des ehemaligen Gasthauses Weisses Kreuz älteres Mauerwerk und Fundmaterial zum Vorschein gebracht, die nicht in einem Zusammenhang mit dem zirka 1608 errichteten Gasthaus stehen. «Somit müssten an diesem Ort ältere Siedlungsspuren vorhanden sein», heisst es im Bericht.

«Das Bauprojekt ist als letzte Chance zu werten, wichtige Fragen zur mittelalterlichen Entwicklung von Flüelen zu klären», heisst es im Bericht an den Landrat. Das Dörfchen am Urnersee galt vor Jahrhunderten als bedeutungsvolle Zoll- und Etappenstation an der Gotthardroute respektive als zentraler Platz für den Warenumlad vom See- auf den Landweg.

Fundamente einer Kapelle?

Was erwartet man von den Grabungen? «Von besonderer Bedeutung ist der Umstand, dass mit dem geplanten Parkplatzbau im Norden womöglich die Fundamente der 1360 erwähnten ersten Kapelle von Flüelen (St. Georg und St. Nikolaus) angeschnitten werden können», schreibt die zuständige Justiz­direktion. «Betroffen vom Bauprojekt sind auch die Reste des zugehörigen alten Pfrundhauses und späteren Schulhauses, das 2007 abgerissen wurde», so die Experten. «Die damaligen Beobachtungen weisen auf mehrere Umbauphasen oder gar Vorgängerbauten hin.» Weiter könne die Ufersituation und -abfolge seit mittel- und vormittelalter­licher Zeit erkannt werden. ­Zudem seien Erkenntnisse zu Vorgängerbebauungen und -nutzungen bis in ur- und frühgeschichtliche Zeit möglich, und zwar insbesondere im Bereich des neuen Unterflurcontainers. «Die bereits bei den Sondagen gefundenen Ziegelbruchstücke sowie die Ofenkeramik lassen vermuten, dass das Hafner- und Ziegelhandwerk bereits sehr früh hier praktiziert wurde», hält die Regierung in ihrem Bericht weiter fest.

Betonboden wurde sorgfältig aufgeschnitten

Was wird konkret getan? Das Grabungskonzept sieht folgende Arbeiten vor:

  • Der Betonboden im Bereich des Kernbaus des Gasthauses Weisses Kreuz (zirka 158 m2) wird durch sorgfältiges Aufschneiden und Herausheben entfernt. Dadurch werden die darunterliegenden Funde nicht beschädigt.
  • Der restliche Bereich der Hochbauten (Beton und Asphalt) wird unter archäologischer Begleitung mit dem Bagger sorgfältig entfernt.
  • Nach der Bodenentfernung oder abschnittsweise parallel zur laufenden Bodenentfernung können die archäologischen Ausgrabungen durchgeführt werden.

«Von archäologischer Seite her sind mit hoher Priorität die Eingriffe bei Kernbau, Unterflurcontainer, Liftschacht und seeseitigen Abtiefungen einzustufen», so die Regierung.

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