LANDRAT: Kanton Uri soll Sportler unterstützen

Wer in Uri professionell Sport betreibt, muss auf Rückendeckung von Sponsoren hoffen. Denn der Kanton hilft ihnen finanziell nicht. Das soll sich ändern, finden Politiker – und eine Olympiateilnehmerin.

Matthias Stadler
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Die Mountainbikerin Linda Indergand wünscht sich vom Kanton mehr Unterstützung für Urner Spitzenathleten.Bild: Thomas Weschta (Februar 2016)

Die Mountainbikerin Linda Indergand wünscht sich vom Kanton mehr Unterstützung für Urner Spitzenathleten.Bild: Thomas Weschta (Februar 2016)

Ein neuer Tennisschläger, ein Jahresabo für das Fitness, die Ausrüstung zum Skifahren. Ein solches Hobby kann eine schöne Stange Geld verschlingen, Sportler können ein Lied davon singen. Wer seine Leidenschaft professionell ausführen will, hat noch mehr Auslagen, die kaum alleine zu tragen sind. Deswegen setzen viele Profisportler auf Sponsoren, welche sie unterstützen.

Und deswegen greifen viele Kantone den Sportlern finanziell unter die Arme. Der Kanton Uri sieht von einer solchen Unterstützung jedoch ab. Zwar fördert er den Nachwuchs, die gestandenen Sportler hingegen werden sich selber überlassen. Das passt einigen Urner Landräten nicht. Flavio Gisler (CVP, Schattdorf) hat deswegen mit Mitgliedern sämtlicher anderer im Landrat vertretenen Parteien eine Motion zur Unterstützung des Urner Spitzensports eingereicht. Die Unterzeichner fordern folgende Änderungen:

Im Rahmen einer Leistungssportförderung sei für olympische Sportarten jährlich ein Betrag von bis zu 12000 Franken und in Ausnahmefällen für nichtolympische oder paralympische Sportarten maximal 6000 Franken aus dem Lotterie- beziehungsweise Sportfonds auszubezahlen.

Die Auszahlung dieser Gelder sei im Rahmen einer Überprüfung des Nachweises von Kostenauslagen, einer Gesamtschau und in Zusammenarbeit mit Verbänden wie Swiss Olympic zu beurteilen.

Mit den Sportlern sei eine Vereinbarung über die Verwendung der Gelder, Repräsentationspflichten der Sportler zu Gunsten des Kantons und Abmachungen über Rückzahlungen etwa bei Dopingmissbrauch abzuschliessen.

Die Verordnung über die Förderung des Sports sei entsprechend anzupassen.

Der Anteil des Sportfonds an den Lotteriegeldern sei entsprechend zu erhöhen.

Flavio Gisler schlägt vor, dass die Gelder dem Lotterie- beziehungsweise Sportfonds des Kantons entnommen werden. Drei bis vier Sportler kämen im Kanton momentan in Frage, die realistische Chancen auf eine Olympiateilnahme hätten. Die 12000 Franken pro Jahr und Sportler würden demnach einen «äusserst kleinen Teil» der 1,8 Millionen Franken an Lotteriegeldern ausmachen, schreibt Gisler im Motionstext. Für die Athleten könne dieser Beitrag aber entscheidend sein, ob der Sport professionell ausgeübt werden kann. Der Sportfonds erhält momentan 28 Prozent aus dem gesamten Lotteriegeld. Dieser Anteil müsste laut Gisler entsprechend erhöht werden, «damit die Nachwuchsförderung nicht gefährdet wird».

Flavio Gisler und die Mitunterzeichner weisen darauf hin, dass es in Nidwalden bereits ein solches System gebe. Auch im Kanton Luzern gelte ein ähnliches System. Momentan könnten elf potenzielle Olympiateilnehmer auf Unterstützung zählen.

Mountainbikerin hofft auf den Kanton

Linda Indergand, Mountainbikerin aus Silenen und Olympiateilnehmerin in Rio, betont auf Anfrage, dass ausgerechnet nach der Zeit als Nachwuchssportler die Unterstützung des Kantons aufhöre. Eine solche helfe aber definitiv auch Profisportlern: «Das Leben ohne finanzielle Unterstützung wird sonst sehr schwierig. Und wenn man eine solche Absicherung hat, hat man auch den Kopf frei für den Sport und erzielt dadurch bessere Resultate.» Indergand ist seit vier Jahren zu 50 Prozent beim Militär als Zeitsoldatin angestellt, was ihr ein geregeltes Einkommen sichert. Sie hat noch andere Sponsoren und würde eine Unterstützung des Kantons für Spitzensportler sehr begrüssen.

Matthias Stadlermatthias.stadler@urnerzeitung.ch