Landrat
Politische Bildung soll verbindlich auf der Stundentafel stehen

Ihr ist die Antwort der Regierung auf ihre Parlamentarische Empfehlung nicht konkret genug. CVP-Landrätin Céline Huber will endlich verbindlich festhalten, wie viele Lektionen im Unterricht für die politische Bildung aufgewendet werden müssen.

Anian Heierli
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Dass Schüler frühzeitig das politische System der Schweiz kennen lernen, ist wichtig. Immerhin sind die Kinder von heute der Grundpfeiler der Demokratie von morgen. Darin sind sich auch die Altdorfer CVP-Landrätin Céline Huber und der Urner Regierungsrat einig. Ein Schulfach «Politische Bildung» gibt es dagegen bis heute nicht. Huber hatte dieses zwar gefordert, doch der Regierungsrat lehnte die Forderung ab (wir berichteten). Sie zeigte sich damit einverstanden. Es blieb ihr aber ein Anliegen, die politische Bildung verbindlicher in der Stundentafel zu integrieren.

Wie heisst nochmals die Bundesrätin aus dem Wallis? Politische Bildung ist bereits heute Teil des Unterrichts.

Wie heisst nochmals die Bundesrätin aus dem Wallis? Politische Bildung ist bereits heute Teil des Unterrichts.

Symbolbild: CH Media (Sitterdorf, 20. Januar 2020)

Der Regierungsrat zeigte sich gewillt, die politische Bildung mit Lehrmitteln, Schulausflügen nach Bundesbern und der Weiterbildung von Lehrpersonen zu fördern. Ein entsprechender Bericht wurde vom Landrat aber ablehnend zur Kenntnis genommen. Grund: Die Mehrheit des Parlaments sah die Gewichtung der Politik in der Volksschule als zu gering. Nun will Landrätin Huber in einer Parlamentarischen Anfrage erneut Klarheit darüber, in welchem Zeitrahmen politische Bildung auf der Stundentafel der Sekundarstufe 1 vermittelt wird. Dieser Unterricht findet heute im Fach «Räume, Zeiten, Gesellschaften (RZG)» statt.

Regierung sieht die Parlamentarische Empfehlung schon als erledigt

In ihrem Antrag ersucht Huber den Regierungsrat, die Stundentafel der Sekundarstufe 1 so anzupassen, dass dieser den im Lehrplan 21 definierten Lernzielen zur politischen Bildung zeitlich Rechnung trägt. Der Regierungsrat sieht in seiner aktuellen Antwort auf die Parlamentarische Empfehlung keinen Handlungsbedarf. Zwar empfiehlt er, die Parlamentarische Empfehlung zu überweisen, diese aber als erledigt abzuschreiben. Die Begründung der Regierung: Schon heute wird an Schulen der Sekundarstufe 1 mehr politische Bildung vermittelt, als es Hubers Parlamentarische Empfehlung fordert.

Zur Erklärung: Huber schreibt in ihrem Vorstoss: «Um der politischen Bildung in der Stundentafel genügend Rechnung zu tragen, wäre ein gleichgerichtetes Regime, wie es Basel-Stadt auf das kommende Schuljahr einführt, vorstellbar.» Das System am Dreiländereck – das wegen der Pandemie noch nicht umgesetzt wurde – will in der 2. und 3. Sekundarklasse je eine halbe Lektion pro Woche politische Bildung unterrichten. Wenn man das laut Regierungsrat auf den Urner Stundenplan überträgt, käme man höchsten auf 38 Lektionen. «Demgegenüber umfasst die zeitliche Dotation der vom Erziehungsrat beschlossenen Stärkung der politischen Bildung in Uri mehr als 150 Lektionen vom Zyklus 1 bis zum Zyklus 3», so die Regierung.

Huber fehlt noch immer die Verbindlichkeit

CVP-Landrätin Céline Huber denkt, dass mehr Verbindlichkeit auch den Lehrpersonen hilft.

CVP-Landrätin Céline Huber denkt, dass mehr Verbindlichkeit auch den Lehrpersonen hilft.

Bild: PD

Doch aufgepasst. Es gilt zu beachten, dass sich diese 150 Lektionen nicht nur auf die 2. und 3. Klasse der Oberstufe beziehen. Denn mit Zyklus 1 bis 3 sind die Stufen Kindergarten bis zweite Primar, dritte bis sechste Primar inklusive Sekundarstufe gemeint. Auf Anfrage zeigt sich Huber denn auch nicht zufrieden mit der Antwort. Noch immer fehlt ihr die Verbindlichkeit auf der Stundentafel. «Der Landrat hat mit seiner negativen Kenntnisnahme des ursprünglichen Berichts ja bereits zum Ausdruck gebracht, dass er mehr Verbindlichkeit fordert», so die CVP-Politikerin.

Was also wäre verbindlicher? «Heute ist politische Bildung ein Teil des Fachs Räume, Zeiten und Gesellschaft», sagt Huber. «Verbindlicher wäre, wenn man beispielsweise in einer Fussnote zum Fach festhält, dass als Minimum etwa eine halbe Lektion pro Woche politische Bildung unterrichtet werden muss.» Für sie ist klar: «Eine solche exakte Angabe wäre meines Erachtens auch eine Hilfe für die Lehrpersonen. Damit statuiert man zeitliche Leitplanken für die Schulleitungen und die Lehrerschaft, politische Bildung in der Oberstufe angemessen zu würdigen.» Über die Antwort auf die Parlamentarische Empfehlung wird in einer der kommenden Sessionen befunden.