Millionenkredit: Jetzt soll das Velofahren in Uri sicherer werden

Der Landrat hat das Radwegkonzept zur Kenntnis genommen und 8 Millionen gesprochen. Jetzt muss noch das Volk Ja sagen.

Florian Arnold
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Aktivisten hatten vor der Landratssession am Mittwoch eine Velo-Demo organisiert.

Aktivisten hatten vor der Landratssession am Mittwoch eine Velo-Demo organisiert.

Bild: Urs Hanhart

Ob die aufgereihten Velos vor dem Dätwylergebäude am Morgen der Landratssession wirklich Einfluss auf das Abstimmungsresultat hatten, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall hat der Landrat am Mittwoch ein Zeichen für die Velofahrer gesetzt. Das Radwegkonzept mit geschätzten Kosten von 25,6 Millionen Franken (plus/minus 30 Prozent) wurde mit 44 zu 15 Stimmen zur Kenntnis (1 Enthaltung) genommen.

Zudem wurde einem Verpflichtungskredit von 8 Millionen Franken für eine erste Tranche (gebundene Kosten) zugestimmt (45 zu 15 Voten). Über einen Kredit von 7,7 Millionen Franken befindet das Volk, der Landrat verabschiedete diesen mit 44 zu 16 Stimmen. Gebaut werden soll unter anderem die Verbindung vom Altdorfer Bahnhof bis Seedorf.

Gute Verbindungen fehlen heute

«Das heutige Radwegnetz entspricht nicht den Bedürfnissen», hielt Andrea Scheuber (SP, Flüelen) fest. «Es ist an der Zeit, endlich neue Lösungen in Angriff zu nehmen.» Die nationale Velo-Initiative habe im Kanton Uri 70 Prozent Zustimmung erfahren. Die Coronapandemie habe auch gezeigt, dass die Nachfrage beim Velofahren weiter steige.

Der Nachholbedarf sei gross, sagte Franz Christen (CVP, Schattdorf). «Es fehlen vielerorts gute Verbindungen.» Von besseren Radwege würden alle Verkehrsteilnehmer profitieren, so auch die Auto- und Schwerverkehrslenker. Zudem würden mit dem guten Veloangebot die Gesundheit gefördert und die Umwelt geschont.

Bernhard Epp (FDP, Bürglen) sagte, mit den insgesamt 15,7 Millionen werde ein angemessenes Gesamtpaket realisiert. Ihm persönlich sei wichtig, dass ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit gelegt werde. Denn diese sei bei bereits bestehenden Velowegen nicht immer gegeben. Er nannte etwa als Beispiel die Übergänge im Rynächt. Innerhalb der FDP-Fraktion gab es aber auch deutlich andere Meinungen. Franz-Xaver Simmen (FDP, Altdorf) rechnete vor, dass allein ein Kilometer der neu geplanten Radweg-Abschnitte 2,7 Millionen ausmache, respektive 2700 Franken pro Meter. Das sei ein Luxusprojekt und somit zu teuer. «Es macht den Anschein, als ob das Geld vom Berg rollen würde, wie die Steine am Axen.» Die Ausgaben müssten vor dem Hintergrund der grossen Investitionen für das Kantonsspital Uri, die neue West-Ost-Verbindung und den Kantonsbahnhof betrachtet werden. «Wir sollten schauen, dass die Kantonsfinanzen nicht in Schieflage geraten», sagte Simmen.

Projekt ist laut Arnold günstiger zu realisieren

Die Kosten waren es denn auch, die Elias Arnold (SVP, Altdorf) dazu bewogen, einen Antrag auf Rückweisung mit Direktiven zu stellen. Und zwar sollten die enthaltenen Projekte so überarbeitet werden, dass sie effizienter und günstiger umgesetzt werden könnten. «Es geht mir nicht um die Velowege, sondern darum, dass man Steuergelder nicht verpulvert.» Arnold, der selber in der Baubranche tätig ist, erzählte, er sei bei eigenen Nachforschungen erschrocken: Laut ihm sind die angedachten Projekte wesentlich günstiger zu realisieren.

Allein Stelle in Attinghausen kostet 2,5 Millionen

Dies dementierte Baudirektor Roger Nager deutlich. Anhand eines Beispiels von Attinghausen, das sich bereits auf einem höheren Planungsstand befindet, zeigte er die Komplexität. Denn durch den Autobahn-Halbanschluss, der dort entsteht, müssen für die Radwege etliche Faktoren berücksichtigt werden. So etwa die Situation mit Gegenverkehr, behindertengerechte Hilfen bei den Bushaltestellen oder der Hochwasserschutz. Zudem müsse Land dazu gekauft werden. Nach Plänen der Baudirektion wird allein diese Stelle in Attinghausen 2,5 Millionen Franken kosten. Arnolds Rückweisungsantrag wurde schliesslich mit 44 zu 14 Stimmen (2 Enthaltungen) abgelehnt.

Kritisch hinterfragt wurde von den Landräten, ob es richtig war, nur über ein Konzept abzustimmen. Einige hätten sich bereits weiter ausgereifte Pläne gewünscht – was auch eine höhere Genauigkeit bei den Kosten zur Folge gehabt hätte. «Es bringt aber auch nichts, alles zu planen, wenn am Schluss das Volk nein sagt», hielt Ruedi Cathry (FDP, Schattdorf) dagegen. Es gehe darum, nun mit Lösungen vorwärts zu machen. Weiter würde von einigen Landräten begrüsst, wenn die Velofahrer schliesslich auch dazu angehalten würden, die Velowege zu benützen, respektive dass die Benützung der daneben liegenden Strassenabschnitte verboten sein soll.

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