LANDRAT UR: Urner Kantonsgeschichte soll kürzer und billiger werden

Ein neues Werk zur Urner Geschichte soll nicht 1250 Seiten umfassen. Die Mehrheit des Landrates hat am Mittwoch das von der Regierung vorgeschlagene Projekt für zu teuer befunden. Nun muss die Regierung ein abgespecktes Konzept vorlegen.

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Der Kantons Uri soll eine Kantonsgeschichte bekommen. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)

Der Kantons Uri soll eine Kantonsgeschichte bekommen. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)

Weil die Mehrheit der Urner Landräte dem Kredit für die Erarbeitung einer Kantonsgeschichte mit ablehnender Haltung gegenübergetreten ist, beantragte CVP-Landrat Leo Brücker die Rückweisung des Geschäfts. Die Urner Parlamentarier stimmten dem Antrag mit 34 Ja- zu 21-Nein-Stimmen bei 3 Enthaltungen zu.

Damit muss die Regierung das vorliegende Konzept überarbeiten. Die historische Aufarbeitung der Kantonsgeschichte soll sich künftig auf die Epoche ab 1798 mit einem Schwerpunkt auf die jüngere und jüngste Zeitgeschichte konzentrieren. Dafür sollen nicht wie von der Regierung vorgeschlagen fünf Bände, sondern nur noch deren zwei erstellt werden. Mit der abgespeckten Version sollen die erwarteten Kosten von 2,9 Millionen Franken deutlich reduziert werden.

Mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Ursprungsprojekt folgten die Parlamentarier der vorberatenden Landratskommission, die das Projekt der Regierung bereits im Vorfeld beraten und zur Ablehnung empfohlen hatte. Trotz dieser Empfehlung äusserten sich viele Landräte positiv zum geplanten Projekt.

Wichtiges historisches Wissen

Herkunft sei Zukunft, sagte etwa FDP-Landrat Georg Simmen. Die Erarbeitung einer Kantonsgeschichte sei deshalb kein Luxusprojekt, sondern notwendig. Diese Meinung teilten auch die Parlamentarier der SP/Grüne-Fraktion. Ein solches Werk trage massgeblich zum Geschichtsbewusstsein bei, so Landrätin Nina Marty. Wichtig sei jedoch, dass die Kantonsgeschichte gut lesbar, allgemein verständlich und grafisch attraktiv umgesetzt werde.

Nur wer wisse, woher er komme, könne die Gegenwart verstehen und damit die Zukunft positiv gestalten, betonte Bildungsdirektor Beat Jörg am Mittwoch. Er zeigte sich nach wie vor überzeugt, dass das Werk einen Mehrwert bilde und den Kanton Uri bereichern würde.

Geplant waren fünf Bände mit total 1250 Seiten. Als Herausgeber zeichnen der Regierungsrat sowie der Historische Verein Uri. Hauptargument der Gegner sind die hohen Kosten, die mit dem geplanten Buchprojekt verbunden wären. Der Regierungsrat wollte die Kosten mit Kantonsgeldern, Lotteriegeldern, Sponsoring und Verkaufserträgen decken.

In Uri ist erst Mitte November 2015 ein neues Buch zur Kantonsgeschichte erschienen. Es handelt sich um den zweiten und letzten Band der “Geschichte des Landes Uri”, der die Zeit vom 16. bis 20. Jahrhundert behandelt. Autor ist der einheimische Historiker Hans Stadler-Planzer. Für die Urner Regierung gibt es allerdings keine umfassende, wissenschaftlich breit abgestützte Kantonsgeschichte. (sda)