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LANDRAT: «Uri ein Stück weiterbringen»

Christian Arnold aus Seedorf ist seit gestern der höchste Urner. «Ich will den Rat straff führen», sagt der SVP-Politiker. Und: «Ich will den Machtkampf verhindern.»
Interview Bruno Arnold
Die drei älteren der vier Kinder von Christian Arnold zählten gestern zu den ersten Gratulanten. (Bild Urs Hanhart)

Die drei älteren der vier Kinder von Christian Arnold zählten gestern zu den ersten Gratulanten. (Bild Urs Hanhart)

Interview Bruno Arnold

Christian Arnold, Sie sind der höchste Urner. Wieso eigentlich gerade Sie?

Christian Arnold: Nach dem Rücktritt von Gusti Planzer hat man sich 2013 in der SVP-Fraktion nicht um den Sitz in der Ratsleitung gestritten. Ich habe Ja gesagt, um Stabilität in die eigenen Reihen zu bringen. Im Gegenzug habe ich das Gemeinderatsmandat aufgegeben und auf das in Aussicht stehende Amt des Gemeindepräsidenten von Seedorf verzichtet.

Und das ist Ihnen schwergefallen?

Arnold: Ja. Ein Doppelmandat Gemeinderat/Landrat bringt nämlich auch Vorteile. Im Landrat behandelt man oft Geschäfte, die man als Gemeinderat bereits im Vernehmlassungsverfahren intensiv beraten hat. Zudem spürt man als Mitglied einer Kommunalbehörde viel direkter, was den Bürger stört und was man auf parlamentarischem Weg ändern sollte. Mit der Wahl in die Ratsleitung wurde die Belastung aber zu gross, zumal ich auch beruflich und familiär stark engagiert bin.

Landratspräsident sein heisst vor allem: Einladung hier, Einladung dort, Reden schwingen, repräsentieren. Ist dies genau die Rolle für Sie?

Arnold: Nicht unbedingt. Ich bin nicht der Mann der langen Reden und des Repräsentierens, sondern eher der Macher, der die Dinge gerne beim Namen nennt und Probleme aktiv angehen und lösen will. Aber selbstverständlich ist es für mich ein Privileg, ein Jahr lang der höchste Urner zu sein. Diese Ehre kommt schliesslich nicht jedem zu. Ich freue mich bereits jetzt auf die vielen Begegnungen und Kontakte, die ohne dieses Ehrenamt wohl kaum zu Stande kämen.

Sie werden als Präsident aber nicht jeder Einladung Folge leisten können. Wie wollen Sie Prioritäten setzen?

Arnold: Ich zähle diesbezüglich auch auf die Unterstützung der übrigen Mitglieder der Ratsleitung und werde Repräsentationsaufgaben delegieren. Persönlich möchte ich nicht zuletzt «branchenfremde» Anlässe besuchen, um während meines Präsidialjahres Einblick in mir eher unbekannte Bereiche in einem vielfältigen Uri zu erhalten. Etwas möchte ich an dieser Stelle betonen: Um möglichst viele Termine wahrnehmen zu können, bin ich auf die Unterstützung meiner Frau und nicht zuletzt auch auf diejenige meines Vaters angewiesen, der praktisch noch immer in einem Vollpensum auf meinem Betrieb arbeitet. Zudem wissen die zwei Lehrlinge, was auf sie zukommt. Eine gute Planung wird helfen, dass der Betrieb trotzdem reibungslos läuft. Ich war ja bereits in der Vergangenheit aufgrund meiner Ämter des Öftern abwesend – und es hat funktioniert. Eine berufliche Auszeit, wie mein Vorgänger, werde ich aber nicht nehmen können. (lacht)

Sie gelten als engagierter Sachpolitiker. Jetzt müssen Sie ein Jahr lang vor allem präsidieren und repräsentieren, statt aktiv zu politisieren. Bereitet Ihnen diese Rolle keine Mühe?

Arnold: Auf das Politisieren werde ich nicht verzichten müssen, denn ich kann meine Meinung in der Finanzkommission oder in der Fraktion weiterhin einbringen. Als Präsident, der Demokratie leben will, werde ich selbstverständlich Mehrheitsentscheide des Rats akzeptieren und nach aussen vertreten, auch wenn diese nicht immer mit meiner persönlichen Meinung übereinstimmen dürften. Und was das Führen des Rats betrifft: Das wird mir nicht unbedingt schwerfallen. Ich habe da bereits klare Vorstellungen.

Zum Beispiel?

Arnold: Ich will den Rat straff führen, langatmige Diskussionen möglichst unterbinden und dafür sorgen, dass die Ratstätigkeit nicht zu einem Machtkampf zwischen Regierung und Landrat verkommt. Wir sollten uns bewusst auf unsere Exekutiv- respektive Legislativaufgaben konzentrieren. Die beiden Gremien sollten auch vermehrt den mündlichen Dialog suchen. Unser prioritäres Ziel muss es doch sein, dass wir Uri am Ende jedes einzelnen Sessionstages gemeinsam ein Stück weitergebracht haben.

Sie waren Gemeinderat, und Sie sind seit 2012 Landrat. Ist dies der ideale Weg, um in Uri Politik zu machen?

Arnold: Es ist sicher nicht von Nachteil, wenn man Stufe für Stufe macht. Exekutivaufgaben in der Gemeinde ermöglichen einem lehrreiche Einblicke in die politischen Zusammenhänge und Abläufe. Politische Mandate in den Gemeinden verhelfen einem aber auch zu einem guten politischen Rucksack.

Das tönt wie ein Votum gegen Quereinsteiger und gegen den Proporz.

Arnold: Nein. Wer Interesse hat, kann sich in jedem Amt einarbeiten und sich gute Dossierkenntnisse verschaffen – auch als Quereinsteiger. Vielleicht muss man einfach etwas mehr Zeit investieren als Leute mit Ratserfahrung.

Gemeinderat, Landrat, Landratspräsident. Ihr nächster logischer Schritt wird wohl eine Kandidatur für ein Regierungsratsamt sein, oder?

Arnold: Nein. Politik habe ich nie mit dem Ziel betrieben, höchster Urner oder Regierungsrat zu werden, sondern aus Interesse an der Sache. Ich habe eine junge Familie und bin aktuell unter anderem in Vorständen von Milchproduzenten sowie im Emmi-Verwaltungsrat tätig. Bei einer allfälligen Wahl in den Regierungsrat müsste ich diese Mandate, aber auch meinen Betrieb aufgeben – oder dann zumindest einen Betriebsleiter anstellen. Das will ich zurzeit nicht. Ich werde aber 2016 sicher nochmals als Landrat kandidieren. Was nachher kommt, kann ich jetzt ganz noch nicht sagen. Alles ist immer auch eine Frage der Konstellation – ob dies nun einen Sitz in Altdorf oder in Bern angeht.

Ihr Präsidialjahr wird im Zeichen der Wahlen 2016 stehen. Wie wollen Sie den Wahlkampf aus dem Landratssaal verbannen?

Arnold: Wahlkampf ist legitim und nicht zu unterbinden. Meine Aufgabe wird es einzig und allein sein, für faire und sachliche Diskussionen zu sorgen und dann einzuschreiten, wenn dies nicht mehr der Fall ist.

Apropos Wahlkampf: Wählen Sie am 18. Oktober Ihren Parteikollegen Beat Arnold oder Ihre Berufskollegin Frieda Steffen in den Nationalrat?

Arnold: Die Wahlen vom 18. Oktober finden an der Urne statt. (schmunzelt)

Arnold befürwortet den Abschuss des Wolfes

Unsere Zeitung hat Christian Arnold gebeten, in wenigen Sätzen zu folgenden Aussagen Stellung zu nehmen, die in der Bevölkerung zu hören sind:

Es ist richtig, dass der Wolf, der in Uri Schafe reisst, zum Abschuss freigegeben worden ist.

Christian Arnold: Ja, die «Vorgaben» gemäss Wolfskonzept sind erfüllt. Es ist zudem enorm schwierig, in Uri ein wirksames Herdenschutzkonzept zu betreiben. Gerade von unserer Branche wird Tierschutz bis zum Geht-nicht-mehr verlangt. Was aber der Wolf zurzeit in Uri treibt, ist einfach nicht mehr haltbar und hat mit Tierschutz nichts mehr zu tun. Mein Herz als Tierhalter verkraftet es nicht, diesem Treiben länger zuzusehen.

Eine zweite Röhre am Gotthard ist die einzig richtige Lösung.

Arnold: Ja. Einerseits müsste für eine Verladestation zu viel landwirtschaftlich nutzbare Fläche beansprucht werden. Anderseits bringt eine zweite Röhre deutlich mehr Sicherheit.

Der Kanton Uri braucht die West-Ost-Verbindung (WOV).

Arnold: Ja. Die WOV selber ist eine gute Sache, bei den flankierenden Massnahmen sehe ich Optimierungspotenzial.

Im Fall Walker haben die Urner Polizei, die Untersuchungsbehörden und die Urner Justiz keine vertrauensbildende Rolle gespielt.

Arnold: Es ist schwierig, dies in wenigen Sätzen zu sagen. Tendenziell würde ich aber Ja sagen.

Der kürzlich gefällte NFA-Entscheid des Bundesparlaments war richtig.

Arnold: Ja, denn es handelt sich um einen Kompromiss.

Die SVP wird ab Juni 2016 die stärkste Fraktion im Landrat sein.

Arnold: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Im Regierungsrat werden ab Juni 2016 zwei SVP-Vertreter sitzen.

Arnold: Auch hier gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ein Urner SVPler der ersten Stunde

Christian Arnold (1977) ist verheiratet, Vater von vier Kindern im Alter zwischen drei und elf Jahren. Der diplomierte Meisterlandwirt bewirtschaftet als Pächter einen Landwirtschaftsbetrieb in Seedorf, zu dem 25 Hektaren Land des Klosters St. Lazarus und 2 Hektaren zusätzliches Pachtland von Dritten gehören. Arnolds Klosterhof ist mit 45 Kühen und rund 20 Kälbern einer der grössten Milchwirtschaftsbetriebe im Kanton Uri.

Christian Arnold ist als Vertreter des ZMP und des SMP Mitglied des Verwaltungsrats der Emmi AG und des Caseificio del Gottardo Airolo. 1998 gehörte er als Co-Präsident zu den Mitgründern der SVP Uri. Von 2006 bis 2013 politisierte er im Gemeinderat Seedorf. Seit 2012 vertritt Arnold seine Wohngemeinde im Landrat. Er ist Mitglied der Finanzkommission und der Paritätischen Kommission Brückenschlag Uri/Zürich. Im Januar 2013 wurde er als Nachfolger von Gusti Planzer, Bürglen, in die Ratsleitung gewählt.

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