LANDRAT: Urner Regierung unterstützt Winterspiele

Die Regierung will sich an der Zentralschweizer Kandidatur für die Wintersportuniversiade beteiligen. Dafür ist ein Kredit von einer halben Million notwendig.

Anian Heierli
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Ex-Profi Matthias Simmen auf der Biathlonanlage in Realp. Die Infrastruktur im Urserntal eignet sich bestens für Biathlonwettkämpfe. (Bild Sven Aregger)

Ex-Profi Matthias Simmen auf der Biathlonanlage in Realp. Die Infrastruktur im Urserntal eignet sich bestens für Biathlonwettkämpfe. (Bild Sven Aregger)

Anian Heierli

Der Schweizer Hochschulsportverband will, dass die Zentralschweizer Kantone gemeinsam für die Wintersportuniversiade 2021 kandidieren. Die Urner Regierung steht der Kandidatur positiv gegenüber. Die Universiade, an der nur Studenten teilnehmen können, ist nach Olympia weltweit der zweitgrösste Wintersportanlass (siehe Box).

Der Landrat befindet am 11. November über einen Verpflichtungskredit von maximal einer halben Million Franken. Dieser Kredit ist nötig, um an der Kandidatur teilnehmen zu können. Würde die Kandidatur ins Wasser fallen, müsste der Kanton Uri den Kredit nicht bezahlen. «Das Bewerbungsdossier soll bis Ende Jahr erarbeitet sein», sagt der Urner Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg. «Auch hier entstehen für den Kanton keine Kosten.»

Uri setzt auf Biathlon

Die Verantwortlichen rechnen aktuell mit Aufwendungen von knapp 30 Millionen Franken für die Wintersportuniversiade. Die Kantone müssten sich mit insgesamt 11 Millionen beteiligen. Ihr jeweiliges finanzielles Engagement hängt von den geplanten Veranstaltungen ab: Da in Uri bislang einzig die Disziplin Biathlon konkret zur Debatte steht, belaufen sich die voraussichtlichen Kosten auf maximal 0,5 Millionen Franken. Der Kanton Luzern übernimmt als Hauptaustragungsort den Löwenanteil von 5,5 Millionen Franken. Hier finden Eröffnungs- und Schlussfeier, Eishockeyturnier (Frauen), Eiskunstlaufen, Curling und Eisschnelllaufen statt. Obwalden finanziert mit 1,6 Millionen Franken die Disziplinen Ski Alpin, Snowboard und Freeski. In Nidwalden tagen die Verantwortlichen der Fédération internationale du sport universitaire (FISU), was eine Kostenbeteiligung von 0,25 Millionen nach sich zieht. Und der Kanton Zug steuert für das Eishockey-Turnier der Männer 1 Million Franken bei.

Die Kantonsregierungen der Zentralschweiz haben beschlossen, einem Verein beizutreten, um so die Winteruniversiade 2021 zu unterstützen. Schwyz ist als einziger Kanton nicht beigetreten. Deshalb sind dort zurzeit auch keine Anlässe geplant. Dennoch hat der Kanton mitgeteilt, dass er das Projekt unterstütze – auch finanziell. In welchem Rahmen, ist zurzeit unklar.

Noch keine privaten Sponsoren

Neben den Kantonen sollen sich auch der Bund mit 11 Millionen Franken und Private mit 7 Millionen beteiligen. Ein verhältnismässig kleiner Teil der Einnahmen werden durch Teilnehmerbeiträge sowie durch den Tourismus, Eintritte und Merchandising finanziert. Finanzielle Zusagen von privaten Sponsoren liegen noch nicht vor. «Sponsoringaktivitäten sind allerdings erfahrungsgemäss erst nach der definitiven Vergabe der Spiele Erfolg versprechend», schreibt die Urner Regierung in ihrem Bericht.

Trotz konkretem Finanzplan ist die definitive Zuteilung der Austragungsorte noch offen. Die Urner Sportinfrastruktur ist prädestiniert für die Durchführung der Biathlonwettkämpfe. Diese würden im Urserntal in Andermatt und Realp stattfinden. «Gut möglich wären auch die nordischen Skiwettkämpfe sowie Ski alpin, Freeski und Snowboard», so die Regierung. Weil der finanzielle Beitrag der Kantone aber von den Wettkämpfen abhängt, ist der Urner Regierungsrat der Meinung, dass die aktuelle Finanzlage des Kantons nur das Durchführen einer Disziplin zulässt.

Wertschöpfung von 70 Millionen

Die Verantwortlichen rechnen mit 1600 Athleten und mehr als 900 offiziellen Betreuern. Die Universiade würde elf Tage dauern. Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern generiert ein Event dieser Grösse eine Wertschöpfung von 70 Millionen Franken und rund 30 000 Logiernächte. Darüber hinaus bietet der Anlass die Chance, Sportanlagen und in der Vergangenheit getätigte Investitionen zu amortisieren oder für einen anderen internationalen Event zu modernisieren.

Laut Regierungsrat Jörg hat der Kanton Uri mit dem Standort Andermatt/Realp ein sportpolitisches Interesse, dass die Winteruniversiade in der Zentralschweiz stattfindet: «Uri kann aus sportpolitischer Sicht nicht abseitsstehen», sagt Jörg. «Solche Grossanlässe sind wichtige Treiber für die Sportentwicklung und insbesondere für den Tourismus. Sport verbindet und setzt neue Impulse.» Die Urner Regierung hält in ihrem Bericht denn auch fest: «Ein Abseitsstehen würde von den übrigen Zentralschweizer Kantonen und auch auf nationaler Ebene negativ gewertet.» So unterstützt auch Bundesrat Ueli Maurer die Universiade. Der Sportminister hat dies den Kantonen bereits Anfang Jahr mitgeteilt.

Wettkämpfe für Studenten

AH. Die Winteruniversiade richtet sich an Studenten zwischen 17 und 28 Jahren. Die Wettkämpfe finden im Zweijahresturnus statt. Neben der Olympiade gilt die Universiade weltweit als zweitgrösster Wintersportanlass. Zuletzt haben die Slowakei und Spanien die Wintersportuniversiade zusammen Anfang 2015 durchgeführt. Die Schweizer Athleten haben mit zehn Medaillen den 4. Platz von insgesamt 24 Ländern belegt.

Internationale Richtlinien

Zum festen Programm gehören: Ski alpin, Ski nordisch (Langlauf, Skispringen, Nordische Kombination), Eiskunstlauf, Eishockey, Eisschnelllauf (Shorttrack), Biathlon, Snowboard und Curling. Alle ausgetragenen Sportarten müssen die internationalen Wettkampfrichtlinien erfüllen. Das heisst, es gelten Regeln wie beispielsweise an FIS-Anlässen. Aus diesem Grund werden hohe technische Anforderungen an Sportstätten und die notwendige Infrastruktur gestellt.

Die Universiade hat insbesondere in Asien, Kanada, den USA sowie in Osteuropa und Russland eine hohe Ausstrahlung. Sie gewinnt zunehmend auch in Westeuropa an Bedeutung. Das erste Mal wurde die Winteruniversiade 1960 in Frankreich ausgetragen. Der Name Universiade setzt sich aus den Wörtern Universität und Olympiade zusammen.