Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LANDWIRTSCHAFT: Düngen mit Gülle muss nicht stinken

Dass Gülle nicht gut riecht, liegt in der Natur der Sache. Je nach Art des Ausbringens auf die Wiese kann es aber mehr oder weniger stinken.
Daniel Regli
Mit dem Schleppschlauch gibt es weniger Geruchsbelästigung und Düngerverlust. (Archivbild Neue OZ)

Mit dem Schleppschlauch gibt es weniger Geruchsbelästigung und Düngerverlust. (Archivbild Neue OZ)

Daniel Regli

Dienstag ist Wasch- und Putztag: Frau Müller* öffnet die Fenster, und die frisch gewaschene Wäsche wird aufgehängt – vorausgesetzt, das Wetter ist schön. Eigentlich nichts Besonderes. Wäre da nicht Bauer Meier*, der ausgerechnet am gleichen Tag die Gülle auf der benachbarten Wiese ausbringt. Obwohl Frau Müller rasch reagiert, ist es zu spät: Die Räume im Haus riechen, als wäre eine ganze Rinderherde durchmarschiert. Die Bettwäsche wandert gleich wieder zurück in die Waschmaschine.

Auf die Technik kommt es an

Frau Müller ärgert sich: «Wieso kann Bauer Meier nicht dieselbe Güllenverteiltechnik anwenden wie Bauer Muster*?» Letzterer bewirtschaftet südlich von Müllers Grundstück eine Wiese. «Wenn Bauer Muster die Gülle ausbringt, riechen wir praktisch nichts. Obwohl seine Wiese gleich nah ist wie jene von Bauer Meier.» Der Grund: Meier spritzt die Gülle mit einem sogenannten Prallteller über sein Land und verursacht damit sehr grosse Geräuschemissionen. Muster hingegen benutzt moderne Schleppschläuche und verteilt die Gülle bodennah. Dank dieser Technik stinkt es massiv weniger, und auch der Düngereintrag in den Boden ist sehr viel besser.

Schleppschlauch wird gefördert

Weil damit gleichzeitig die Ammoniakemissionen verringert werden (siehe Box), förderte der Kanton Uri die Anschaffung von Schleppschläuchen mit finanziellen Zuwendungen. Die Zentralschweizer Kantone haben zudem beim Ressourcenprojekt Ammoniak mitgemacht. Dank dieses Förderprogramms werden in Uri nun immerhin 602 von insgesamt 2054 Hektaren Land mit Schleppschläuchen gedüngt. Wer weiterhin mit Pralltellern arbeitet, geht leer aus. 2015 ist das Programm zu Ende gegangen. Demnächst soll aber ein Anschlussprogramm folgen.

Praktikable Grenzwerte fehlen

Für Frau Müller ist das unbefriedigend: «Wenn man weiss, dass Schleppschläuche besser für die Umwelt sind, warum ist dann die alte Technik noch erlaubt?» Dazu Norbert Cathomas, akademischer Sachbearbeiter beim Urner Amt für Umweltschutz: «Beim Ammoniak fehlen praktikable Grenzwerte. Und auch wenn es solche gäbe, wäre es schwierig, deren Einhaltung zu messen.» Man könne nicht wie bei einem Kamin die Messsonde reinstecken und einen gültigen Wert ablesen. Deshalb die Anreize über das Förderprogramm. Ob die Zentralschweizer Kantone zu einem späteren Zeitpunkt weiter gehende Massnahmen beschliessen, ist heute noch offen. «Aber einfach ein Verbot auszusprechen, ist nicht möglich», sagt Cathomas.

Ein weiterer Pfeiler ist Beratung und Aufklärung, beispielsweise durch den Landwirtschaftlichen Beratungsdienst. «Wir versuchen den Bauern aufzuzeigen, dass mit Schleppschlauch weniger Dünger verloren geht als mit Prallteller», sagt Urs Elmiger, Abteilungsleiter Betriebsberatung. Er betont, dass es nicht nur auf die Technik, sondern auch auf die Wetterbedingungen ankomme: «Bei starkem Wind gibt es mehr Stickstoffverlust als bei Windstille.» Grenzen für das Anwenden von Schleppschläuchen sieht Elmiger jedoch im steilen Berggebiet.

Appell an die Sorgfaltspflicht

In Sachen Geruchsbelästigung kann Frau Müller vom Gesetz her keine Unterstützung erwarten, weil es dort nur Einschränkungen bei gefrorenen Böden gibt. Ansonsten ist es der Sorgfaltspflicht der Bauern überlassen, wie sie die Gülle ausbringen möchten. Somit bleibt ihr nur das Gespräch mit dem Bauern. «Ich verlange nichts Unmögliches, er kann sich ja einen Schleppschlauch leihen.»

Hinweis

*Namen von der Redaktion geändert.

Landwirtschaft ist Hauptquelle

Beim Ausbringen von Gülle werden vornehmlich CO2, Methan, Ammoniak und Schwefelwasserstoff freigesetzt. Insbesondere Ammoniak beziehungsweise der darin vorkommende Stickstoff ist ein Luftschadstoff und schädigt sensible Ökosysteme. Der allergrösste Teil (über 90 Prozent) der Ammoniakemissionen stammt aus der Landwirtschaft. Rund die Hälfte davon wird beim Verteilen von Gülle und Mist freigesetzt. Auch die meisten Landwirte haben keine Freude, wenn Stickstoff und damit wertvoller Dünger in die Luft statt in den Boden geht. Aus diesem Grund setzt sich das Ausbringen von Gülle mittels Schleppschläuchen immer mehr durch. Weil die Gülle so nur einen sehr kurzen Kontakt zur Luft hat, kann damit die Ammoniakemission reduziert werden.

Der Bund hat die Problematik seit längerer Zeit erkannt und unterstützt Massnahmen, die das Freisetzen von Ammoniak verringern. Es fehlen heute aber griffige Gesetze, um das Problem rasch zu lösen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.