Lawine am Oberalppass: Musste wegen Schneehühnern auf Sicherheits-Sprengung verzichtet werden?

Möglicherweise sind nach dem Vorfall in Andermatt Lawinen-Verbauungen im Gebiet nötig.

Florian Arnold
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Ende Dezember ging auf dem Oberalppass eine Lawine auf die Skipiste nieder.

Ende Dezember ging auf dem Oberalppass eine Lawine auf die Skipiste nieder.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Andermatt, 26. Dezember 2019)

Der Lawinenniedergang vom 26. Dezember hat viele Leute betroffen gemacht. Die Ursache für den Niedergang ist noch immer nicht klar, denn die Ermittlungen der Kantonspolizei Uri laufen derzeit. Vorderhand hat deshalb auch die Staatsanwaltschaft das Dossier noch nicht übernommen, wie es auf Nachfrage heisst.

Derweil haben die Spekulationen um den Vorfall zugenommen. Neben einem Variantenfahrer, der möglicherweise die Lawine ausgelöst haben soll, drehen sich andere Gerüchte um die Betreiber. Die Rede ist etwa von Sprengungen, die nicht durchgeführt worden seien – Mutmassungen zu Folge wegen des Naturschutzes, namentlich des Schutzes des Schneehuhns.

«Die Schneehühner haben im Rahmen des Bewilligungsverfahrens für den Bau der Piste in der Tat eine Rolle gespielt. Und auf deren Schutz musste auch während der Bauphase Rücksicht genommen werden», sagt Olivia Ebinger, Sprecherin des Bundesamts für Verkehr, auf Anfrage. Auf den Betrieb der Piste habe der Schutz des Schneehuhns aber keinen Einfluss. «Es ist unbestritten: Wenn man zwischen der Sicherheit der Skifahrer und dem Schneehuhn wählen muss, steht die Sicherheit ganz klar zuoberst. Man würde sicherlich nie eine nötige Sprengung verbieten, wenn man zuerst den Bau der Piste bewilligt hat», so Ebinger. Allerdings liegt es nicht am Bundesamt, sondern an den Betreibern der Piste, zu beurteilen, ob eine Piste sicher ist und welche Massnahmen dafür ergriffen werden müssen. Sprengungen seien im Gebiet erlaubt. Doch wie streng sind die Auflagen für den Naturschutz im Gebiet? «Sie sind streng, haben aber immer nur einen Einfluss im Bewilligungsverfahren», stellt Ebinger klar.

Lawinen-Verbauungen als mögliches Mittel

Möglicherweise sind nach dem Vorfall vom 26. Dezember Lawinen-Verbauungen im Gebiet nötig. «Vorgängig muss von Sachverständigen die Frage geklärt werden, ob Lawinenverbauungen das richtige Mittel sind, um Gleitschneelawinen im Gebiet zu verhindern», sagt Ebinger. «Später könnte dann mit einem Gesuch an uns herangetreten werden, bei dem schliesslich auch der Naturschutz in die Beurteilung miteinbezogen wird.»

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