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Lebendigkeit und Leichtigkeit verloren

Bergbäuerin Priska Welti kämpft mit der IG Hornkuh Uri für ein Ja zur Hornkuh-Initiative. Sie ist überzeugt davon, dass die Enthornung den Charakter der Tiere verändert.
Florian Arnold
Bergbäuerin Priska Welti kämpft für die Hornkuh-Initiative. (Bild: Florian Arnold)

Bergbäuerin Priska Welti kämpft für die Hornkuh-Initiative. (Bild: Florian Arnold)

Nicht für eine Million, sagt Priska Welti. «Nicht für eine Million würde ich ein Kalb enthornen.» Die Schattdorfer Bergbäuerin ist eine beherzte Unterstützerin der Hornkuh-Initiative. Als Präsidentin der «IG Hornkuh Uri» hat sie so kurz vor der Abstimmung alle Hände voll zu tun. Zurzeit läuft im Zeughaus in Altdorf eine Kunstausstellung zum Thema.

Neben dem Abstimmungskampf muss der eigene Landwirtschaftsbetrieb in Schattdorf umsorgt bleiben. Von zehn Kühen tragen neun stolz ihre Hörner, ebenso alle elf Ziegen. Zum kleinen bis mittleren Betrieb, den sie mit ihrem Mann Kari führt, gehört zudem ein Stier. «Weniger ist oft mehr», meint die Bäuerin. «Wir setzen auf Qualität und wollen uns für die Tiere und die Vermarktung unserer Produkte genügend Zeit nehmen. Die Ruhe wirkt sich auf das Tier und letztlich auf das Produkt aus.»

Alle Sinne sind gefragt

Nennenswerte Verletzungen gab es auf ihrem Betrieb durch behornte Kühe und Ziegen keine. «Man muss einfach vorsichtig sein. Aber jeder von uns muss sich auch an die Verkehrsregeln halten, wenn man in ein Auto einsteigt.» Man müsse alle seine Sinne einsetzen, neue Tiere auf dem Betrieb langsam in die Herde integrieren und im Sommer die Kühe zu jenem Zeitpunkt in den Stall bringen, wenn am wenigsten Insekten für Unruhe sorgen.

Trotzdem gab es eine Zeit, in der Weltis ihren Kälbern die Hörner ausbrannten. «Auch aus einem finanziellen Engpass», wie sie sagt. Kari Welti war ein gefragter Züchter. Doch die behornten Kühe brachten auf dem Markt oft nur halb so viel Geld ein, wie wenn sie keine Hörner gehabt hätten. «Das machte Ende des Jahres einige Tausend Franken aus», sagt die Bäuerin. Ab dem Jahr 2000 wurden die Kälber deshalb enthornt. «Es hat mich beruhigt, weil unsere Kinder damals noch klein waren und uns in den Stall begleitet haben», gibt Priska Welti zu. Heute weiss die Bäuerin: «Auch Kinder können den richtigen Umgang mit Hornkühen lernen.»

Verdacht erhärtet

Die feinfühlige Bäuerin spürte damals, dass sich die Tiere charakterlich verändert hatten: «Sie verloren ihre Lebendigkeit und ihr Leichtigkeitsgefühl.» So würden enthornte Ziegen weniger hoch springen als behornte. Und bei einer ihrer Kuh habe man deutlich gemerkt, dass sie weniger und schlechtere Milch gab. Als sich die Bäuerin ausserdem mit Tierkommunikation auseinandersetzte, erhärtete sich der Verdacht. Ihren Mann und dessen Bruder, der auf dem Betrieb mitarbeitet, konnte sie aber nicht so schnell vom Enthornen abbringen. Drei Jahre dauerten die Diskussionen, seit 2003 wird auf Weltis Hof nicht mehr enthornt.

Kuhhorn ist durchblutet

«Der Kuh fehlen die Antennen», sagt Priska Welti. «Mit ihren Hörnen kann sie sich nicht nur besser mit anderen Tieren verständigen, sondern sie hat auch eine feinere Wahrnehmung.» Die Rangordnung sei bei einer Herde behornter Tiere klarer. Was viele nicht wissen: Das Kuhhorn ist durchblutet. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass im Horn Stoffwechselprozesse stattfinden, wobei Gase während der Verdauung hochsteigen und dort umgewandelt werden.

Aus Tierschutzgründen sattelten in den 1990er-Jahren viele Bauern auf Laufställe um. Doch dies brachte auch Enthornungen mit sich. Weltis machten diesen Trend nicht mit. «Ich kann voll hinter einem Anbindestall stehen, sofern ein Tier jeden Tag ein bis zweimal aus dem Stall heraus kommt», sagt Priska Welti. Denn eine Kuh sei während über 12 Stunden am Tag mit Verdauen beschäftigt und müsse dabei nicht laufen.

Hörner seien genau so wichtig, wie freier Auslauf. Es sei an der Zeit, den Tieren ihre Würde zurück zu geben.

Informationen gibt es unter: www.ig-hornkuh.ch

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