LEHRABSCHLUSS: Richtige Linienwahl belohnt

Die Ab­solventen haben das Ende des Tunnels erreicht. Nach dem Feiern soll aber auch an die Zukunft gedacht werden, wurde mehrfach appelliert.

Florian Arnold
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Sie konnten gestern einen ersten Blick ins Zeugnis werfen: Michaela Schuler und Gianluca Montaquila (oben rechts), Andreas Herger (Mitte) mit Rektor David Schuler und alle anderen erfolgreichen Absolventen. (Bilder Urs Hanhart)

Sie konnten gestern einen ersten Blick ins Zeugnis werfen: Michaela Schuler und Gianluca Montaquila (oben rechts), Andreas Herger (Mitte) mit Rektor David Schuler und alle anderen erfolgreichen Absolventen. (Bilder Urs Hanhart)

Kurz vor 19 Uhr ging gestern eine Welle durchs Theater Uri. Diese galt den 47 jungen Berufsleuten gewerblicher Richtungen, die ihre Zeugnisse respektive Berufsatteste entgegennehmen konnten. Ebenso konnten sich 31 junge Menschen über ihre bestandene Berufsmatura freuen.

«Das Daumendrücken, die entzündeten Kerzen und andere Zeichen des Mittragens haben sich gelohnt», sagte Rektor David Schuler. «Heute dürfen Sie ernten, was Sie gesät haben.» Schuler räumte aber auch ein: «Die erbrachte Leistung ist ein Etappenhalt, ein Zwischenhalt, oder gar erst der Anfang, der Eintritt ins Berufs- und Erwerbsleben.» Damit wollte er jedoch nicht die Festlaune der Absolventen brechen. «Die erbrachte Leistung ist wertvoll.» Die überreichten Ausweise würden die jungen Menschen zu Fachfrauen und -männern machen. Doch Schuler sagte auch: «Wenn das heute ein Etappenhalt ist, dann geht es also weiter.» Denn mit dem Lehrabschluss respektive der Berufsmatura sei der Grundstein gelegt, um einst den Experten-Status zu erreichen. Dazu bestünde die Möglichkeit von Weiterbildungen bis hin zu einem Studium an einer Hochschule oder Fachhochschule. «In welche Richtung, in welchem Tempo, nach welcher Zeit der Pause es weitergehen wird – das bleibt Ihnen überlassen», so Schuler.

Das Warten auf ersten Lohn

«Eigentlich warten alle nur darauf, dass der ‹Schnurri› da vorne endlich fertig ist», meinte Andreas Herger aus Bürglen. So fiel denn auch die Rede des nun frisch diplomierten Schreiners ganz pragmatisch aus. Trotzdem schlug er den Bogen zurück bis an den Anfang der Lehre. «Erst dann habe ich gemerkt, wie schön man es eigentlich in der Oberstufe hatte», sagte Herger. Doch Ende Monat habe er dann auch die schöne Seite der Berufswelt kennen gelernt: «Dann hielt ich die erste Lohnabrechnung in der Hand und habe bemerkt, wofür ich eigentlich jeden Tag zur Arbeit gehe.» Sich an den Alltag zu gewöhnen, habe Zeit gebraucht.

Nach den ersten drei Jahren habe man sich in Geduld üben müssen, da die ersten Oberstufenkollegen nun mit der Lehre fertig waren. Doch das letzte Jahr sei schnell vorbeigegangen. «Man war zwar froh, dass es bald fertig war, aber am Schluss hätte man fürs Lernen doch noch gerne etwas mehr Zeit gehabt.»

Vom Pragmatismus des Schreiners angesteckt, fackelte auch Renzo Küttel, Geschäftsleitungsmitglied der UKB, nicht lange damit, die Gewinner des Förderpreises für die besten Maturaprüfungen zu verkünden. Es sind dies Michaela Schuler, Altdorf, für die Note 5,6 (Gesundheit und Soziales) sowie Gianluca Montaquila, der die Matura Technik, Architektur und Life Sciences mit der Note 5,5 abschloss.

Zusammenspiel der Fachleute

Bildungsdirektor Beat Jörg brachte die Lehrabschlussfeier in Zusammenhang mit der Neat-Eröffnung Anfang Monat. «Bei dieser Eröffnung habe ich immer an unsere jungen Berufsleute gedacht», sagte er. «Nicht nur weil der Tunnel das Resultat von einem langjährigen perfekten Zusammenspiel von hervorragend ausgebildeten Fachleuten aus vielen Disziplinen ist, sondern auch weil der Bau eines solchen Tunnels Ähnlichkeiten mit der Berufslehre hat.»

Sorgfältiges Planen und Analysieren seien beim Tunnelprojekt unumgänglich gewesen. «Man muss in Erfahrung bringen, was man mit den eigenen technischen und finanziellen Mitteln erreichen kann und wo die eigenen Grenzen liegen.» Erst dann könne die Linienführung gewählt werden. So sei auch die entsprechende Berufslehre ausgesucht worden. «Sie mussten schauen, welche Möglichkeiten Ihnen unsere Wirtschaft und unsere Schulen bieten. Sie mussten aber auch in Erfahrung bringen, wo die eigenen Stärken und Interessen liegen und wo Ihre Grenzen sind.» Offenbar hätten die jungen Leute die richtige Wahl getroffen, «sonst wären Sie heute nicht hier», so Jörg.

Bewährtes Bildungssystem

Eine Lehre sei wie der Tunnelbau mit Knochenarbeit verbunden. «Manchmal geht es flott, manchmal harzt es gewaltig», so Jörg. «Und manchmal haben sich die jungen Leute vermutlich gewünscht, dass es langsam an der Zeit wäre, man sähe das Licht am Ende des Tunnels.» Aber gar so dunkel und stickig wie tief im Gotthardmassiv sei die Lehre dann wohl doch nicht gewesen. «Im Gegenteil. Die Lernenden haben sich im Rahmen von unserem bewährten und auch führenden dualen Berufsbildungssystem bewegt. Sie sind begleitet und betreut worden von erfahrenen Berufsbildnern im Betrieb und von engagierten Lehrern.» So hätten die angehenden Berufsleute alles erforderliche praktische Können und alles nötige theoretische Wissen erlernt. «Sie alle sorgen für das harmonische Zusammenspiel von Theorie und Praxis.» Die richtige Linienwahl und die Knochenarbeit würden mit dem Tunneldurchstich gefeiert. Und so könnten nun auch die jungen Berufsleute feiern.

Florian Arnold