Leserbrief

Freuen Sie sich, in diesem fantastischen Land zu leben

Zum neuen Jahr und der aktuellen Situation.

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Die letzten Stückchen vom Mangosalat, fein delikat mit Limetten parfümiert, sind gegessen. Der Gastgeber bietet einen Grappa superiore an. Oder darf es gar ein Romano Levi aus dem 300-jährigen Eichenfass sein? «Hey you!» Roger Waters Hilferuf aus «The Wall» rüttelt mich auf.

Was ist los in der Schweiz? Zwar haben wir kein Meer, aber immer noch viel mehr als ganz viele andere Menschen dieser Erde. Ein absolutes Privileg. Es ist mir ein Graus zu moralisieren, so wie es Bob Dylan, immerhin Literaturnobelpreisträger, ein Horror war, das «Sprachrohr» der 1960er-Jahre Amerikas zu sein. «Ich bin Musiker», war sein Kommentar.

Der eingeengte Jurist und Diener unseres Staates, Mani Matter, schrieb 1972 «Dynamit». Ein bärtiger Kerl der Nacht wollte das Bundeshaus in die Luft sprengen. Es schadet keineswegs, Text und Melodie im Jetzt zu betrachten. Es steht nur auf Zeit, selbst das Bundeshaus sowie wir selbst. Es ist traurig, dass Livio Baldelli, Paul Gisler, die Tellspieler, Vorleser, die Urner Sportler und so weiter aus dem Tritt kommen. Aber wie Mani Matter es schaffte, den bärtigen Anarchisten von seiner üblen Tat abzuhalten, werden sie alle in ihrer Kunst wieder aufblühen und überleben.

Matters Weitsicht: «Kunscht isch gäng es Risiko», bewahrheitet sich zurzeit besonders – und erst noch schmerzlich. Zum Schluss möchte ich gar noch Emil Steinberger wärmstens empfehlen. Sollten Sie sich beim Sketch «Am Fenster» wiederfinden, so genieren Sie sich nicht, sondern freuen Sie sich, in diesem fantastischen Land zu leben. Retten Sie mit Humor und Güte das Jahr 2021.

Giulio Zenoni, Altdorf