Leserbrief
«Im Namen Gottes!» – zu Bauarbeiten an Karfreitag

Zu den Bauarbeiten an der 2. Röhre am Karfreitag

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«Im Namen Gottes!», das ist unserer Kantonalen Verfassung vorangestellt und ich schätze diese Präambel sehr. Ich gehe davon aus, dass wir alle damit den Versuch machen, im Sinne des «Guten» unsere Gesellschaft zu organisieren.

Die Partei unseres Landammans und Volkswirtschaftsdirektors beschreibt in ihren Statuten ihr Wesen wie folgt: «Die CVP Uri… vereinigt… Männer und Frauen aller sozialen Gruppen, welche den öffentlichen Bereich nach einem christlich begründeten Verständnis von der Würde des Menschen und nach den Grundsätzen der Solidarität und der Subsidiarität gestalten wollen».

Jetzt stellte ich am frühen Karfreitagmorgen fest, dass auf der Baustelle 2. Röhre in Göschenen Steinschlagschutznetze montiert wurden. Ich ging der Sache nach und erfuhr, dass dies mit Bewilligung der Volkswirtschaftsdirektion Uri geschah.

Begründet wird die Bewilligung (dringendes Bedürfnis) damit, dass Ende Februar in Göschenen mehr als ein Meter Schnee fiel, und damit die Bauarbeiten an der 2. Röhre verzögert wurden: «Um einen Teil der Verspätung aufzuholen (gemäss Anfrage Astra), benötigen wir die Bewilligung, um am Karfreitag zu arbeiten.»

Echt jetzt? Ist es aussergewöhnlich, dass es im Februar in Göschenen stark schneit? Entspricht es einem christlich begründeten Verständnis von der Würde des Menschen, dass Arbeiter deswegen am Karfreitag Steinschlagschutznetze montieren müssen, statt zu Hause bei ihren Familien zu sein?

Gestalten wir unsere Gesellschaft nach den Grundsätzen der Solidarität, wenn Arbeiter am Karfreitag 2021 Steinschlagschutznetze montieren müssen, während sich in den Felswänden oberhalb der Baustelle bei Frühlingstemperaturen um 20 Grad dauernd Eisplatten und Lawinen und mit ihnen Steine lösen? In Gottes Namen, versuchen wir halt weiterhin zwei Herren zu dienen.

Sebastian Tresch, Winterhalte, Göschenen