Leserbrief
(Noch) kein guter Zug

Zum Fahrplanwechsel vom 13. Dezember 2020

Felice Zenoni, Zürich/Altdorf
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Aus Urner Sicht lohnt sich ein genauer Blick auf den Fahrplanwechsel vom 13. Dezember. Wer in den letzten eineinhalb Jahren zwischen Uri und Zürich pendelte, wird den mit beträchtlichem Zeitaufwand verbundenen Umweg über Rotkreuz inklusive Fahrtrichtungswechsel nicht missen. Es ist verdienstvoll, dass die SBB den Zeitplan trotz Corona einhalten können und die Strecke Zug Oberwil – Arth-Goldau termingerecht fertig wird. Weniger erfreulich ist die Behandlung für uns Urner, wenn es um die Anbindung an die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) geht. Besonders dünn präsentiert sich der neue Fahrplan für Reisende ins Tessin via Gotthard–Basistunnel mit Abfahrt oder Ziel Uri.

Von den täglich 28 direkten Neat-Verbindungen zwischen Arth-Goldau und Bellinzona halten gerade mal drei Züge in Uri. Das ist unterirdisch wenig. Geradezu absurd wird die Rückreise aus dem Süden nach Uri am Nachmittag, beziehungsweise Abend. Die letzte direkte Verbindung via Basistunnel verlässt Bellinzona um 16.16 Uhr. Danach bleibt den Urnern im ganzen Einzugsgebiet der unteren Reussebene nichts anderes übrig, als über den Berg oder den weiten Umweg bis nach Arth-Goldau und von dort wieder zurück in den Kanton Uri zu fahren. 54 Zusatzkilometer erachten die SBB dabei als «nicht ungewöhnlich». Das macht nicht nur ökologisch keinen Sinn, für diese «Extratour» werden Urner zusätzlich zur Kasse gebeten. Und dabei ist der Zeitverlust von fast einer Stunde für diese verfügte Zusatzstrecke noch nicht einmal miterwähnt.

Beim jetzigen Fahrplan wird sich wohl manch ein Urner sagen, dann doch lieber mit dem Auto in den Süden; was wiederum umwelt- und klimaschädliche Auswirkungen zur Folge hat. Ich habe mich vor einigen Monaten direkt bei den SBB erkundigt, wie sich die Bahn zum Sachverhalt besserer Anbindung Uris an die Neat stellt. Dazu erhielt ich Ende Februar folgende Antwort: «Wie erwähnt ist es geplant, ab Inbetriebnahme des neuen Kantonsbahnhofs ab Dezember 2021 fortan alle zwei Stunden einen IC in Altdorf halten zu lassen. (...) Zum jetzigen Zeitpunkt kann leider noch keine verbindliche Aussage gemacht werden, welche Züge ab Fahrplan 2022 in Altdorf halten werden. Einzig klar ist: Es werden IC-Züge halten.»

Warum wohl auch in Zukunft durchgehend alle Neat-Verbindungen in Arth-Goldau halten werden, nicht aber im Kantonsbahnhof Altdorf, erschliesst sich mir nur schwer. Trotzdem, die Vorfreude auf den Kantonsbahnhof Altdorf ist in weiten Teilen der Bevölkerung gross. Hoffentlich hält diese Freude auch nach dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 an. Dann werden wir wissen, welche Neat-Züge Uri nicht mehr einfach links liegen lassen.