Leserbrief
Um voranzukommen, brauchen wir keinen Papiertiger

Zum Leserbrief «Reise in eine vergangene Zeit» vom 13. Februar.

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Andrea Scheuber führt in ihrem Leserbrief aus, dass aufgrund der Ablehnung des Postulats zur Gleichstellung durch den Landrat der Kanton Uri sich wohl immer noch nicht vom patriarchalen und katholischen Korsett gelöst habe. Ihr missfällt das Zeichen, dass der Landrat mit der Ablehnung an die jungen Mütter und Väter ausgesendet habe, die versuchen, ein gleichberechtigtes Leben zu führen. Gemäss ihrer Einschätzung müsse in den Köpfen jener, die dieses Postulat ablehnten, noch ein mittelalterliches Denken vorherrschen.

Als Landrätin, die dazu beigetragen hat, dass dieses Postulat abgelehnt wurde, möchte ich Frau Scheuber gerne über mein mittelalterlich geprägtes Familienmodell aufklären. Ich als Gefangene des von Frau Scheuber heraufbeschworenen patriarchalischen und katholischen Korsetts arbeite in einem 60-Prozent-Pensum als Leiterin der Rechtsabteilung in einer Unternehmung. Ich bin Mutter eines einjährigen Sohnes, der drei Tage in der Woche die Kita besucht. Nebenbei «erlaubt» mir mein Mann zwischendurch, Politik zu betreiben und als Landrätin und Präsidentin der CVP-Fraktion die Dinge im Kanton Uri mitzugestalten.

Als Landrätin habe ich mit Überzeugung «Nein» zu diesem Postulat gesagt, da der beabsichtigte Bericht aus meiner Sicht nichts – oder wenn, dann nur sehr wenig – zur Gleichstellung im Kanton Uri beigetragen hätte. So wurde das Postulat mit «Gleichstellung» zwar sehr schön betitelt, ein Papiertiger, wäre dem wichtigen Anliegen der Gleichstellung aber leider nicht gerecht geworden. Schliesslich konnte ein Grossteil der im Postulat gestellten Fragen bereits mit zwei Klicks auf der Internetseite des Kantons beantwortet werden. Konkrete Massnahmen zugunsten der Gleichstellung suchte man im Postulat leider vergebens.

Um im Thema der Gleichstellung weiter voranzukommen, brauchen wir keinen Papiertiger, der die Verwaltung beschäftigt. Sondern wir brauchen klare Massnahmen wie die Förderung von Tagesschulen, bezahlbare Kita-Plätze oder familienfreundliche Arbeitsbedingungen in den Betrieben, welche ein Umdenken in der Gesellschaft bewirken. Dafür werde ich mich mit meiner Fraktion im Sinne der Gleichstellung weiterhin einsetzen. Leider wurden diese Faktoren nicht mit einer Silbe im Postulat erwähnt. Im Übrigen sehe ich meine Aufgabe als Landrätin nicht darin, schöne Zeichen an die Bevölkerung auszusenden und dafür Applaus zu erhalten, wie sich das Frau Scheuber gewünscht hätte. Zwischendurch sei es als Landrat noch erlaubt, zu hinterfragen, ob ein Vorstoss einfach einen schönen Titel trägt oder dessen Inhalt auch wirklich den gewünschten Nutzen erzielt.

Céline Huber, Landrätin CVP, Altdorf