Leserbrief

Unternehmer meistern die Krise, nicht der Staat

Zu den aktuellen Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

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Die vom Bundesrat und den Kantonen beschlossenen Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie setzen dem gesellschaftlichen Leben enge Grenzen. Viele Betriebe bleiben abermals geschlossen. Aus gesundheitlicher Sicht sicher richtig, aus wirtschaftlichen Sicht greifen aber auch Ängste um Arbeitsplatzverlust und Existenz um sich. Das Nachsehen haben unter anderem einmal mehr die Tourismusbetriebe, das Gewerbe und die kleinen und mittleren Unternehmen. Diese bilden das volkswirtschaftliche Rückgrat unseres Landes.

Zwar ist nebst der wirtschaftlichen Wertschöpfung auch die ökonomische und soziale Integrationskraft der Unternehmen unbestritten, doch leider differiert die gesellschaftliche Wahrnehmung. Das zeigt auch ein Blick auf die Abstimmungsvorlagen vom vergangenen Herbst. Von den einen als Sinnbild von Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit geachtet, von den anderen kritisiert für ihre Profitorientierung und verantwortlich gemacht für viel vermeintliches Übel dieser Welt. Der Verlust wirtschaftlicher Dynamik, die Erstarrung der Gesellschaft und eine mentale Krisenmüdigkeit – das sind die Stichworte, welchen den allgegenwärtigen Dreiklang bilden.

Gerade in Zeiten der Veränderung und der Unsicherheit kommt der Wahrnehmung der Wirtschaft und der Unternehmen eine entscheidende Bedeutung zu. Zu einem überwiegenden Teil meistert unsere Wirtschaft die Krise bisher recht gut, weil viele Schweizer Unternehmen sehr gut aufgestellt, solide finanziert und äusserst wettbewerbsfähig sind. Zudem haben viele Unternehmer schnell und flexibel auf die Krise reagiert und waren verlässliche Arbeitgeber. Es stellt sich aber zunehmend die Frage, wie viele solcher «Schocktherapien» das Unternehmertum, das Tourismus- und Handelsgewerbe noch ohne substanzielle Verluste verkraften kann.

Damit die Schweizer Wirtschaft auf der Erfolgsspur bleibt, muss sie über ausreichend unternehmerischen Freiraum verfügen. Es braucht hier eine Rückbesinnung auf eine Kernfunktion des Staates. Das regulatorische und bürokratische Wettrüsten muss zurückgebaut werden. Eine Innovations- und Gründerkultur muss Priorität haben. So war doch auch eines der Pharmaunternehmen, welche den langersehnten Covid-19-Impfstoff entwickelt haben, noch vor wenigen Jahren ein Start-up-Unternehmen eines türkischstämmigen deutschen Ehepaars. Ebenso wie Vernunft und eigenverantwortliches Handeln der Schlüssel zur Bekämpfung der Pandemie sind, muss sich die Erkenntnis etablieren, dass letztlich nicht der Staat die Krise meistert, sondern die Unternehmer.

Ludwig Loretz, FDP-Landrat, Andermatt