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Luchs bereitet einige Sorgen

Die Mitglieder der Vereinigung zum Schutz von Jagd- und Nutztieren vor Grossraubtieren sind beunruhigt über die Schafrisse durch Luchse und den dramatischen Rückgang des Gämsbestandes.
Paul Gwerder
Der Luchs könnte mit ein Grund für den Rückgang des Gämsbestands sein. (Bild: Symbolbild: PD)

Der Luchs könnte mit ein Grund für den Rückgang des Gämsbestands sein. (Bild: Symbolbild: PD)

Kürzlich hat neben dem Wolf auch ein Luchs vier Schafe im Riental oberhalb von Göschenen gerissen, wie das vom Wildhüter vor Ort bestätigt wurde. Ein möglicher Grund: Der Luchs hat heute wahrscheinlich das Problem, dass ihm seine natürliche Nahrung – unter anderem Gämsen und Rehe – fehlt, weshalb er immer öfters Nutztiere reisst. «Die Wildtierfachstelle Kora und andere Organisationen behaupten zwar immer wieder das Gegenteil, aber die Realität sieht in Tat und Wahrheit vielerorts, etwa in Bern, Jura et cetera, anders aus», sind hingegen die Mitglieder der Vereinigung zum Schutz von Jagd- und Nutztieren vor Grossraubtieren in der Zentralschweiz (VSvGZ) überzeugt.

Die VSvGZ-Mitglieder sind beunruhigt, wie der Gämsbestand im Urner Reusstal seit Jahren drastisch zurückgegangen ist. Für sie, aber auch für die Urner Jäger ist der Fall klar: «Ein wesentlicher Grund für die starke Abnahme der Gämsen ist der Luchs.» Sowohl die Wildhut wie auch die Jäger hätten festgestellt, dass die Zahl der Gämsen im schattenhalb gelegenen Urner Reusstal dramatisch zurückgegangen sei. Obwohl die Jäger gegenüber früheren Zeiten in den vergangenen Jahren nur noch zwei statt drei Tiere hätten schiessen dürfen, habe sich der Bestand weiterhin verringert.

Ab 2018 darf ein Jäger nur noch ein Tier schiessen. Konnten in den vergangenen Jahren rund 1100 Gämsen erlegt werden, waren es 2017 nur noch 430 Stück. Trotzdem ist der Bestand nicht angewachsen. Ein Urner Jäger bedauert: «Meine fünfköpfige Gruppe hat im vergangenen Jahr während der zwei Wochen auf der Hochwildjagd nur gerade zwei Gämsen erlegen können.»

Herdenschutzmassnahmen sind keine Lösung

Die Grossraubtierbefürworter erklären immer wieder, dass die Schafe und andere Nutztiere auf den Alpen geschützt seien, wenn Herdenschutzmassnahmen richtig umgesetzt würden. Dies sieht Franz Püntener, Co-Präsident der VSvGZ, etwas anders: «Der Herdenschutz wird niemals die Lösung des Wolf- und Luchsproblems sein. Das kann man zum Beispiel in Frankreich deutlich feststellen. Dort wurden 2017 über 11000 Nutztiere gerissen, und das Schlimme daran ist, dass der grösste Teil davon aus geschützten Herden stammte», so Püntener.

«Gefährlich wird es jetzt aber auch, weil die Übergriffe durch den Wolf auch während des Tages massiv zugenommen haben. Die schlauen Tiere haben gelernt, jeglichen Schutz zu umgehen und haben ihr Verhalten den Schutzmassnahmen angepasst», erklärt der Co-Präsident. Die Tierhalter auf den Alpen und in den Bergen laufen nach Meinung der VSvGZ Gefahr, dass sie die jahrtausendealte Tradition des freien Weidewirtschaftens in den Bergen zu Gunsten der Grossraubtiere opfern müssen. «Dadurch würde die wunderbare Biodiversität, die sich in den vergangenen hundert Jahren ohne Grossraubtiere entwickelt hat, verloren gehen, was wiederum dem Tourismus schaden würde», so die Vereinigung. Viele Grundbesitzer würden schleichend enteignet, da sie ihre Weiden nicht mehr so nutzen könnten, wie es am meisten Sinn mache. Die sehr tierfreundliche Weidehaltung werde durch die Grossraubtiere massiv eingeschränkt oder verunmöglicht, da Herdenschutz niemals überall umgesetzt werden könne.

Uri einigermassen verschont geblieben

In diesem Jahr wurde der Kanton Uri vom Wolf noch einigermassen verschont – im Gegensatz zum Emmental und dem Wallis. Dort haben Wölfe auf einigen Alpen mehrere Schafe und Ziegen gerissen. Ein betroffener Älpler schilderte kürzlich, dass der Wolf ganz nahe an die Alphütte herrangekommen sei, und obwohl er das Raubtier habe verscheuchen können, habe es beim Rückzug noch zwei Schafe gerissen.

Die Familie Gerber aus Schangnau hat ebenfalls mit dem Wolf zu kämpfen. Nach einer gerissenen und einer schwer verletzten Ziege ist auch eine Kuh bei einem Angriff verletzt worden. Noch grössere Probleme haben die Bauern im Südtirol. Dort macht gemäss Medienberichten die Wiederansiedlung des Bären und die Unterschutzstellung des Wolfs eine Alpbewirtschaftung heute unmöglich. Sogar ein Rind ist in Moena in der Region Trentino bei lebendigem Leib von einem Wolf verletzt worden. «Die Wut der Tierhalter in der ganzen Alpenregion ist gross, und viele von ihnen verstehen es ganz einfach nicht, dass Wölfe, die Nutztiere reissen, nicht abgeschossen werden dürfen, zumal der ja keinesfalls vom Aussterben bedroht ist», heisst es bei den Mitgliedern der VSvGZ.

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