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Bligg verrät: «Manhattan» ist in Seelisberg entstanden

Am 25. Mai kommt der Schweizer Mundart-Musiker ans Frühlingsfest in Erstfeld. Bligg hat gute Erinnerungen an den Kanton Uri, obwohl er noch nie hier ein Konzert gespielt hat. Er spricht über einen besonderen Schnaps und über die Schwierigkeit auf Mundart Lieder zu schreiben.
Interview: Markus Zwyssig
Bligg räumte bei den Swiss Music Awards ab. Bald gibt er in Erstfeld zur Eröffnung der Sport- und Freizeitanlage Pfaffenmatt ein Konzert. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 16. Februar 2019))

Bligg räumte bei den Swiss Music Awards ab. Bald gibt er in Erstfeld zur Eröffnung der Sport- und Freizeitanlage Pfaffenmatt ein Konzert. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 16. Februar 2019))

Er heisst eigentlich Marco Bligensdorfer. Besser bekannt ist der 42-jährige Zürcher aber als Bligg. Am letzten Wochenende im Mai bringt er erstmals im Kanton Uri einen Querschnitt durch sein grosses Repertoire auf die Bühne. Zu seinen bekanntesten Songs zählen «Rosalie», «Musigg i dä Schwiiz», «Manhattan» oder «Us Mänsch».

Bei der ersten Ankündigung in der Zeitung, dass Sie in Erstfeld ein Konzert geben werden, fuhren wir einen Rüffel ein, weil wir Sie als Mundart-Rapper bezeichnet haben. Weshalb hören Sie diese Bezeichnung nicht gerne?

Bligg: Es ist nicht so, dass ich das per se nicht gerne höre. Es bezeichnet einfach zu wenig, was ich heute mache. In jungen Jahren habe ich mit Rap begonnen. Ich schreibe ganze Songs, produziere Alben und Shows, und leite ein kleines Label und bin in sonstigen unternehmerischen Angelegenheiten tätig. Ich habe mich weiterentwickelt und bezeichne mich heute als Musiker. Das trifft das, was ich mache, besser.

Bekannt geworden sind Sie insbesondere auch mit «Volksmusigg», einem Song, den Sie zusammen mit der Streichmusik Alder eingespielt haben. Was ist von dieser Swissness geblieben?

Noch einiges, zum Beispiel das Akkordeon, das immer ein fester Bestandteil meiner Musik und vor allem der Liveband ist.

Urchig geht es vor Ihren Auftritten zu und her. Sie schwören auf einen besonderen Schnaps, den es auch in Ihrem Shop zu kaufen gibt. Was hat es damit auf sich?

Das ist auch eine Form von Swissness (lacht). Ich habe sehr gerne Holz, lebe in der Nähe eines Waldrands und bin auf dem Land aufgewachsen, umgeben von vielen Wäldern. Kollegen haben mich auf den Geschmack gebracht und eigens Tannenzweige vier Wochen lang in Schnaps eingelegt. Was einst als Experiment begann, gibt es heute in meinem Shop. Und vor jedem Konzert gönnen wir uns einen kleinen Shot, bevor es losgeht.

Mit Tonträgern und Streams verdient man heute nur wenig Geld. Hängt dieses spezielle Angebot in Ihrem Shop auch damit zusammen, dass man als Musiker immer mehr auf Merchandising setzen muss?

Die Frage ist nicht ganz bei den Haaren herbeigezogen. Unser Tannenschnaps ist ein Premium-Produkt. Es ist mehr Hobby und Spass. Aber grundsätzlich ist es schon so: In der Musikindustrie wird harte Arbeit geleistet und am Schluss können alle die Musik gratis im Netz hören.

Was unternehmen Sie dagegen?

Ich habe das Glück, dass ich immer schon gerne live unterwegs war. Das ist eine zusätzliche Einnahmequelle zu den CDs. Im Dezember gehen wir auf Akustik-Tournee. In Erstfeld spielen wir aber mit vollem Karacho und bieten einen Querschnitt durch unser inzwischen grosses Repertoire.

Sie geben sich sehr volksverbunden. In Erstfeld stehen Sie nicht nur auf der Bühne, sondern durchschneiden an der offiziellen Eröffnung der neuen Sport- und Freizeitanlage Pfaffenmatt in Erstfeld auch das Band. Machen Ihnen solche Auftritte in der Provinz überhaupt Spass?

Aber klar freue ich mich. Ich fühle mich geehrt. Es ist mein erster Auftritt in Uri in meiner 20-jährigen Karriere. Zudem ist es speziell, dass ich noch die Schere in die Hand nehmen darf. Im Kanton Uri war ich bereits mehrmals privat. Ich habe mich einst zwei Wochen in Seelisberg in einem alten Bauernhaus eingemietet und Songs geschrieben. «Manhattan» und «Musigg i dä Schwiiz» sind damals entstanden.

Wie schwierig ist es, Musik auf Züridüütsch zu machen?

Das gilt nicht nur für den Zürcher Dialekt; es ist generell extrem schwierig, Songs auf Schweizerdeutsch zu schreiben. Das hängt mit den Unterschieden zusammen. Unsere Sprache hat viel mehr Silben als die englische. Der Beat bleibt grundsätzlich derselbe. Daher kann man englische Wörter viel besser ins Rhythmusraster legen als Mundart.

Liefert Ihnen der Kontakt mit dem Publikum Ideen für neue Songs?

Absolut. Das inspiriert mich. Mit dem Publikum bin ich dank der sozialen Medien viel stärker zusammengerückt. Das hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark verändert. Zu Beginn meiner Karriere habe ich das Publikum erst kennengelernt, wenn ich live gespielt habe. Heute gibt es mit Facebook und Instagram viel direktere Feedbacks, als dies früher der Fall war.

Wenn Sie es so gut kennen, können Sie für uns sicher beschreiben, wie Ihr Publikum aussieht.

Inzwischen kommen vier Generationen an meine Konzerte: Das Publikum ist sehr gemischt und zwischen 6 und 80 Jahre alt. Auch Kinder von jenen Konzertbesuchern, die früher «Rosalie» gehört haben, sind heute im Publikum. Das freut mich natürlich enorm.

Der Mundart-Musiker Bligg tritt am 25. Mai um 21 Uhr am Frühlingsfest in Erstfeld auf. Unter www.frühlingsfest-erstfeld.ch gibt es Tickets.

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