MARIA FLÜHLER: Eine Luzernerin feiert in Uri Fasnacht

Luzern mag zwar die Hochburg der Zentralschweizer Fasnacht sein. Eine Luzerner «Närrin» aber ist abtrünnig: Maria Flühler feiert die bunte Zeit seit 16 Jahren in Uri.

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Lieber Uri als Luzern: Maria Flühler an der Fasnacht in Altdorf. (Bild Angel Sanchez/Neue UZ)

Lieber Uri als Luzern: Maria Flühler an der Fasnacht in Altdorf. (Bild Angel Sanchez/Neue UZ)

Wenn Maria Flühler ihren Luzerner Bekannten erzählt, dass sie die heissgeliebten Narrentage nicht etwa im Mekka der Zentralschweizer Fasnacht, in Luzern, sondern ausnahmslos in Altdorf verbringt, erntet sie oft verständnisloses Kopfschütteln. «Und wenn ich noch erzähle, dass ich es über alles liebe, stundenlang denselben Marsch zu trommeln, verstehen die Luzerner die Welt nicht mehr», sagt die 42-jährige Fasnächtlerin lachend. «Dabei gibt es nichts Schöneres als die feierliche Stimmung, die fast schon zur Trance wird, wenn der ganze Zug im Takt den wunderbaren Marsch spielt.»

Ergriffen vom ersten Takt an
Wir sitzen in der «Schlüssel»-Bar in Altdorf. Hier hat die in Luzern wohnhafte gebürtige Küssnachterin ihr Fasnachtsdomizil. Mit Freunden verbringt sie die Narrentage seit Jahren im «Schlüssel». «Das ist zur lieb gewonnenen Tradition geworden», sagt Maria Flühler. «Hier kommen wir jedes Jahr am Mittwoch zusammen und freuen uns auf die nächsten Tage.»

16 Jahre ist es her, dass sie auf Einladung eines Freundes den bekannten Marsch hörte - es war Liebe auf den ersten Ton. «Seither habe ich keinen einzigen Fasnachtstag mehr in Luzern verbracht», sagt sie. «Meine Leidenschaft ist die Katzenmusik. Sie füllt mich völlig aus.» Noch heute sei sie vom Auftakt beim Eintrommeln «schlicht ergriffen.»

Urner Kostüme aus Thailand
Darüber hinaus schätzt Maria Flühler den familiären Rahmen der Urner Fasnacht: «Es ist so unkompliziert, jeder darf mitmachen, man kann sich auch alleine herumtreiben und trifft überall alte Freunde.» Auch in Sachen Verkleidung gebe es keinen Druck. Mit ihren Urner Bekannten hegt Maria Flühler zwar schon lange im Voraus Pläne. So hat man sich heuer entschieden, zur Erinnerung an das erste Austrommeln, an dem Frauen teilnahmen, in Schwarz zu erscheinen. Maria Flühler leistete zu diesem historischen Augenblick vor zehn Jahren ihren Beitrag: «Ich war gerade in Thailand und habe dort die Kostüme für mich und meine Freundinnen anfertigen lassen», erzählt sie schmunzelnd. Es komme aber auch vor, dass sich die Interessen unterscheiden und die Frauen und Männer in individuellen Kostümen auftauchen. «Jeder kann sich völlig frei fühlen.»

Am meisten freut sich Maria Flühler, die beruflich die Pflege-Fachstelle in einer Behindertenorganisation leitet, auch heuer auf die vielen kleinen Geschichten, die sich rund um die grossen Umzüge ereignen. «Jede Fasnacht ist für mich ein neues Kapitel in einem grossen bunten Buch», sagt sie. Heuer hat sie mit Freundinnen ein spezielles Kapitel beigesteuert: Am Donnerstag traten die Frauen als «Black Pearls» auf - ohne Trommeln, ihr Instrument die Stimme, ihr Lied der Katzenmusik-Marsch, neu aufgepeppt: «Wir haben eine Swing-Version kreiert», freut sich Flühler.

Nach ihren schönsten Fasnachtserlebnissen gefragt, denkt sie spontan an ein Erlebnis: «Ich ging mal als Prinzessin Anne an die Fasnacht», erinnert sie sich lächelnd. «Alle älteren Damen haben mich sofort erkannt.»

Manuela Kalbermatten