Matterhorn-Gotthard-Bahn ist für Krise gewappnet

Trotz Gewinn muss das Unternehmen im Zuge der Coronakrise seine Dividende zurückfahren. Auch Kurzarbeit ist ein Thema.

Christian Tschümperlin
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Die Matterhorn-Gotthard-Bahn hat gute Jahre hinter sich.

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn hat gute Jahre hinter sich.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Wegen der Coronakrise beantragt der Verwaltungsrat der BVZ Holding, zu der auch die Matterhorn-Gotthard-Bahn gehört, bei der Generalversammlung vom 16. April eine tiefere Dividende. Diese soll für das Geschäftsjahr 2019 bei 7.50 Franken pro Aktie angesetzt werden. Zum Vergleich: Im vorherigen Geschäftsjahr hatte diese noch 14 Franken pro Aktie betragen.

Bei der BVZ Holding rechnet man mit einschneidenden Auswirkungen der Pandemie auf der Ertragsseite. «In Anbetracht der aktuellen Lage und der zurzeit noch nicht abschätzbaren Auswirkungen auf das laufende Geschäftsjahr hat der Verwaltungsrat vorgeschlagen, die Dividende trotz Rekordjahr deutlich zu reduzieren», sagt Mediensprecher Jan Bärwalde auf Anfrage. Damit steht die BVZ Holding nicht alleine da, viele Unternehmen haben die Dividende ganz gestrichen.

Kurzarbeit beantragt

Auf Anordnung der Behörden sind die Gornergrat-Bahn und der Glacier-Express derzeit stillgelegt und seit Donnerstag, 19. März, fährt die Matterhorn-Gotthard-Bahn im reduzierten Betrieb. Für die Mitarbeiter wurde Kurzarbeit beantragt. Mediensprecher Bärwalde hat aber guten Grund zur Zuversicht: «Wir haben in den vergangenen Jahren Topergebnisse erzielt und konnten so ein finanzielles Polster anlegen.» Zudem sei man stark diversifiziert, etwa im Bereich Immobilien. «Wir sind gewappnet für die Krise, müssen aber die Kosten zurückfahren.» Die Generalversammlung wird unter physischem Ausschluss der Aktionäre am 16. April stattfinden. «Sie haben die Möglichkeit, ihre Stimme auf dem schriftlichen oder elektronischen Weg abzugeben.»

Die BVZ Holding kann auf ein erfreuliches Geschäftsjahr zurückblicken. Dies geht aus ihrem Geschäftsbericht hervor. Dem bisherigen Trend folgend verzeichnete die Gruppe einen neuen Höchstgewinn seit 2015 von 20 Millionen bei einem Umsatz von 180 Millionen Franken. Zum guten Ergebnis beigetragen haben laut Unternehmensleiter Fernando Lehner verschiedene Faktoren. «Hierzu zählte 2019 die ungebrochene Lust Schweizer Gäste auf Ausflüge nach Zermatt und auf den Gornergrat.» An heissen Tagen seien die Menschen fast schon in die Berge geflüchtet, um ein wenig Abkühlung zu bekommen. Eine starke Nachfragesteigerung lösten US-amerikanische Gäste aus, wohingegen sich das Wachstum aus China, Hongkong und Taiwan verlangsamt habe. Als Gründe werden im Geschäftsbericht das Coronavirus, der Handelskrieg mit den USA und die instabile Lage in Hongkong genannt.

Ein Bindeglied in Andermatt

Grosse Hoffnung setzt man bei der Matterhorn-Gotthard-Bahn auf die Destination Andermatt. «Ganz gleich, ob wir die Gastronomie, das Sportliche oder Kulturelle betrachten– hier ist ein grossartiges Angebot entstanden», so der Unternehmensleiter. Man geht davon aus, dass die Nachfrage nach Andermatt in Zukunft kontinuierlich wachsen wird. «Deshalb erneuern wir nicht nur den Bahnhof, sondern bauen gemeinsam mit unseren Partnern ein Geschäfts- und Wohnhaus, das ein Bindeglied zwischen dem alten Dorf und dem neuen Feriendorf bildet.»

Chancen sieht man auch in der Digitalisierung. «Die Umsätze in den digitalen Kanälen haben ihr starkes Wachstum fortgesetzt und sind im Berichtjahr um 43 Prozent gestiegen.» Besonders die Chinesen seien sehr internetaffin und sich gewohnt, bargeldlos einzukaufen und zu buchen. Deshalb wurde neben der chinesischen Alibaba-Plattform auch der Kommunikationsdienst WeChat über eine Schnittstelle angebunden, sodass chinesische Gäste Tickets direkt über die vertraute App kaufen können.

Für die Matterhorn-Gotthard-Bahn wurde die Sanierung des Furkatunnels fortgesetzt. Diese soll bis Mitte 2026 abgeschlossen sein.

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn gehört je zur Hälfte der BVZ-Gruppe und der öffentlichen Hand (Bund sowie die Kantone Uri, Graubünden und Wallis). Lehner ist überzeugt: «Das Modell der Public-private-Partnership hat sich einmal mehr bewährt.»