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MATTERHORN-GOTTHARD-BAHN: Sawiris baut eine rollende Bar

Ein ausrangierter Glacier-Express-Wagen wird zurzeit in ein besonderes Après-Ski-Lokal umgebaut. Der Wagen wird schon bald täglich zwischen Andermatt und Disentis fahren.
Elias Bricker, Glis
Patrick «Redl» Wehrli verpasst dem alten Glacier-Express-Wagen ein legales Graffiti. (Bilder: Elias Bricker (Glis, 4. Januar 2017))

Patrick «Redl» Wehrli verpasst dem alten Glacier-Express-Wagen ein legales Graffiti. (Bilder: Elias Bricker (Glis, 4. Januar 2017))

Elias Bricker, Glis

elias.bricker@urnerzeitung.ch

Im Depot der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) in Glis unterhalb von Brig sind momentan zwei Sprayer am Werk. Sie verzieren mit ihren Graffiti einen ganzen Glacier-Express-Wagen. Und: Sie werden nicht daran gehindert. «Normalerweise sind Graffiti auf Bahnwagen verboten», sagt Sprayer Patrick «Redl» Wehrli. «Doch im Gegensatz zu den meisten Sprayern haben wir keinen Zeitdruck.» Der Grund: Bei ihren Sprayereien handelt es sich um eine Auftragsarbeit.

Der verzierte Wagen soll schon bald als Après-Ski-Bar durch die Gegend rollen. Auch wenn es beim UZ-Besuch am 4. Januar noch nicht danach aussieht: Bereits in einer Woche wird der Wagen täglich zwischen Andermatt, Sedrun und Disentis verkehren (siehe Box). Skifahrer, Winterwanderer oder «gewöhnliche» Passagiere können es sich dann im Partywagen gemütlich machen. Serviert werden allerlei Getränke – vom Mineral bis zum Cüpli – und kleine Snacks.

Bar symbolisiert geplante Verbindung

Hinter der Idee steckt Andermatt-Investor Samih Sawiris höchstpersönlich. Stefan Kern, Pressesprecher der Andermatt Swiss Alps, erklärt: «Die Region und die Skiarena Andermatt-­Sedrun sollen dank des Après-Ski-Wagens um eine Attraktion reicher werden.» Die Bar symbolisiere die geplante Verbindung der beiden Skigebiete Andermatt und Sedrun. Überdies soll sie die Tourismusregion bekannter machen. Das Spezielle daran: Das Gastroteam der Skiarena wird die Bar führen. Die Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) muss sich ­lediglich ums Rangieren und den Fahrzeugunterhalt kümmern. Wie viel Andermatt Swiss Alps in das Projekt investiert, will die ­Firma nicht kommunizieren.

Auch für die Schreiner ein spezieller Auftrag

Im Wageninnern wird zurzeit noch geschraubt und gehämmert. Für den Umbau ist die Schreinerei Frars Berther AG aus Rueras verantwortlich. Sie wird von der Firma Raility AG aus Villmergen unterstützt, die sich auf Umbauten von Eisenbahnwagen spezialisiert hat. Neben zwei Theken wird es im Wagen auch eine Sofa-Lounge geben. Mitte Dezember war das gesamte Interieur des Panoramawagens im Depot in Glis entfernt worden. Dann wurde der Wagen nach Disentis überführt. Dort wurden die neuen Barelemente montiert.

Nun steht der Wagen wieder in Glis. Dort installieren drei Schreiner in diesen Tagen die vorgefertigten Elemente. «Das ist ein spezieller Auftrag», sagt Schreiner Damian Deflorin. «Bars haben wir auch schon umgebaut, einen Eisenbahnwagen allerdings noch nie», so der Bündner Hand­werker. Von der Idee bis zur Umsetzung verstrichen nur wenige Wochen. Ende Oktober begann die Schreinerei Frars Berther AG mit der Planung. «Die Arbeiten waren viel aufwendiger als bei einem Küchenumbau», sagt Pancrazi Ber­ther, Inhaber der Firma. Dabei gilt es, vieles zu beachten. Alles im Wagen muss festgemacht werden wie in einem Wohnmobil: Barhocker müssen im Boden verschraubt werden, damit sie auf den steilen Teilstücken der MGB nicht umfallen. Die Schubladen hinter der Theke werden mit einer speziellen Mechanik ausgerüstet, damit sie sich in den Kurven nicht von selber öffnen.

Weniger Passagiere im Glacier Express

«Der Umbau ist nicht ganz einfach», sagt Gerold Ritz, Leiter Rollmaterial Engineering bei der Matterhorn-Gotthard-Bahn.

Einerseits dürfe der Wagen nach dem Umbau nicht schwerer sein als zuvor. Anderseits müsse das Gewicht im Wageninnern gut verteilt werden, damit sich der Schwerpunkt nicht verändere.

Der Wagen stand bis vor ­kurzem noch für den Glacier-­Express im Einsatz. Doch die MGB kann ihn im Winter gut entbehren. Denn zum einen sind im Winter weniger Züge der Touristenlinie unterwegs. Zum andern kämpft der Glacier-Express seit einiger Zeit mit sinkenden Passagierzahlen. Neben dem schwachen Euro sei auch das veränderte Reiseverhalten verantwortlich, sagt MGB-Sprecher Jan Bärwalde. Reisende seien heute seltener in Grossgruppen unterwegs, und gerade Asiaten hätten auch weniger Zeit, um die ganze Strecke zu befahren. «Wir arbeiten daran, den Trend wieder umzukehren, und bis dahin ist es toll, wenn der Wagen nun anderweitig genutzt werden kann», sagt Bärwalde.

Gerold Ritz von der MGB (links) und Schreiner Damian Deflorin besprechen an der neu installierten Bar im Wageninnern die Pläne für den weiteren Ausbau.

Gerold Ritz von der MGB (links) und Schreiner Damian Deflorin besprechen an der neu installierten Bar im Wageninnern die Pläne für den weiteren Ausbau.

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