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Maturandin aus Seelisberg baut Brunnen in Madagaskar

Für einen Freiwilligeneinsatz reist Rahel Aschwanden in ein Bergdorf ohne Strom und fliessend Wasser. Die 18-jährige Seelisbergerin engagiert sich beim Aufbauprojekt eines Wasserversorgungssystems und will dort Land und Leute kennen lernen.
Remo Infanger
Rahel Aschwanden will soziales Engagement mit dem Kennenlernen fremder Kulturen kombinieren. (Bild: Christoph Näpflin (Seelisberg, 6. Juli 2018))

Rahel Aschwanden will soziales Engagement mit dem Kennenlernen fremder Kulturen kombinieren. (Bild: Christoph Näpflin (Seelisberg, 6. Juli 2018))

Während andere in ihren Sommerferien am Hotel-Pool Piña Coladas schlürfen, verbringt Rahel Aschwanden ihren Urlaub in einem armen Dorf, das weder fliessend Wasser, noch Strom hat. Ihr Ziel: Madagaskar.

Was ein wenig nach einem Abenteuertrip klingt, ist in Wirklichkeit eine Reise, bei der Freiwilligenarbeit, soziales Engagement und Umweltschutz im Zentrum stehen. Die Seelisbergerin will im madagassischen Dorf Manirisoa für dreieinhalb Wochen einen Freiwilligeneinsatz leisten, wo sie beim Bau eines Wasserversorgungssystems mit anpackt.

Unsere Zeitung wollte wissen, warum die frischgebackene Maturaabsolventin in wohlverdienten Ferien lieber zu Schaufel und Pickel statt zu Luftmatratze und Gelati greift. «Die Zusammenarbeit in Entwicklungsländern hat mich immer schon fasziniert», so die 18-Jährige. «Darum stand für mich auch schnell fest, dass ich mich gerne in einem Projekt dieser Art engagieren möchte.» In der Schule hätten sie den sogenannten Voluntourismus ebenfalls behandelt – ein englischer Begriff, zusammengesetzt aus Freiwilligenarbeit («volunteering») und Tourismus.

«Nicht immer macht Voluntourismus Sinn»

Sie habe sich auch mit den Kehrseiten dieser Reiseform auseinandergesetzt, denn nicht immer sei Voluntourismus etwas Gutes: «Es ist wichtig, abzuwägen, inwiefern man einem Dorf mit seinen Bewohnern auch wirklich hilft und nicht etwa durch den Besuch mehr Schaden anrichtet», erklärt Aschwanden. So schaue man zuerst, welche Aufgaben Sinn machen und welche weniger. Auch bedeute es ihr viel, mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu treten. «In der westlichen Welt geniessen wir ein sehr privilegiertes Leben voller Luxus», sagt Aschwanden. Zwar erhalte man über die Medien vereinzelt Einblicke in entfernte, ärmere Länder, doch wirklich vor Ort erfahren könne man diese Armut normalerweise nicht.

«Nun habe ich die Chance, eine solche Kultur näher kennen zu lernen und mich mit den Bewohnern auszutauschen», betont die Seelisbergerin. Auch das sei ein Privileg, denn Madagaskar ist alles andere als ein touristischer Magnet. Möglich macht diese Reise die Westschweizer Organisation «Nouvelle Planète» – eine gemeinnützige Organisation für Entwicklungszusammenarbeit, die in Afrika, Asien und Lateinamerika aktiv ist und verschiedene Kleinprojekte unterstützt.

Schlechter Wasserzugang schadet der Schulbildung

Nun will Rahel Aschwanden beim Aufbau eines Wasserversorgungssystems mithelfen. Zwar verfüge das Gebiet über gutes Trinkwasser, problematisch sei jedoch der Zugang. «Weil die Quellen weit ausserhalb des Dorfs in gebirgigem Terrain liegen, müssen Frauen und Mädchen täglich mehrere Stunden zu Fuss zurücklegen, um das Wasser in die Siedlungen zu transportieren», erklärt Aschwanden. Unter diesem Zeitverlust leide schliesslich die schulische Ausbildung der Mädchen. Um die 20 Brunnen mit genügend Wasserleitungen ins Dorf sollen so gemeinsam aufgebaut und verlegt werden.

Als beispielhafte Weltverbesserin sieht sich die Studentin jedoch nicht. «Mir ist bewusst, dass ich in Madagaskar nicht die Welt retten werde», so Aschwanden. «Es geht mir vielmehr darum, einen kleinen, auch symbolischen Beitrag zu leisten und eine andere Kultur kennenzulernen.» Auch die nötige Prise Abenteuer soll nicht zu kurz kommen. «Es hat einen gewissen abenteuerlichen Reiz, mal in sehr einfachen Verhältnissen zu leben», erzählt die begeisterte Bergsportlerin und fügt an: «Meine Eltern waren anfangs davon nicht so begeistert.»

Über Gefahren und Krankheiten aufgeklärt

Auf den Einsatz in Madagaskar hat sich die Tochter des Familienbetriebs «Bergkäserei Aschwanden» in Seelisberg jedoch genügend vorbereitet. Die Organisation führte im Vorfeld Treffen durch, um die Projektteilnehmer zu schulen und sensibilisieren. «Wir wurden über Gefahren und Krankheiten wie etwa Malaria aufgeklärt», sagt sie. «Auch haben wir gelernt, dass Tabuthemen wie die Homosexualität dort nicht angesprochen werden sollten.» Obwohl Madagaskar eine französische Kolonie war und sich deshalb auch vereinzelt die französische Sprache verbreitet hat, spreche die Mehrheit der Bevölkerung Malagassi. «Mein Französisch werde ich wohl nicht verbessern können», scherzt die Maturandin.

Die Reise in den afrikanischen Inselstaat startet am 18. Juli. Die Seelisbergerin wird mit zehn weiteren Projektteilnehmern aus der Schweiz nach Madagaskar fliegen. Auf die Frage, was sie sich persönlich von der Reise erhofft, antwortet Aschwanden: «Ich möchte vor allem meinen Blick erweitern und sagen können, dass ich so was mal gesehen und hautnah miterlebt habe.»

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