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Traditionelles Kaffeechränzli geht feierlich über die Bühne

Viele können es kaum erwarten, endlich mit dabei sein zu können. Der Jahrgang 1949 muss sich aber gedulden.
Christian Tschümperlin
Das sind einige der Ältesten beim 51. Kaffeechränzli der Dätwyler Stiftung, von links: Irmgard Gisler Meier (95), Albert Furger (95), Martha Fedier-Imhof (95), Max Dätwyler (90), Maria Indergand (97). (Bilder: Christian Tschümperlin, Altdorf, 30. Oktober 2019)

Das sind einige der Ältesten beim 51. Kaffeechränzli der Dätwyler Stiftung, von links: Irmgard Gisler Meier (95), Albert Furger (95), Martha Fedier-Imhof (95), Max Dätwyler (90), Maria Indergand (97). (Bilder: Christian Tschümperlin, Altdorf, 30. Oktober 2019)

Unter einem Kaffeechränzli stellt man sich gewöhnlich ein Miteinander in kleiner Runde vor. Von ganz anderer Dimension ist das Kaffeechränzli der Stiftung Dätwyler. Es wird einmal pro Jahr für Altdorfer Seniorinnen und Senioren ausgerichtet. Und ist schon eher ein Kaffeekranz. Moderator Sepp Nell konnte rund 340 Senioren zum traditionellen Anlass begrüssen. Im Unterschied zu anderen Jahren stiess bei der 51. Durchführung kein neuer Jahrgang zur grossen Runde dazu. Weil eine wachsende Seniorenpyramide auf eine begrenzte Saalgrösse trifft, hatte man das Eintrittsalter um ein Jahr auf 71 Jahre erhöht. Hedi und Werner Fries waren schon acht- beziehungsweise zehnmal mit dabei. Das Ehepaar ist seit 60 Jahren verheiratet. «Es ist immer lustig hier», sagt Hedi Fries. Man sehe viele bekannte Gesichter.

Das Ehepaar Fries geniesst den Anlass sichtlich. Sie sind seit vielen Jahren mit von der Partie.

Das Ehepaar Fries geniesst den Anlass sichtlich. Sie sind seit vielen Jahren mit von der Partie.

Den Auftakt zu dem bunten Unterhaltungsstrauss machte mit viel Herzblut die Kindertanzgruppe Erstfeld mit ihrem «Tatzelwurm»-Tanz zur Melodie Kychlingpolkan von Andreas Firssell. Der Applaus war ihnen gewiss. Moderator Sepp Nell stellte den diesjährigen Anlass unter das Motto «Luäg vorwärts». Dass dieses Motto den Senioren seltsam erscheinen könnte, das räumte er ein. «Die Lebensmitte ist wohl bei den meisten erreicht», sagte er mit einem Schmunzeln. «Warum vorwärts schauen?», fragte er ins Publikum. Er verglich das Alter mit einem Sturz. «Am Sturz kann man nichts ändern, doch hoffnungslos ist die Lage überhaupt nicht. Es kommt auf die Einstellung an.» Nell begrüsste die Ehrengäste Max Dätwyler, der im Januar 90-jährig wurde, Susanne Döhnert-Dätwyler, alt Ständerat Hansheiri Inderkum, Gemeindepräsident Urs Kälin und Sozialvorsteherin Cordelia Dal Farra. Die Mutter von Max Dätwyler hatte den Anlass ins Leben gerufen.

Mit ihrem "Tatzelwurm"-Tanz punktete die Kindertanzgruppe Erstfeld beim Publikum.

Mit ihrem "Tatzelwurm"-Tanz punktete die Kindertanzgruppe Erstfeld beim Publikum.

Musikalischer Schwung dank Handorgelduo

Die musikalischen Akzente setzte mit lüpfiger Ländlermusik das Handorgelduo Huser-Brun mit Michel Huser und Hans Brun am Akkordeon und Toni Trachsel am Bass.

Das Handorgelduo Huser-Brun besteht aus drei Musikanten: Michel Huser und Hans Brun am Akkordeon und Toni Trachsel am Bass.

Das Handorgelduo Huser-Brun besteht aus drei Musikanten: Michel Huser und Hans Brun am Akkordeon und Toni Trachsel am Bass.

Walter Bär kam die Ehre zu, die Gastrede halten zu dürfen. Er berichtete aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Buchautor und Journalist. Gleich zu Beginn lüftete er ein Geheimnis auf die Frage, wie er zu guten Geschichten kommt. «Ich habe drei Quellen: geschichtliche Ereignisse, Bräuche und das Schönste: mit älteren Leuten über früher zu reden. All das gibt Stoff für Zeitungsberichte.» Als Beispiel für ein interessantes Gespräch nannte er einen Fall, in dem ein Senior über die Kinder- und Jugendjahre im Kinderheim berichtete.

Journalist Walter Bär wusste vieles zu berichten.

Journalist Walter Bär wusste vieles zu berichten.

Stefanie Hanselmann und Bruno Gisler von der Theatergruppe Altdorf zeigten einen kurzweiligen Scatch, in dem zwei Postboten persönliche Post an die Politiker Heidi Z’graggen und den anwesenden Urs Kälin öffneten. Kälin erhielt ein Stück Naturrasen per Post zugeschickt. Dies in Anspielung an die vom Volk abgelehnte Mitfinanzierung durch die Gemeinde am Kunstrasen des FC Altdorfs.

Stefanie Hanselmann und Bruno Gisler von der Theatergruppe Altdorf spielten zwei Postboten.

Stefanie Hanselmann und Bruno Gisler von der Theatergruppe Altdorf spielten zwei Postboten.

Im zweiten Scatch mit Julia Z’graggen und Daniel Arnold nahmen zwei Stammgäste auf der Terrasse des Restaurants Nussbäumli ebenfalls das lokale Zeitgeschehen aufs Korn. So machten sie sich darüber lustig, dass der Axen gerade wieder offen sei – und wieder zu – und wieder offen.

Julia Z'graggen und Daniel Arnold von der Theatergruppe Altdorf zeigen ihr schauspielerisches Talent.

Julia Z'graggen und Daniel Arnold von der Theatergruppe Altdorf zeigen ihr schauspielerisches Talent.

Geschichten über das Verzeihen

Pastoralassistent Wendelin Fleischli von der Pfarrei St.Martin richtete besinnliche Worte an die Gäste. Es war sein erster Auftritt am Kaffeechränzli. Er nahm Bezug auf das Motto «Luäg vorwärts». Die Umsetzung des Mottos sei unter Umständen gar nicht so leicht. Er erinnerte sich an eine Begegnung mit einem unbekannten Mann an einem Bahnhof bei der tschechisch-österreichischen Grenze, in der Zeit als der Eiserne Vorhang schon gefallen war. Der Mann habe ihm sein Schicksal geklagt: Seine Familie waren Sudetendeutsche, die eine Landwirtschaft mit einem Gasthof in der damaligen Tschechoslowakei betrieben hatten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie aus ihrer Heimat vertrieben und mussten in Österreich ein neues Leben anfangen. «Diese Ereignisse haben den Mann sehr gekränkt», so Fleischli. Ob denn das so sein müsse? «Jedem von uns ist schon Ungerechtigkeit widerfahren». Das führe zu Wunden, die oft in der Seele weiterwirkten. Es gäbe zwar kein Patentrezept, mit solchen Situationen umzugehen, doch er unterstrich, dass es ganz zentral sei, zu verzeihen.

Pastoralassistent Wendelin Fleischli hob hervor, wie wichtig es ist, zu verzeihen.

Pastoralassistent Wendelin Fleischli hob hervor, wie wichtig es ist, zu verzeihen.

Höhepunkt des Kaffeechränzlis war die Ehrung der Jahrgänge ab 1934, also derjenigen die 85-jährig und älter sind. 96 Personen erhielten einen Honigtopf überreicht. Dabei gab es viele strahlende Gesichter. Besonders geehrt wurden Arnold Büchi (95), Martha Fedier-Imhof (95), Albert Furger (95), Irmgard Gisler Meier (95), Klara Widmer-Höhn (95), Margarita Aschwanden-Muheim (96), Maria Indergand (97) und Dora Tschanz-Rietmann (98).

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