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Meine Helden

Der Kampf gegen den Deppenapostroph
Matthia’s Stadler
Matthias Stadler. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Matthias Stadler. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Diese Meldung hat am Mittwoch meinen Tag versüsst. In der englischen Stadt Bristol sei seit 13 Jahren ein Herr unterwegs, der seine Nächte als «Wächter der Grammatik» verbringt. Dies berichtet die BBC. Ob es ein 1.-April-Scherz war oder nicht, weiss ich nicht, interessiert mich aber auch nicht. Denn die Meldung ist zu gut: Der Mann hat es sich dem Bericht zufolge zur Mission gemacht, falsch gesetzte Apostrophe an Firmenschildern und Werbungen zu übermalen und somit richtigzustellen. Aus dem im Englischen falsch geschriebenen «Motor’s» macht er mit einem weissen Pinselstrich das korrekte «Motors». Aus «Nail’s» wird richtigerweise «Nails». Er sagt, was er macht, sei nichts Kriminelles. Es sei viel eher kriminell, falsche Apostrophe zu setzen.

Der anonyme Held wird in der Reportage als «Banksy der Interpunktion» bezeichnet. Also als Rebell, der sich nicht zu erkennen gibt. Der Mann korrigiert demnach seit mehr als einem Jahrzehnt falsche Apostrophe in England. Meinetwegen dürfte er gerne einmal einen Abstecher in unsere Gefilde machen, denn auch hier werden falsche Apostrophe gesetzt, dass es «chlepft und tätscht». Aus «Evas Apfel» wird bei einer grossen Konditorei in Luzern «Eva’s Apfel», aus «mittags» wird auf einem Restaurantschild am Urnersee ein «mittag’s». Und statt «Autos» musste ich auch schon «Auto’s» lesen. Da sträuben sich bei mir, einem Anhänger der korrekten Sprache, die Nackenhaare.

Doch nicht nur der sympathische Engländer und ich scheinen Mühe mit verwirrten und verirrten Apostrophen zu haben. Im Internet finden sich diverse Seiten, die sich dieses Thema(’)s annehmen. Auf Twitter gibt es gar einen eigenen Hashtag. Grammatik-affine Personen zeigen Funde aus der Welt der falsch gesetzten Apostrophe. In Deutschland werden sie despektierlich «Ostdeutscher Imbissbuden-Genitiv» genannt. Besser bekannt sind sie aber als Deppenapostrophe. Eine Person etwa hat ein Schild ausfindig gemacht, auf welchem «Anana’s aus Costa Rica» stand. Wahnsinn.

Den Vogel aber schiesst ein Plakat ab, welches einen Rabatt bewirbt. «Achtung nur für: Studenten, Schüler – Azubi,s und Bundeswehr. Jetzt gibt,s 50 Prozent Rabatt». Anstatt eines Deppenapostrophs werden hier zwei Mal Kommas gesetzt, die wohl anstelle eines Apostrophs hätten stehen sollen, doch in einem Fall («Azubis») falsch gewesen wären. Und noch eine Stufe weiter geht das folgende Beispiel: «Mit dem wasserdichte’n LED ...».

Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Doch wer ist eigentlich schuld an der Misere? Obwohl bereits der Autor Thomas Mann grosszügig Apostrophe in seinen Texten verteilte, habe ich das Gefühl, dass sich solche Fehler immer häufiger finden lassen. Zunehmenden Einfluss hat heute sicher die englische Sprache, welche hierzulande mehr gesprochen wird denn je. Englisch verlangt bei einem Genitiv-S einen Apostroph. Also ist etwa «Mark’s Book» korrekt, auf Deutsch verlangt der Genitiv das «s» jedoch immer ohne Apostroph, also «Marks Buch» oder eben «Evas Apfel».

Ein weiterer Grund ist eine Änderung im Regelwerk. Vor einigen Jahren war das Zeichen noch seltener erlaubt. Der Duden sagt aber seit geraumer Zeit, dass etwa Firmenhinweise wie «Willi’s Würstchenbude» erlaubt seien. Diese Änderung wiederum bringt Sprachexperten auf die Palme. Wortgewaltige deutsche Autoren verfluchen den Duden für diese «schreckliche» Änderung und machen ihn mitverantwortlich für die Auswüchse des Deppenapostrophs.

An alle, die Mühe mit der Verwendung des Apostroph(’)s haben. Hier ein Beispiel: Wenn meine Schwester Andrea Geburtstag hat, heisst das im Geschriebenen «Andreas Geburtstag». Wenn mein Cousin Andreas Geburtstag hat, heisst es «Andreas’ Geburtstag». Gleich verhält es sich bei «Franz’ Geburtstag». Nie aber heisst es «Nicole’s Geburtstag» sondern immer «Nicoles Geburtstag». Am besten befolgen Sie diese simple Regel: Weniger ist mehr. Lassen Sie den Apostroph im Zweifel weg.

Nun mag der eine oder andere Leser dieses Thema abtun als Kategorie: «Wenn man sonst keine Probleme hat ...». Natürlich: Bomben auf Syrien, der Klimawandel und die Flüchtlingsströme sind schlimmer. Nichtsdestotrotz lobe ich mir Helden, die sich auch für vermeintlich weniger Wichtiges einsetzen: Unsere korrekte Sprach(’)e.

Übrigens: Die Deppenleerzeichen (also etwa «Sonnen Blumen Öl» oder «Würfel Zucker») lasse ich hier mal sein.

Matthia’s Stadler

Redaktor

matthias.stadler@urnerzeitung.ch

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