Kein neues Fach - dafür mehr Sensibilisierung

Statt das in einem Vorstoss geforderte Schulfach «Politische Bildung» einzuführen, konzentriert sich der Kanton neu auf den Ausbau bestehender Bildungsangebote.

Marielle Heeb
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Politische Bildung in allen drei Zyklen:  Attinghauser Kindergartenkinder beim Spielen.

Politische Bildung in allen drei Zyklen:  Attinghauser Kindergartenkinder beim Spielen.

Bild: Urs Hanhart
(Attinghausen, 20. April 2017) 

Ein neues Fach soll allen Urner Schülern die Politik näherbringen: Das forderte Landrätin Céline Huber in ihrem Vorstoss, welcher nun vom Regierungsrat in Zusammenarbeit mit dem Erziehungsrat beantwortet wurde. Darin betont sie, dass Themen wie politische Meinungsbildung und Mechanismen der Schweizer Demokratie im Schulunterricht zu wenig thematisiert werden. Schlussendlich sei es jeder Lehrperson selbst überlassen, welche Schwerpunkte sie in der politischen Bildung setze. Deshalb forderte sie ein verbindliches Fach der «Politischen Bildung», welche eine fehlende oder unzureichende Vermittlung verhindere.

Gestützt auf ersten Ausführungen überwies der Regierungsrat die Antwort an den Landrat und empfahl, das Postulat als materiell erledigt abzuschreiben. Laut Bericht des Erziehungsrats, welcher auf Anfrage des Regierungsrats eine Antwort ausgearbeitet hatte, sei die Schaffung eines solchen Fachs nicht zielführend. Obwohl die politische Bildung nicht als eigenständiges Fach definiert sei, werde sie fächerübergreifend in vielfacher Art thematisiert. Die Rahmenbedingungen für das Vermitteln von politischen Themen seien durch den Lehrplan 21 umfassend gegeben. Der Landrat überwies dann das Postulat aber ohne es materiell abzuschreiben, woraufhin der Erziehungsrat aufgefordert wurde, einen umfassenderen Bericht über die konkrete Umsetzung der Forderung des Postulats zu verfassen. Dieser liegt nun vor. 

Verbindliches und umfassendes Fundament

In allen drei Schul-Zyklen des Lehrplan 21 ist «Politik, Demokratie und Menschenrechte» eines von sieben fächerübergreifenden Themen des übergeordneten Bereichs «Bildung für nachhaltige Entwicklung» (BNE). Der Kanton Uri verfolgt sogar ort- und kulturspezifische Lerninhalte, wie zum Beispiel die Auseinandersetzung mit dem Thema "Gotthard" oder "Wilhelm Tell". Ausserdem existiert bereits ein webbasiertes Online-Lehrmittel mit dem Namen «URwegs», welches im Auftrag des Urner Erziehungssrats entwickelt wurde.

Auch in den Fächern Lebenskunde, Natur, Mensch und Gesellschaft (NMG), sowie dem Fach Räume, Zeiten und Gesellschaft (RZG)  werde politische Bildung thematisiert und angesprochen. Die altersgerechte Umsetzung dieses Fundaments ist für alle Lehrerinnen und Lehrer verbindlich. Die Schulleitung ist mitverantwortlich, dass die Volksschulen ihren pädagogischen Auftrag erfüllen - so auch für die Einhaltung des Lehrplan 21. Weiter betont der Bericht, dass die spezifische Vermittlung der politischen Instrumente nicht primär in der Volksschule, sondern vor allem in der Sekundarstufe II stattfinden soll.

Die Weitergeben von politischen Kompetenzen sei generell nicht nur Aufgabe der Volksschule. Der Kanton unterstütze zahlreiche Projekte, welche die ausserschulische politische Auseinandersetzung von Kindern und Jugendlichen fördere. Ein Beispiel dafür ist der sogenannte «Politcast», ein Podcast rund um politische Themen von jungen Urnern und Urnerinnen, welcher vom Kanton finanziell unterstützt wird. Der Kanton Uri sei sich dem Stellenwert politischer Bildung offensichtlich bewusst und werde auch in Zukunft ähnliche Projekte fördern.

Weiterbildungen und Online-Lehrmittel werden ausgebaut

Trotzdem will der Kanton Massnahmen ergreifen, um den Stellenwert der politischen Bildung in der Volksschule zu stärken. So werden neu Mindestanforderungen definiert, welche bei der Umsetzung der Inhalte eingehalten werden müssen. Das Online-Lehrmittel "URwegs" soll mit neuen Aufgabensets erweitert werden, ausserdem sollen Sensibilisierungs-Veranstaltungen für Schulleitende stattfinden. Weiter will der Kanton das Weiterbildungsangebot für Lehrerinnen und Lehrer in diesem Bereich ausbauen und Besuche im Bundeshaus Bern für Oberstufenklassen fördern, um eine reale Begegnung mit dem Lernstoff zu ermöglichen.

Landrätin Céline Huber, welche den Vorstoss initiiert hat, betont auf Anfrage der Luzerner Zeitung, dass diese Ausarbeitung die fundierte politische Ausbildung zu wenig ernst nehme. «Es enttäuscht mich, dass genau der Punkt der Verbindlichkeit, welcher der Kernpunkt meines Vorstosses war, nicht berücksichtigt wurde», so die Altdorferin. So bleibe der Stellenwert der politischen Bildung weiterhin abhängig vom persönlichen Ermessen der Lehrperson. Trotzdem sei sie natürlich froh, dass der Regierungsrat den Optimierungsbedarf erkennt und thematisiert.