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MISSIONARIN: Eine kleine Frau mit einem grossem Herzen

Seit bald 39 Jahren kümmert sich Emma Arnold in Kolumbien um die Armen – eine Aufgabe, die erfüllt, aber auch einsam macht. Ans Aufgeben denkt die 73-jährige Urnerin aber noch lange nicht.
Carmen Epp
Emma Arnold bei der Geburtstagsfeier eines der vielen Kinder, denen sie in Kolumbien geholfen hat. (Bild: PD (10. Mai 2016))

Emma Arnold bei der Geburtstagsfeier eines der vielen Kinder, denen sie in Kolumbien geholfen hat. (Bild: PD (10. Mai 2016))

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

«Wenn ich gross bin, will ich armen Menschen helfen» – diesen Vorsatz fasste Emma Arnold als kleines Mädchen in den 1940er-Jahren. Gross gewachsen ist die 1,48 Meter kleine Frau in der Zwischenzeit zwar nicht, umso grösser aber ist ihr Wirken, mit dem sie ihren Vorsatz wahr gemacht hat. Seit bald 39 Jahren kümmert sich die Lehrerin und Katechetin um die Armen in Kolumbien.

Zurzeit ist Emma Arnold auf Besuch in ihrer Heimat, wo sie alle zwei Jahre ihre Gönner besucht und Kraft tankt. Unsere Zeitung hat sie in ihrem Elternhaus in Seedorf besucht.

Vatikanisches Konzil machte lange gehegten Wunsch wahr

Dass sie dereinst in die weite Welt ziehen würde, zeichnete sich schon sehr früh ab, erinnert sich die 73-Jährige. Als Kind habe sie jeweils jedes Missionsheft verschlungen, das ihr in die Hände kam. So wuchs in der Seedorferin der Wunsch, nach Afrika zu gehen. «Wegen der dunklen Leute, der Neger, wie man damals sagte.» Auch das sogenannte Neger-Kässeli in der Schule ist Emma Arnold in bester Erinnerung geblieben. «Das war halt eine andere Zeit, auch mit den Begriffen», hält sie fest. Wie die Figur bei jeder eingeworfenen Spende nickte, habe sie angespornt, den Armen auch in Wirklichkeit helfen zu wollen. Immer wieder habe sie sich als Kind ausgemalt, wie das sein würde, diesen Menschen zu helfen. «Wie ich sie lieb haben könnte, mit ihnen tanzen und sie vielleicht auch unterrichten würde.»

In ihrer Kindheit und Jugend war dies jedoch nur Wunschdenken, die Missionsarbeit nur den Priestern vorbehalten. Bis mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er-Jahren ein Umdenken stattfand, an das sich auch die Seedorferin noch lebhaft erinnert: «Papst Johannes XXIII öffnete die Fenster der Kirchen, liess den Heiligen Geist herein, und der kam auch auf die Laien und die Frauen nieder», schildert sie. «Das war etwas ganz Grosses, ein riesiger Aufschwung, aus dem ich noch heute Kraft schöpfe.» Schliesslich stand seither auch ihr als Frau und Katechetin die Möglichkeit offen, als Missionarin in die weite Welt zu reisen.

Emma Arnold liess sich nicht zweimal bitten und bewarb sich beim Katholischen Laienhelferwerk, dem heutigen Interteam, für einen Missionseinsatz in Afrika. Mit Erfolg: 1970 reiste die Urnerin im Auftrag des Interteams für zwei Jahre nach Algerien. Danach hätte sie gerne erneut in einem afrikanischen Land gewirkt. Da die Missionsgesellschaft Bethlehem in Immensee aber Personen für Südamerika suchte, zog sie im Januar 1979 in deren Auftrag nach Kolumbien. Dort arbeitete sie fünfeinhalb Jahre in San Carlos als Katechetin, bis sie nach einem Zwischenjahr in Cartagena 1985 ihre heutige Aufgabe im Armenviertel Nariño in El Carmen de Bolivar in Angriff nahm, wo sie gar ein ganzes Bildungsprojekt auf die Beine gestellt hat (siehe Kasten).

Durch ihre Missionstätigkeit kam Emma Arnold zum ersten Mal in Kontakt mit der «wirklichen Armut», wie sie es nennt. «In diesen Ländern sind die Leute nicht arm, weil sie nicht haben, was der andere hat. Ihnen fehlt es am Allernotwendigsten.» Das zu realisieren und mit eigenen Augen zu sehen, sei zwar schon belastend gewesen, sagt Emma Arnold. Gleichzeitig sei aber auch der Antrieb gekommen, zu helfen. Am Anfang wollte sie fast zu viel helfen – auch dort, wo es gar nicht am nötigsten war. «Denn die, die als Erste kommen und um Hilfe bitten, sind meist nicht die, die es am nötigsten hätten.» Das habe sie erst lernen müssen. «Da meint man am Anfang, das seien jetzt die Armen. Und mit der Zeit stellt man fest, dass es noch viel Ärmere gibt. Jene nämlich, die nicht mal mehr die Kraft haben, um Hilfe zu bitten.»

Mit dieser Erkenntnis habe sie Jesu Mission noch besser verstanden, wenn er sagte, er sei gekommen, um den Lahmen aufzuhelfen. Damit seien nicht nur jene gemeint gewesen, die tatsächlich etwas am Bein hätten. «Armut macht geistig lahm und nimmt den Menschen die Kraft und den Ansporn, aufzustehen», sagt Emma Arnold.

In den 39 Jahren in Kolumbien hat die Urnerin schon einigen Menschen geholfen, wieder aufzustehen. Vor allem die Kinder haben es der Urnerin angetan. «Vielen von ihnen konnte ich helfen, gesund zu werden, sie teilweise gar vor dem Tod bewahren und danach aufblühen sehen. Das ist etwas Schönes.» Sie erinnert sich etwa an ein 15 Monate altes Mädchen, das mit gerade mal 5 Kilogramm Körpergewicht zu ihr gebracht wurde und noch nicht einmal die Kraft hatte, zu weinen. Heute lebt das Mädchen bei ihr im Haus und hat sich zu einer prächtigen jungen Dame entwickelt, wie Emma Arnold mit einem Foto beweist.

Einsame Entscheide und Selbstzweifel

Gleichzeitig musste sie aber auch schon oft von Schützlingen Abschied nehmen. Von Kindern und Jugendlichen etwa, die an Krebs starben. Traurig sei auch die Zeit der Vertreibungen von 1997 bis 2004 gewesen, bei der viele Vertriebene auch bei Emma Arnold Zuflucht fanden. Und immer wieder ist die Urnerin mit politischen Unruhen, Korruption und dem Drogenhandel konfrontiert. Woher sie die Kraft nimmt, all diesen Ungerechtigkeiten zu trotzen? «Irgendwann habe ich gelernt zu akzeptieren, dass ich nicht allen helfen kann», sagt sie. «Also helfe ich im Kleinen. Dort, wo ich kann.» Und auch mit 73 Jahren hat Emma Arnold noch grosse Pläne für ihr Projekt. So will sie beispielsweise das ökologische Bewusstsein vor Ort weiter stärken und selber vorleben.

Für den Weg, den sie schon als Kind ins Auge fasste, musste Emma Arnold auch Entbehrungen in Kauf nehmen – und Selbstzweifel. Dass sie keine leiblichen Kinder hat und keinen Partner, das habe sie früher oft in Frage gestellt. «Heute weiss ich, dass es richtig ist so, und kann unabhängiger dazu stehen.» Nichtsdestotrotz: Obwohl sie täglich von Hunderten von Kindern und Jugendlichen umgeben ist, die sie auch «Mama» nennen, lebt Emma Arnold ein einsames Leben. Die Entscheidungen nämlich, wem geholfen wird und wie die Spendengelder eingesetzt werden, hat letztlich sie alleine zu treffen. Und sie trägt damit auch alleine die Enttäuschung jener, denen sie nicht oder weniger helfen kann. Nebst all den Menschen, denen sie in den letzten 39 Jahren geholfen hat, ist es genau diese Stärke, die die 1,48-Meter-Frau so gross macht.

Hinweis:Am Samstag, 30. September, wird Emma Arnold in der Mehrzweckhalle im Kreisschulareal in Seedorf von 14 bis 16 Uhr den persönlichen Kontakt zu ihren Gönnern pflegen. Ausserdem erzählt eine Projektbesucherin aus der Schweiz von ihren Eindrücken aus El Carmen de Bolivar. Dazu sind alle herzlich eingeladen.

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